Ehrenkolloquium zum 75. Geburtstag von Herbert Goering

Internationale Gäste würdigten sein Schaffen

Anläßlich seines 75. Geburtstages ehrte die Fakultät für Mathematik Prof. i.R. Dr. Herbert Goering im März mit einem Festkolloquium im Senatssaal der Universität. Der Einladung zu diesem Ehrenkolloquium folgten Wissenschaftler, ehemalige Mitarbeiter, Doktoranden und Absolventen aus nah und fern sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Nach den Grußworten des Rektors würdigte Prof. Dr. Lutz Tobiska in seiner Laudatio das Wirken und Schaffen des Jubilars.

Nach dem Mathematikstudium an der Martin-Luther-Universität Halle/

Wittenberg begann Herbert Goering seine wissenschaftliche Laufbahn an der Humboldt-Universität zu Berlin mit dem Studium der Lösungen von Differentialgleichungen zur Beschreibung der Turbulenz in Strömungen in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Kurt Schröder. Mit mathematischen Untersuchungen zum Umschlag laminar &endash; turbulent promovierte Herbert Goering 1957 an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin. Bereits als Oberassistent am Institut für Angewandte Mathematik und Mechanik der Akademie der Wissenschaften gab er einen Sammelband zur statistischen Theorie der Turbulenz heraus, in dem die Arbeiten namhafter russischer Wissenschaftler zu finden sind. Sein Weg führte ihn über Cottbus und Leipzig schließlich 1964 an die Technische Hochschule Magdeburg, an der er sich mit einer Arbeit zur nichtlinearen Torsionstheorie habilitierte.

Ob als Direktor des I. Mathematischen Institutes, als Leiter der Spezialklasse für Mathematik und Physik, als Direktor der Sektion Mathematik und Physik oder als Leiter des Wissenschaftsbereiches Analysis, er setzte sich für hohe Maßstäbe in der mathematischen Ausbildung der Studierenden und in der mathematischen Grundlagenforschung ein. Dem Ingenieur ein solides mathematisches Grundwissen auf neuestem Stand zu vermitteln und ihn damit zu befähigen, mathematische Denkmodelle bei der Lösung komplizierter Probleme einzusetzen, gehörten zu seiner Maxime. Mit der Organisation von sechs Informationsmessen zur Anwendung der Mathematik in der Volkswirtschaft trug er wesentlich zu einem neuen Verständnis der Mathematik bei. Zur frühzeitigen Einbeziehung von Studierenden in die Forschung gründete er einen wissenschaftlichen Studentenzirkel, aus dem viele Diplomarbeiten und Promotionen zum Problemkreis der asymptotischen und numerischen Lösung singulär gestörter Differentialgleichungen entstanden sind.

Forschung für Menschen

Zu den Festrednern des Kolloquiums gehörten neben seinen Schülern Prof. Dr. Hans-Görg Roos von der TU Dresden und Prof. Dr. Gert Lube von der Universität Göttingen auch Prof. Dr. Eduard M. de Jager von der Universität zu Amsterdam, der zu den Vätern der international beachteten niederländischen wissenschaftlichen Schule auf dem Gebiet der singulär gestörten Differentialgleichungen gehört, sowie Prof. Dr. Martin Stynes von der National University of Ireland, Cork, einem führenden Experten der Numerik derartiger Gleichungen. Sie zeigten in ihren Beiträgen die aktuellen Tendenzen auf dem wissenschaftlichen Arbeitsgebiet des Jubilars auf.

"Die lohnendsten Forschungen sind diejenigen, welche indem sie den Denker erfreu'n, zugleich der Menschheit nützen." Dieser Satz stammt von dem Salzburger Physiker Christian Doppler und beschreibt in einfacher und zutreffender Weise die Motive, die den Jubilar immer wieder dazu bewegt haben, mit scharfem Blick auf die offenen mathematischen Fragestellungen in den Anwendungen zu schauen und seine Schüler zu ermuntern, Gleiches zu tun. Sie haben inzwischen mehr als einmal erfahren, daß sich die in interdisziplinärer Zusammenarbeit herausbildenden mathematischen Fragestellungen oft zu den spannendsten und zugleich schwierigsten Problemen gehören. In diesem Geist sind auch seine Arbeiten, wissenschaftlichen Taschenbücher, ein Lehrbuch und eine Monographie geschrieben, die in mehreren Auflagen in Westdeutschland, Großbritannien und Polen erschienen sind.

Prof. Dr. Lutz Tobiska