Ausländerbeauftragter des Landes traf Studierende

Sensibilisiert, aber nicht beängstigt

Der Ausländerbeauftrage unserer Universität, Prof. Dr. Stefan C. Müller, hatte Mitte Oktober 2001 ausländische Studierende und Gastwissenschaftler unserer Universität zu einem Gespräch mit dem Ausländerbeauftragten der Landesregierung Sachsen-Anhalts, Günter Piening, in das Internationale Begegnungszentrum eingeladen. Anlass dazu waren die im Zusammenhang mit den terroristischen Anschlägen in den USA auch in unserem Bundesland ergriffenen Maßnahmen, welche besonders unter den Studentenvertretern der Universität für einige Unruhe gesorgt hatten.

Etwa 35 Studierende und Gastwissenschaftler aus China, dem Jemen, aus Indonesien und der Ukraine, aus Ägypten und den USA waren der Einladung gefolgt. Manche von ihnen leben schon seit Jahren in der Elbestadt, andere waren erst vor kurzem eingetroffen. Gerade die Vielfalt der in der Diskussionsrunde vertretenen Herkunftsländer und der Glaubensbekenntnisse ermöglichte eine reale Einschätzung der Befindlichkeiten in der augenblicklichen Situation.

So hatte ein ständig vor dem Begegnungszentrum präsenter Polizeiwagen nicht nur bei den Bewohnern für Irritationen gesorgt, ob diese sich nun bewacht oder überwacht fühlen sollten. Allein dieses Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, miteinander zu kommunizieren, einander zu informieren. Eine kurze Benachrichtigung der Betroffenen und der Universität durch die zuständige Behörde hätte hier Abhilfe schaffen können.

Fazit des Gesprächs war, unsere ausländischen Mitbürger und Gäste sind zwar in diesen Tagen besonders sensibilisiert, fühlen sich auf dem Campus aber durchweg wohl und willkommen. Besonders wurde die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft im Akademischen Auslandsamt und den betreuenden Dezernaten und Einrichtungen hervorgehoben.

Außerhalb der Universität sieht es jedoch zuweilen etwas anders aus. Geklagt wurde über bürokratische Hürden auf den städtischen Ämtern, lange Bearbeitungszeiten, über scheele Blicke mancher Magdeburger gerade nach den Attentaten sowie über die Unsicherheit der Betroffenen, was mit ihren persönlichen Daten nach der Rasterfahndung geschieht.

Einige der vorgebrachten Beschwernisse mögen Außenstehende als nicht außergewöhnlich belastend empfinden, glauben wir doch alle beispielsweise unter unserer Bürokratie und durch sie verursachte Wartezeiten zu leiden, sind wir alle durch die wahrgenommenen Bedrohungen in Spannung versetzt. Aber verinnerlichen wir uns, wie seismographisch wir selbst auf unbekanntem oder unsicherem Terrain reagieren. Und nicht umsonst kennt die deutsche Sprache "Blicke, die töten könnten". Ein freundliches Wort, ein aufmunterndes Lächeln könnten hier manchmal Wunder wirken.

Unbedingt notwendig ist eine umfassende Information über den Verlauf und die Ergebnisse sowie das weitere Procedere der Rasterfahndung. Noch notwendiger wären jedoch ständige Informationen und Gespräche zwischen den Betroffenen und denen, die glauben, in ihrem Namen zu sprechen. Und da war dieser Gesprächskreis im Begegnungszentrum natürlich nur ein Anfang.
Gerald Christopeit