Projekt von Wirtschaftsinformatik-Studenten

Anti-Viren-Software im Test

Viren, Würmer und Trojaner - allein ihre Erwähnung lässt jedem Computernutzer eine Gänsehaut über den Rücken rieseln. Bedeuten sie im schlimmsten Falle doch das Aus für den elektronischen Helfer, zumindest aber viel Ärger und zusätzliche Arbeit, haben sie erst einmal den Weg auf dessen Festplatte gefunden. In Windeseile können die Bösewichte diese im Zeitalter des Internet in jedem, auch noch so entlegenen, Winkel der Netzwelt erreichen.

Nun, alles kein Problem, sagten sich renommierte und auch weniger renommierte Anti-Viren-Software-Entwickler. Wenn Disketten auf diese Quälgeister hin geprüft werden können, geht das, klar doch, auch mit einem Server, und sie schlossen geschwind die Marktlücke. Natürlich behauptet jeder Hersteller, dass seine Software die beste sei.

Hersteller aufgeschlossen

Aber halten die Programme auch wirklich, was ihre Hersteller versprechen? Diese Frage stellte sich auch eine Gruppe von Wirtschaftsinformatik-Studenten um Claus Rautenstrauch, Professor für Wirtschaftsinformatik. Kay Eidner, Stephanie Gläser, Hendrik Muhs und Marc Schneider nahmen gemeinsam mit einem der wenigen unabhängigen Virenexperten Deutschlands, Andreas Marx, ebenfalls Wirtschaftsinformatik-Student an unserer Uni, über 40 Produkte von gut einem Dutzend Herstellern unter die Lupe. Sechs Wochen dauerte dieser weltweit wohl umfangreichste und einmalige Test in einem Labor des Instituts für Technische und Betriebliche Informationssysteme.

Der Bitte von Andreas Marx, der auch die Projektleitung hatte, sich am Test zu beteiligen, kamen die Software-Hersteller interessiert nach; ging es den Initiatoren doch nicht nur um die Unterstützung von PC-Benutzern, sondern auch darum, den Entwicklern Fehler und Unstimmigkeiten ihrer AV-Programme aufzuzeigen, die diese in Folgeversionen korrigieren können.

Getestet wurden bei den Programmen allgemeine Software-Kriterien wie Vollständigkeit, Benutzerfreundlichkeit, Programm-Feedback, Sicherheit, Effizienz, Kompatibilität, Installation und Konfiguration, Dokumentations- und Updateangebote, Support oder Kosten. Aus virenspezifischer Sicht sind Virenscanner, Virenwächter, Desinfektion, die Virenerkennung bei archivierten und komprimierten Daten sowie Notfallpläne des Herstellers überprüft worden.

Ergebnis des Tests ist eine umfangreiche Sammlung von Rohdaten, die in einer 48-seitigen Excel-Datei zusammengefasst ist. Diese Daten, im Internet veröffentlicht, stehen somit auch Fachzeitschriften als Grundlage für Veröffentlichungen und spezifischere Prüfungen zur Verfügung. Selbst haben die studentischen Tester keine Wertungen der Ergebnisse ihrer Arbeit vorgenommen, sondern nur die Daten in mühevoller Kleinarbeit während der Semesterpause zusammengetragen.

Die Hersteller zeigten sich vom AV-Test begeistert, gibt er ihnen nicht nur umfangreiches Datenmaterial zu den im eigenen Haus entwickelten Programmen, sondern auch zur Software der Konkurrenz und damit die Grundlage, Fehler auszumerzen und die Anti-Viren-Software weiter zu entwickeln.

Und auch die Studierenden waren begeistert, brachte die täglich fast zwölfstündige Arbeit ihnen doch praktische Erfahrungen, u.a. in der Zusammenarbeit mit einem weltweit anerkannten Virenspezialisten, die Lehrbücher und Vorlesungen, Seminare und Labor-Übungen nicht vermitteln können. Eine Neuauflage des AV-Tests ist deshalb fest eingeplant.

Ines Perl