Nachträgliche Digitalisierung

Zettelkatolog online

Die Katalogsituation der Universitätsbibliothek (Hauptbibliothek) und der Bibliothek der Fakultät für Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften entspricht derjenigen vieler Bibliotheken, die über Zettelkataloge ins Online-Zeitalter gelangt sind.

Einen konventionellen Gesamtkatalog der Bestände beider Bibliotheken hat es bisher nicht gegeben. Beide Bibliotheken führten alphabetische Kataloge der Bestände bis 1992. Bestände ab 1993 sind im PICA-Online-Verbundsystem des gemeinsamen Bibliotheksverbundes (GBV) und damit im lokalen Online-Katalog OPAC (Online Public Access Catalogue) nachgewiesen. So wünschenswert der Nachweis des Gesamtbestandes im OPAC wäre - der Universitätsbibliothek (UB) ist es aus eigenen Personal- oder Sachmitteln nicht möglich, die nachträgliche Online-Erfassung, Retrokonversion, ihres Bestandes der Jahre 1953 bis 1992 in einem vertretbaren Zeitraum zu bewältigen.

Ersatzlösung

Es mußte daher nach Ersatz- oder Überbrückungslösungen gesucht werden. So konnte in der UB durch ABM der Freihandbestand komplett und der Magazinbestand der Jahrgänge 1980 bis 1992 erfaßt werden. Weiterhin werden Bücher, die noch nicht im OPAC enthalten sind, vor der Ausgabe an den Benutzer retrokonvertiert, so daß allmählich der Bestand in den OPAC gelangt. Darüber hinaus war aber nach einer Lösung zu suchen, die zum einen Kataloge im Netz zugriffsfähig macht und damit beide Bibliotheken weiter öffnet, zum anderen aber auch finanziell vertretbar bleiben würde.

Im Rahmen eines Projekts zur Digitalisierung der Zettelkataloge, welches in der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt in Halle lief, konnte die UB ihre alphabetischen Kataloge digitalisieren lassen. Dieses Projekt wurde vom Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt unterstützt.

Das gewählte Verfahren ist eine Kombination von "image scanning" mit der manuellen Erfassung von Leitkarten. Diese Texte sind in einer Übersichtsliste von Suchbegriffen gespeichert. Zu jedem dieser Suchbegriffe sind die Scans der hinter der Leitkarte plazierten Zettel abgelegt. Auf die Eingabe des Suchbegriffs durch den Benutzer erfolgt eine Auflistung der Suchbegriffe ("Einsprungpunkte") in der alphabetischen Umgebung des eingegebenen Begriffs. Der Benutzer wählt dann den passenden Begriff aus der Übersichtsliste und kann an dieser Stelle mit dem "Blättern" beginnen, bis er die gewünschte Stelle im Katalog erreicht. Das Verfahren erinnert durchaus an die Suche in einem konventionellen Zettelkatalog. Die Recherchemöglichkeiten sind im Gegensatz zum OPAC eingeschränkt. Es gibt nur eine Einstiegsmöglichkeit unter dem ersten Ordnungselement, das ist in der Regel der Verfassername, bei Sachtitelwerken das erste Ordnungswort. Aus den gefundenen "Einsprungpunkten" ist der auszuwählen, der dem Suchbegriff alphabetisch am nächsten ist. Durch Blättern in Schritten 1, 10, 25 oder 100 Karten vorwärts oder rückwärts kann der gesuchte Titel gefunden werden.

Da die Zettelkataloge konsequent abgebrochen wurden, sollte eine Recherche immer zuerst im Online-Katalog OPAC erfolgen. Die gescannten Kataloge werden als Behelf angesehen, der die retrospektive Katalogisierung nicht ersetzen kann. Nach erfolgreichem Abschluß des Projekts sind die digitalisierten Zettelkataloge nun im Internet auf der Web-Seite der UB verfügbar.

Manuela Gaertner