Silbernes Diplomjubiläum

Mit herzlicher Wiedersehensfreude

"Hier ist Bernd Schönefeld. Erinnerst Du dich? 5 T3 1970 ..." Plötzlich am Telefon war die Zeit vor 28 Jahren ganz gegenwärtig. Ob ich denn Zeit hätte, am Absolvententreffen, dem "Silbernen Diplomjubiläum", besagter Seminargruppe in Wernigerode teilzunehmen, fragte mich Bernd und noch ehe er das "Was" und "Wie" näher hatte erklären können, war meine Zusage perfekt.

Was das für Zeiten waren? Ich war noch Student, im letzten Semester, kurz vor Aufnahme meines Forschungsstudiums bei Prof. em. Dr. Karl Manteuffel. Und ich war als Tutor für die Übungen zur Mathematikvorlesung der Matrikel 1970 (zwölf Seminargruppen der damaligen Sektion Technologie der metallverarbeitenden Industrie) in besagter "5 T3 1970" eingesetzt. Aus dem einen geplanten Semester wurden auf "gegenseitigen" Wunsch vier. Und aus dem Übungsleiter-Student-Verhältnis wurde ein distanzloses freundschaftliches Miteinander.

Erinnerungen

Nach den vier Semestern schenkten sie mir, versehen mit allen Unterschriften und der Eintragung "Danke, daß Du es noch ein Jahr mit uns ausgehalten hast!" eine exklusive Ausgabe von Goethes "Italienischer Reise". Als ich nach diesem Anruf das Buch in die Hände nahm, erinnerte ich mich, als sei das Aus-den-Augen-Verlieren erst vor kurzem gewesen. Und manche Erinnerung an Klausurvorbereitungen außerhalb der Übung in meinem Wohnheimzimmer, an Einzelkonsultationen nach Klausurfehlleistungen, an Bier- und Stammtischabende im Studentenclub "Baracke" und dem "Haus des Handwerks" und an meine Ehrenmitgliedschaft in dieser Seminargruppe, die sie mir am Ende der gemeinsamen Arbeit verliehen; auf die ich heute noch sehr stolz bin.

Und das Wiedersehen, mit Kribbeln im Bauch vorher lange erwartet, wurde zu einem Wiedersehensfest. Ich als "Überraschungsgast". Jeden erkannte ich wieder, trotz der mehr als 25 Jahre, in denen ich die meisten nicht gesehen hatte. Die "Mädchen" der Gruppe, heute schon mit erwachsenen Kindern, waren noch schöner geworden, die flotten Sprüche einiger waren ebenso geblieben wie die Offenherzigkeit, das vertrauensvolle Miteinander.

Aber auch viel Nachdenkliches für mich, der an unserer Universität "seinen Weg" gemacht hat: Die meisten waren bis 1990 in ihrem Beruf als Diplomingenieur erfolgreich. Manche fanden schon früher den Weg in die Selbständigkeit, manch einer studierte noch einmal, erwarb noch ein Diplom. Die meisten von ihnen aber mußten nach 1990 neu anfangen, als Steuerberater, Versicherungsagent, im Baugewerbe, in vielen fachfremden Jobs. Bittere Erfahrungen und doch kein Blick zurück im Zorn. Dafür aber die einhellige Meinung, daß das Studium an der damaligen Technischen Hochschule "Otto von Guericke" sie gut auf die Praxis vorbereitet hat. Und auch die Mathematik, die wir uns gemeinsam angeeignet (und auch manchmal verflucht!) haben war für viele von Nutzen. Ein Absolvententreffen der besonderen Art. Ein herzliches Wiedersehen mit ehemaligen Studenten und Erinnerungen an eine gemeinsame Arbeit, die mich stark geprägt hat.

Prof. Dr. Herbert Henning

 

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