Diskussionsabend mit Gästen aus einem fernen Land

Ein Hauch von Indien

Der Austausch zwischen den Universitäten Magdeburg und Bombay (im offiziellen Gebrauch: Mumbai) wächst und gedeiht. Im Wintersemester 1999/2000 hielten sich von der Magdeburger Psychologie Prof. Volker Linneweber und Dr. Michael Knuth zu Gastseminaren, von der Anglistik Prof. Rüdiger Kunow zu Vorlesungen über amerikanische Literatur, Prof. Bernd Peter Lange zur Unterzeichnung des Universitätsvertrages und Dr. Reinhold Wandel zum Sammeln von "authentic material" für die Behandlung Indiens im Mittelstufen-Englischunterricht in Bombay auf. Dana Eggeling, Studentin der Anglistik, besuchte von September bis März am Kalina-Campus innerhalb des Magisterkurses Seminare, und Irina Theißen setzt ihr Psychologie-Studium fort, konzentriert sich auf betriebspsychologische Projekte und untersucht die Einstellungen und Erklärungsversuche verschiedener Bevölkerungsgruppen zum Thema Aids in der indischen Metropole.

Aus Bombay war im Winter die Studentin Kavita Ghone zehn Wochen in Magdeburg und nahm u.a. aktiv an Produktionen der hiesigen englischsprachigen Theatergruppe teil, und im April besuchten uns Prof. Yasmeen Lukhmani, die Leiterin der Anglistik-Abteilung der Universität Mumbai, die Seminare zu "Indian English" und zum Schriftsteller Salman Rushdie hielt, und Dr. Mala Pandurang als Stipendiatin der Humboldt-Stiftung, die über postkoloniale Literatur forscht und im Rahmen der Kulturstudien ein stark frequentiertes Seminar zu "Frauen in Indien und in der indischen Diaspora" hält.

Einblick gegeben

Die Anwesenheit dieser beiden Wissenschaftlerinnen nutzte das Institut für fremdsprachliche Philologien und lud Ende April zu einem offenen Diskussionskreis zum Thema "Indien" ein, um auch einem breiteren Universitätspublikum die Gelegenheit zu bieten, mehr über das gegenwärtige Südasien zu erfahren. So konnten die etwa 30 interessierten und engagierten Teilnehmer, Studierende, Professoren, Dozenten sowie interessierte Englisch-Lehrerinnen, ihre Fragen an die beiden Gäste aus Indien richten. Angesichts der aktuellen Diskussion in Deutschland ging es zunächst um den merkwürdigen Widerspruch, dass Indien so viele Software-Experten ausbildet, also an modernster Technologie partizipiert, während gleichzeitig fundamentale soziale und medizinische Probleme kaum oder ungenügend bewältigt werden. Dabei erfuhren wir, dass die deutsche Offerte in Indien keine Schlagzeilen mache, ja, kaum bekannt sei und dass der Arbeitsmarkt in den USA und in der arabischen Welt von indischen Technikern und Spezialisten attraktiver eingeschätzt werde. Die sozial schwierige Lage Indiens wurde vor allem auf die Bevölkerungsexplosion zurückgeführt. Auf einen deutschen Einwand, warum denn z.B. die Slums in Bombay nicht beseitigt werden könnten, hieß es: "Wir tun ja sehr viel in Bombay; aber es strömen eben immer mehr Menschen in die Stadt." Was die Frage der Hinduisierung betrifft, so wurde eindeutig vermerkt, dass diese Bewegung wieder im Abflauen begriffen sei, und der beängstigende Konflikt zwischen Indien und Pakistan wurde als Konflikt der Regierungen, als Problem von Extremisten interpretiert. "Wenn wir als einfache, normale Menschen nach Pakistan reisen, werden wir freundlich und freundschaftlich behandelt, und wenn Pakistanis nach Indien kommen, ist dies ebenso der Fall." Zum Schluss versuchten die beiden Wissenschaftlerinnen, dem Magdeburger Publikum typisch indische Sportarten wie “Kabbadi" oder "Kho-Kho" zu erklären. Es sei angemerkt, dass die beiden Damen nicht, wie erwartet, einen Sari trugen, sondern die typisch nordindische Kombination von Hemd und Hose, Salwar Kameez. Dies sei bequemer und werde auch von den Studentinnen bevorzugt.

Reinhold Wandel