Otologennachmittag

Hilfe bei Schwerhörigkeit

Es ist kein unabwendbares Schicksal, schlechter zu hören oder sogar zu ertauben. Zu Vorträgen und Diskussionen über den neuesten Stand der Möglichkeiten der Hörverbesserung hatte die HNO-Universitätsklinik Mitte April klinisch tätige und niedergelassene Fachkollegen zum Magdeburger Otologennachmittag eingeladen. Schwerhörige Menschen fühlen sich zunehmend isoliert, weil sie nichts mehr mitbekommen. Wer möchte schon ständig nachfragen? Insbesondere beim älteren Menschen besteht die Gefahr der Vereinsamung aufgrund des schlechteren Hörens.

Störungen früh erkennen

"Sowohl bei Mittelohr- als auch bei Innenohrschwerhörigkeiten können diese schwerwiegenden Folgen durch den Einsatz moderner apparativer Methoden vermieden werden", erklärte Professor Bernd Freigang, Direktor der HNO-Uni-Klinik. Gerade bei Kindern sei es außerordentlich wichtig, frühzeitig Hörstörungen zu entdecken und diese möglichst rasch zu therapieren, um dauerhafte Schäden für das Kind zu vermeiden.

Dr. Horst Hessel und die Diplom-Pädagogin Antje Stützel zeigten auf, welche Folgen unerkannte und nicht behandelte Hörstörungen für Kinder haben. Von großer Wichtigkeit ist die individuelle Auswahl von Hilfsmitteln, um ein normales Hören und eine normale Entwicklung wieder zu ermöglichen. Tauben Kindern kann der Einsatz von Innenohrprothesen, sogenannten Cochlear-Implants, ein gutes Hörvermögen und eine gute Kommunikationsfähigkeit verschaffen.

Professor Hellmut von Specht, Leiter der Abteilung Experimentelle Audiologie und Medizinische Physik, stellte anschließend anhand des Aufbaus des Hörorgans die einzelnen Möglichkeiten der Hörverbesserung dar. Über aktuelle Konzepte, welche Therapie bei welcher Form der Schwerhörigkeit empfohlen wird, informierte Professor Rudolf Leuwer von der Universität Hamburg. Die Bandbreite reicht dabei von den klassischen Hörgeräten über Hörgeräte, die im Knochen verankert werden und Hörgeräte, die in das Mittelohr eingesetzt werden bis hin zum Ersatz der Innenohrfunktion durch Cochlear-Implants. Durch die Einbeziehung und enge Zusammenarbeit mit dem Deutschen Berufsverband der HNO-Ärzte soll deutlich werden, wie wichtig eine enge Kooperation zwischen der Klinik und niedergelassenen HNO-Ärzten und auch Kinderärzten ist. "Nur so können die jeweils neuesten Möglichkeiten zum Nutzen der Patienten angewandt werden", betonte Professor Freigang bei der Auswertung der Fortbildungsveranstaltung.

Prof. Dr. Rainer Weber