Geschlechterkonstruktion unter der Lupe

Der kleine Unterschied

Eine interdisziplinäre, öffentliche Ringvorlesung "Frauen- und Genderforschung", organisiert von Studierenden, wird im kommenden Wintersemester angeboten.

Wozu das?! Frauen sind ja ganz nett, doch deshalb muss ihnen nicht gleich eine Ringvorlesung gewidmet werden. Brauchen wir nicht eher handfeste Themen, worüber sich die Profs bei den Prüfungen freuen? Frauenforschung klingt doch ganz schön nach feministischem Hokuspokus. Und Genderforschung? Was ist Gender überhaupt? Das grammatische Geschlecht, das soziale Geschlecht oder eben Geschlecht allgemein?

Viel komplizierter

Entweder wir finden ein vernünftiges Wort oder fragen mal im Kindergarten nach, da wissen die Mädchen und Jungen nämlich auch schon, was Geschlechter sind.
Der kleine Unterschied ist nichts, was in den heiligen Räumen der Wissenschaft diskutiert werden müsste. Wahrscheinlich gibt es Männer und Frauen, die so denken, aber es gibt sicher genauso viele, denen klar ist, dass das mit dem kleinen Unterschied dann doch etwas komplizierter ist, als wir im Kindergarten dachten.
Die Frauenforschung hat seit einigen Jahrzehnten versucht, weibliche Geschichte(n) auszugraben, Frauen in den Wissenschaften sichtbar zu machen, während Genderforschung weniger feministisch motiviert, die Geschlechterkonstruktionen und ihre Bedeutungen unter die Lupe nimmt.
Die Vorlesungsreihe kann nur einen kleinen Einblick in das immens große Forschungsfeld bieten. Dazu werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Magdeburg und von anderen Universitäten verschiedene Themen vorstellen, die unter die Rubrik Frauen- und Genderforschung fallen.

Die Ringvorlesung wird von dem Frauenzentrum "Courage" und dem Gleichstellungsamt der Landeshauptstadt Magdeburg finanziell unterstützt.
Auch wem dieses Forschungsfeld eher suspekt war (ist), kann ruhig mal bei dieser öffentlichen Ringvorlesung vorbeischauen, die kein großes Vorwissen bei den Zuhörenden voraussetzt. Alle, die sich für Frauen oder das andere Geschlecht interessieren - und wer kann das schon verneinen - sind herzlich willkommen!

Katja Kauer

 

Interdisziplinäre Ringvorlesung Frauen- und Genderforschung

Die Veranstaltungen finden im Gebäude 40, Raum 427, Virchowstraße, immer dienstags von 18 bis 19.30 Uhr statt. Koordinatorin ist die Studentin Katja Kauer.

17. 10.

Die Tagebücher der russischen Zarin Katharina
Prof. Dr. Gudrun Goes, Institut für Slawistik

 

24. 10.

Starke Mädchen, schöne Frauen, selbstbewusste Männer - durch Sport? Wie Geschlechteridentität gemacht wird
Prof. Dr. Claudia Kugelmann, Institut für Sportwissenschaft, Universität Erlangen-Nürnberg

 

7.11.

Feministische Sprachkritik und Sprachpraxis
Dr. Kirsten Sobotta, Institut für Germanistik

 

14. 11.

Gibt es eine feministische Ethik?
Dr. Thomas Schäfer, Institut für Philosophie

 

21. 11.

Vom Ausharren, Umdrehen, Überfliegen und anderen Bewegungen - Autobiographische Gestaltungen von Schriftstellerinnen aus der DDR in den 80er und 90er Jahren
Dr. Heidrun Bomke, Institut für Soziologie

 

28. 11.

Gleichheit, Differenzen, Individualismus. Zur Entwicklung feministischer Theorie
Dr. Undine Eberlein, Institut für Philosophie

 

5. 12.

Feministische Literaturwissenschaft und Gender Studies
Dr. Dagmar Ende, Institut für Germanistik

 

12. 12.

Die arme Harriet. Ein Frauenleben in der englischen Romantik
Dr. Susanne Amrain, freie Autorin, Göttingen

 

9. 1.

Männliche oder weibliche Moral? Verantwortungs- statt Prinzipienethik!
Dr. Eva-Maria Schwickert, FB Politikwissenschaft, FU Berlin

 

16. 1.

Hierarchien im Gespräch. Männliches und Weibliches Kommunikationsverhalten
Sylvia Dittrich, Institut für Soziologie

 

23. 1.

XY ungelöst - Männlichkeit: ein blinder Fleck der Genderforschung?
Prof. Dr. Walter Erhart, Institut für Deutsche Philologie, Universität Greifswald

 

30. 1.

Queere Interventionen Anmerkungen zum Verhältnis von "Queertheory" und Frauen- und Geschlechterforschung
Dr. Sabine Hark, WiSo Fakultät, Universität Potsdam