Filmtheoretisches Forum

Kreativität gefragt

Als die Bilder laufen lernten entstand ein Medium mit einem schier unerschöpflichen Reservoir an Möglichkeiten. Die Digitalisierung eröffnet ihm weitere neue Wege. Diesen widmen sich Wissenschaftler und Studierende an verschiedenen Instituten unserer Universität. Ihnen bietet das Filmtheoretische Forum eine Plattform, um sich austauschen und voneinander lernen zu können. Getragen wird es in Kooperation vom Lehrstuhl Allgemeine Pädagogik am Institut für Erziehungswissenschaft, dem Institut für Simulation und Graphik, den Freien Kammerspielen Magdeburg und der Werkleitz Gesellschaft. "In erster Linie wenden sich die Veranstaltungen des Filmtheoretischen Forums an die Studierenden der Computervisualistik", erläutert Prof. Dr. Winfried Marotzki, Lehrstuhlinhaber Allgemeine Pädagogik und Initiator des Forums, "um ihnen eine attraktive Lehrveranstaltung anbieten zu können, aber selbstverständlich auch an alle anderen."

Filmanalyse

Filmanalyse ist ein Randgebiet der Pädagogik. In der Computervisualistikausbildung wird sie zu einem wichtigen Bestandteil des kreativen Arbeitens mit Bildern.

Um den Studierenden Erfahrungen aus erster Hand vermitteln zu können, werden Filmschaffende, Fernsehleute oder Kameramänner zu Gesprächsrunden eingeladen. Gemeinsam mit den Studierenden diskutieren sie über ihre Werke, Stilmittel, Ausdrucksmöglichkeiten, technische Umsetzbarkeit, moderne Techniken. Alles was Film, Computer, Video, Internet in einen Zusammenhang bringt wird debattiert, diskutiert auch kritisiert.

Im Sommersemester wartet auf die Computervisualisten das philosophische Seminar "Was ist ein Film?". An Beispielen von Filmklassikern wie Panzerkreuzer Potjemkin oder Casablanca wird untersucht, wie im Film traditionelle Erzählstrukturen aufgenommen wurden. Ein anderer Betrachtungsgegenstand des Seminars sind wahrnehmungspsychologische Aspekte der Filme, untersucht beispielsweise anhand der Theorie der Montage.

Die Motivation, sich für die kreative Ausbildungsrichtung der Computervisualistik zu entscheiden, sei ganz unterschiedlich, weiss Professor Marotzki. Da wären Informatiker, die ihre Arbeit mehr unter ästhetischen Gesichtspunkten betrachten möchten andererseits aber auch künstlerisch kulturwissenschaftlich orientierte Studierende, die als Arbeitsmittel den Computer nutzen möchten.

Video-Exposition

Dass die Studierenden im Filmtheoretischen Forum nicht nur eine obligatorische Pflichtveranstaltung sehen, zeigen die Projekte, in denen sie ihrer Kreativität freien Lauf lassen können. Kleine künstlerische Meisterwerke entstehen beispielsweise im Wettbewerb um die Känguruh-Trophäe. Gemeinsam mit dem Audiovisuellen Medienzentrum erarbeiten die Studierenden Kurzvideos, die auf der

Video-Exposition jeweils im November mit dem dazugehörigen Lampenfieber einem immer begeisterten Publikum präsentiert werden. Für die Ankündigung der Streifen werden Plakate entworfen oder zu einzelnen Filmen auch Homepages angelegt.

Zwischenspiel

Neu wird es ab dem kommenden Sommersemester das filmpraktische Seminar "Zwischenspiel" geben. Mit dem Berliner Filmemacher Marcel Schwerin treffen sich die Studierenden am 26./27. Mai 2000 in den Freien Kammerspielen, um mit Profis in Workshopatmosphäre zu arbeiten. Der Photograph Frank Nicolaus konzipiert und realisiert mit ihnen eine Ausstellung. Von der Werkleitzgesellschaft wird eine Filmnacht vorbereitet und die Kammer inszeniert ein Stück mit dem Titel "Zwischenspiel". Film, Photographie, Theater - diese verschiedenen (Bild-)Medien werden in diesem Seminar in ihrem Zusammenwirken betrachtet.

Ines Perl