Über Literatur, Theater und Leben im südlichen Afrika

Interkultureller Studienkurs in Brno

Lohnt es sich, die vorlesungsfreie Zeit - im Volksmund zärtlich Ferien genannt - zu verkürzen, um sich wieder in einem Raum mit Studenten zusammenzufinden? Diese Frage persönlich beantwortend, bleibt nur ein becircendes "oui". Denn bei dieser Unterbrechung handelte es sich um einen Austausch von Fachpersonal zwischen unserer Universität und der Masaryk Universität in Brno. Wobei ich mich natürlich nicht als Fachpersonal bezeichnen will. Nein, ich meine den Dozenten des Instituts für fremdsprachliche Philologien, Dr. Jürgen Martini, der an der Universität in Brno zu einem Seminar über die Literatur, Theaterstücke, deren musiktraditionale Einflüsse, Lebens- und Leidenskultur des südlichen Afrikas einlud. Dabei hatten zwei Studenten aus Magdeburg die Möglichkeit, ihre Ansichten mit in diesen, rein für tschechische Studenten initiierten, Kurs einzubringen.

Für die tschechische Mehrheit, wie auch für die deutsche Minderheit, in diesem Treffen der Perspektiven war aber, so wie ich aus Gesprächen entnehmen konnte, genau dieser Bestandteil ein besonderes Erlebnis.

Es handelte sich bei diesem Anschmiegen von Ideen um eine Art Blockseminar. In Tschechien hatte das Semester bereits begonnen. Es war, wie in einem Ehevertrag zwischen Universitäten verankert, eine Zeit, in welcher der eine Partner sich die Früchte eines kräfteraubenden, Wissen hoffentlich anhäufenden, Semesters so richtig gedanklich munden ließ, während der andere bereits wieder Studenten mit Wissensnahrung fütterte.

Keine Einbahnstraße

Doch natürlich ist dies keine Einbahnstraße. Auch Brno hatte in diesem Jahr schon einen ihrer Dozenten, in der Zeit der Hausarbeiten und Prüfungen, nach Magdeburg exportiert. Es handelte sich dabei um Steve Hardy, der in Magdeburg sein Wissen über die britische Kultur in die willigen Köpfe brachte.

Bei diesem zwischenstaatlichen Gedankenaustausch in Brno stand der einfühlende und dadurch einschätzende Aspekt im Vordergrund und so lasen wir Bücher sowohl aus Südafrika, als auch aus Simbabwe. Unsere Literaturliste hatte einen vorgezeichneten Pfad. Zuerst stand der Versuch, uns in die Psyche des Kulturraums hineinzudenken und daher begannen wir mit Bessi Head. Eine Frau, gezeichnet durch ihre gemischte, ursprüngliche Herkunft und den daraus resultierenden ausgrenzenden Suggestionen ihrer Umwelt, die ihr oft das Gefühl der nicht Zugehörigkeit geben.

Unverrückbare Erfahrung

Mit dem Voranschreiten des Erkennens, sei es beispielsweise durch Nadine Gordimer, kam aber immer mehr das Labyrinth des Auseinandersetzens mit uns selber und unserer Geschichte als Europäer oder der Europäer in Afrika hervor. Ob nun alles so verstanden werden wollte, sei subjektiv.

Jedenfalls war es für meine Kommilitonin Vanessa und mich eine unverrückbare Erfahrung. Wir hatten ein Quartier bei freundlichen Tschechen und schnell wurden gerade wir von den Studenten im Seminar in die Gewohnheiten und den kulturellen Kanon der tschechischen Republik eingewiesen. Dabei war uns der Gedankenaustausch genauso wichtig wie das fachliche Gespräch über das südliche Afrika. An den letzten Tagen des Gedankenzeigens war dann nur noch die Rede von Simbabwe, wo gerade politische Machtspiele zwischen afrikanischen Bevölkerungsmehrheiten und -minderheiten eine Rolle spielen.

Das Fachliche für sich selbst sprechen lassend, will ich abschließend nur noch über meine subjektiven Eindrücke schreiben. Es war beispiellos, wie wir in dieser "fremden" Universität aufgenommen wurden. Vom ersten bis zum letzten Tag war es eine freundschaftliche und ungezwungene Atmosphäre zwischen uns und den Studenten in Brno. Wir hatten einen unvergleichlichen Aufenthalt, und ich wünsche mir Meinungsaustausche wie diesen viel öfter, sei es, daß tschechische Studenten zu uns kommen oder auch andere Studenten aus Magdeburg diese Möglichkeit in Anspruch nehmen können.

Karsten Steinmetz