Premiere in der "Zwickmühle"

Nichts in den Sand gesetzt !

Wenn das Magdeburger Kabarett "Die Zwickmühle" ein neues Programm präsentiert, dann ist der (Lach-)Erfolg fast schon vorprogrammiert. Denn das unschlagbare Kabarett-Duo Hans-Günter Pölitz und Michael Rümmler, für das Programm "Wege in den Sand" durch die ungemein attraktive Mit- und Klavierspielerin Ulrike Jacob zum Trio erweitert, sind Garant für scharf-pointiertes, bestes politisches Kabarett ohne Tabus und eindeutig (aber nicht unkritisch!) mit politischem "Linksdrall". Diesmal hat Textautor Pölitz (unterstützt durch Beiträge von Lothar Bölck und Rainer Otto) die SPD als Partei, die Rot-Grüne-Regierungskoalition mit ihren "Politmatadoren" Schröder, Scharping, Fischer & Co. aufs satirische Korn und ins "Zwickmühlen"-Visier genommen. Und natürlich darf dabei die aktuelle Tagespolitik mit schwarzen Spendenkonten der CDU und ihrem "Übervater" Kohl ebenso wenig fehlen, wie die kontroversen Diskussionen zum Thema "Frauen in die Bundeswehr" oder der unendlichen Geschichte von der Gesundheits- und Steuerreform.

Herz und Verstand berührt

Das furios inszenierte Kabarettfeuerwerk (Regie: Regina Pölitz) ist in seiner Form und dem intellektuellen Anspruch an den Zuschauer, der sich nicht nur schenkelklatschend amüsieren will, sondern zum Nach- und Mitdenken bereit ist, ein sich auf die Urform des politischen (Wort-)Kabaretts (á la "Münchner Lach- und Schießgesellschaft" in den 60er und 70er Jahren) berufendes Wort- und Pointenspiel, das Herz und Verstand (und freilich auch die Lachmuskeln) gleichermaßen berührt. Und wie die drei Protagonisten schwadronieren, mit Witz und Worten kalauern, den satirischen "Zeigefinger" selten belehrend, dafür aber immer treffsicher auf die politischen "Wundpunkte" plazieren, das ist ausnahmslos beste(!) Politsatire.

Anders als in früheren Pölitz/Rümmler-Programmen gibt es keine klischeehaften Rollenzuweisungen für die Akteure (neben dem dominierenden Hans-Günter Pölitz). Pölitz, Rümmler und die Jacob sind in diesem Programm nicht nur gleichberechtigte Akteure in einem perfekten Partnerspiel, einem immer am Rande auch der Improvisation "jonglierenden" verbalen Schlagabtausch. Jeder von den Dreien hat ein oder (wie Hans-Günter Pölitz) mehrere Solos, die hinreißend sind.

Politikerfrauen im Nähkurs

Highligth ist zweifelsohne die "Domina"-Nummer von Ulrike Jacob als die den "Grünen Jungen" (Michael Rümmler) mit Peitsche und in aufreizendem Lackleder domestizierende SPD-Dame. Und das noch nach Melodien aus dem "Phantom der Oper", von Hans-Günter Pölitz hinreißend am Klavier intoniert. Oder das Duo Pölitz/Rümmler im ICE, in dem Pölitz (ohne freilich nur einen Tropfen genossen zu haben) so "besoffen" die Politwirklichkeit durch den satirischen Kakao zieht, dass es eine wahre Freude ist. Und wenn Rümmler mit den (fiktiven) Politikerfrauen im "Nähkurs" so richtig tuntenhaft jedem unserer Politiker einen satirischen Maßanzug verpasst, dann ist das einfach toll und zeigt, wie die "Zwickmüller" die Gratwanderung zwischen scharfer Politsatire und satirischer Comedy perfekt beherrschen. Da ist nichts, absolut nichts, in den Sand gesetzt.

"Die Zwickmühle" ist und bleibt die erste Adresse in Sachen Kabarett in Magdeburg!

Herbert Henning