Familienmitglied auf Zeit

Zu Hause in der Ferne

"Ich fühle mich nicht wie ein Gast, ich gehöre einfach dazu", meint Sheilah Green aus Stevens Point, Wisconsin, die an unserer Uni momentan einen landeskundlichen Sprachkurs besucht. Familie Köhler hat sie für drei Monate als Gast aufgenommen. Sie sei ein ganz unkompliziertes "Familienmitglied" schätzt Monika Köhler, Professorin für Gesang am Institut für Musik, ein, und die fünf Köhlers hätten gemeinsam mit ihr viel Spaß.

Anfangs sei sie sehr aufgeregt gewesen, erzählt die 21-Jährige, aber ihre drei "Gastbrüder" machten das Eingewöhnen leicht. Mit Leonard übt sie fleißig Vokabeln und im Gegenzug lehrt er Sheilah Rührkuchen zu backen. Kilian nahm seine "Gastschwester" mit in den Englischunterricht. Seine Klassenkameraden am Norbertusgymnasium waren begeistert von Sheilahs Berichten über das Leben in Amerika. Der älteste Sohn der Köhlers, Christian, zeigt ihr das Magdeburger Studentenleben. Er studiert an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft.

Viel gereist

Sheilah ist begeistert von ihrer Gastfamilie. Sie lerne viel über das Leben hier in Deutschland, über die Gepflogenheiten der Menschen, aber auch über Kultur und Geschichte des Landes. Außerdem werde nur deutsch gesprochen - in gutes Training für die Amerikanerin, die in Stevens Point im Hauptfach Deutsch studiert. Diese Erfahrungen fehlten ihren Kommilitonen, die im Wohnheim in schlecht ausgestatteten Zimmern, mit anderen ausländischen Studierenden der Universität auf einem Flur, untergebracht sind.

Die Lehrerinnen des Kurses kümmern sich rührend um ihre Schützlinge aus dem fernen Amerika. Dennoch wünscht sich Sheilah, dass der Unterricht mehr auf das Sprachniveau der Teilnehmer abgestimmt werde, da dieses doch sehr unterschiedlich sei. Viel Spaß machten ihr die von der Uni organisierten Ausflüge u.a. nach Weimar, Wittenberg oder Berlin. Unvergesslich bleibe ihr der Karneval in Mainz, den sie während eines Besuchs von Verwandten der Köhlers miterleben durfte.

Die junge Amerikanerin hat in Magdeburg bereits viele Freunde gefunden u.a. im Jugendchor der St. Andreas-Gemeinde. Am liebsten mag sie die Teezeit, wenn alle Familienmitglieder zusammenkommen und von ihren Erlebnissen des Tages erzählen oder über Gott und die Welt plaudern.

"Doch nicht nur für Sheilah ist die Zeit in unserer Familie ein Erlebnis", unterstreicht Prof. Köhler. Auch wir erfahren viel über das Leben und die Mentalität von Amerikanern, gewinne ein Stück Weltoffenheit. Und dazu muss nicht etwa die ganze Wohnung auf den Kopf gestellt werden. Das alltäglich Leben geht einfach weiter, nur eben mit einem Familienmitglied mehr."

Ines Perl

Wer Interesse hat, einen ausländischen Gast aufzunehmen, melde sich bitte im Akademischen Auslandsamt.