SFB Linbische Strukturen und Funktionen weiter gefördert

Störungen der Hirnfunktionen

Der Sonderforschungsbereich 426 "Limbische Strukturen und Funktionen" an der Medizinischen Fakultät wird, wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mitteilte, bis 2002 weiter gefördert. Das limbische System des Gehirns repräsentiert ein System, dem eine zentrale Bedeutung für die Funktion des Zentralnervensystems zuerkannt wird. Sprecher des Sonderforschungsbereiches ist der Leibniz-Preisträger Professor Dr. Hans-Christian Pape, Direktor des Institutes für Physiologie.

Psychiatrische Erkrankungen

Der SFB 426 war Anfang 1997 von der DFG für eine erste Förderperiode von drei Jahren eingerichtet worden und wird nun auf Empfehlung eines externen Gutachtergremiums bis 2002 fortgeführt. Sprecher Professor Hans-Christian Pape: "Limbische Strukturen sind häufig Sitz von Störungen der Hirnfunktionen, die beispielsweise mit Epilepsien, der Alzheimer'schen Erkrankung oder der Enzephalitis (Gehirnentzündung) verbunden sind. Neuere Untersuchungen weisen daraufhin, dass limbische Dysfunktionen auch eine zentrale Bedeutung bei den häufigsten psychiatrischen Erkrankungen haben."Es handelt sich hierbei um Suchtkrankheiten, von denen etwa fünf Prozent der Bevölkerung betroffen sind, des Weiteren um Angst- und Zwangserkrankungen (acht Prozent der Bevölkerung) und endogene Psychosen, wie Schizophrenien, Depressionen (ungefähr drei Prozent). Diese Krankheiten sind von erheblicher volkswirtschaftlicher und gesundheitspolitischer Bedeutung. So beansprucht allein die Behandlung der Schizophrenien etwa zwei bis drei Prozent des Gesundheitswesens in Deutschland.

Grundlagen erforschen

"Zielstellung unseres neurowissenschaftlichen SFB ist es", informiert Hans-Christian Pape, "anatomische und physiologische Grundlagen als auch die Gehirnmechanismen zu untersuchen, die den Funktionen der limbischen Strukturen und auftretender Funktionsstörungen zugrunde liegen. Hieraus sollen langfristig verbesserte Verfahren der Diagnose und eine gezielte, dauerhafte Therapie entsprechender Erkrankungen entwickelt werden."

Am Sonderforschungsbereich beteiligt sind Bereiche der klinischen, klinisch-theoretischen und vorklinischen Medizin in Verbindung mit Abteilungen des Leibniz-Instituts für Neurobiologie in Magdeburg. Professor Pape dazu: "Dieses multidisziplinäre Programm des SFB spiegelt das Bestreben wider, in Anbetracht der ausgesprochenen Eigenproblematik jeder Organisationsebene des Gehirns und des hohen Spezialisierungsgrades der mit einem fokussierten Methodenrepertoire ausgestatteten Neurowissenschaftler eine Klammer für Zusammengehörendes zu finden und damit zu einem verbesserten Verständnis der Funktion und Dysfunktion limbischer Strukturen zu gelangen. Diese Programmatik liegt zentral in einer weltweiten Entwicklung, die die enormen Fortschritte im Bereich der molekularbiologischen Grundlagen mit der zellulären und systembezogenen Forschung zu verbinden trachtet, wobei letztere insbesondere mit Hilfe nicht-invasiver, bildgebender Methoden neue Einsichten in die Hirnfunktion während komplexer Leistungen ermöglicht. Die aktuelle Entwicklung der Methodik spiegelt sich im Methodenrepertoire dieses SFB wider. Es reicht von molekularbiologischen, biophysikalischen und biochemischen Methoden über anatomische Verfahren bis zur Verhaltensanalyse des intakten Systems in ausgewählten Tiermodellen und zu klinischen Untersuchungen mit neurologischen, psychiatrischen und bildgebenden Verfahren."

Der SFB verstehe sich allerdings nicht nur als ein gemeinsames Dach für Forschung, sondern auch als ein geeignetes Potential zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses auf einem wichtigen Gebiet der Neurowissenschaften, das konventionell einengende methodische Rahmen und Betrachtungsweisen überschreitet.

Als Centers of Excellence haben Sonderforschungsbereiche in den vergangenen Jahren entscheidend zur wissenschaftlichen Profilierung der bundesdeutschen Hochschulen beigetragen. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie bei strikter zeitlicher Begrenzung und regelmäßiger strenger Begutachtung der Ergebnisse eine langfristige, projektförmige Kooperation von Forschern mit unterschiedlicher fachlicher Schwerpunktsetzung erlauben. An der Magdeburger Alma Mater gibt es derzeit zwei von der DFG geförderte Sonderforschungsbereiche.

Kornelia Suske