Ein Tag in der Megedeborch

Megedeborch - Vergangenheit und neue Zeit, die Experimente des Bürgermeisters Gericke war das Motto eines pädagogischen Projekts im Kulturhistorischen Museum in Zusammenarbeit mit der AQB Magdeburg.

Otto von Guericke bei der Demonstration seiner Experimente;
hier mit der Feuerspritze, Luftpumpe 1. Bauart und den Halbkugeln

 

Täglich wurden von Ende Mai bis Anfang Oktober Schüler ins 17. Jahrhundert zurückversetzt. Magdeburger Geschichte zu Lebzeiten Otto von Guerickes konnte direkt durchlebt werden. Hierfür wurde auf dem Museumsinnenhof bereits vor vier Jahren eine zeitgemäße Kulisse errichtet. Zu finden sind in dem mittelalterlichen Städtchen eine Tischlerei, Schmiede, Weberei, eine Töpferei, Bäckerei, Druckerei, Baderei und eine Schänke. Hinzu kommen eine Amtsstube für den Bürgermeister, eine Stadtschule sowie eine Kapelle.

Möglichst original soll in der Megedeborch alles sein. Das bedeutet für Mitarbeiter und Kinder, sich auf eine andere Sprache, Kleidung und Arbeitsweise umzustellen. Letzteres erwies sich als etwas problematisch, als es z.B. darum ging, ohne Bäckermaß und Uhr einen Hefekuchen im Lehmofen zu backen.

Fleißige Handwerker

Vor den Toren der Stadt, die um 9 Uhr geöffnet werden, warteten meist zwei Schulklassen gespannt. Zünftig eingekleidet wurden die Neuankömmlinge von Otto Gericke (noch ungeadelt) auf einer Bürgerversammlung begrüßt. Der Bürgermeister las ihnen die "Ordnung des Gehorsams" vor. Während die Meister sich vorstellten, konnten die Kinder entscheiden, in welchem Handwerk sie gern arbeiten würden. Jeder Meister hatte etwa fünf Schützlinge und wies sie in ihr Tagwerk ein &endash; schleifen, nähen, töpfern, backen oder drucken, je nach Gewerk. In der Schänke wurden Tee und belegte Brote zum Frühmal vorbereitet. Über dem offenen Feuer kochte gleichzeitig in einem großen Kessel eine deftige Suppe für das Mittagsmahl. Die redlichen Handwerker ließen sich diese aus Tonschalen und mit Holzlöffeln schmecken.

Vorbereitungen des Frühmahls in der Stadtschänke

 

Am Nachmittag riefen in Rüstung gekleidete Stadtwachen zu Bürgerversammlungen, in denen Gericke seine Versuche vorstellte. Nach den Demonstrationen mit Luftpumpe, Feuerspritze und Halbkugeln eröffnete Gericke den Markt, auf dem die Tageswerke der Kinder zum Verkauf feilgeboten wurden. Schließlich bot die Bäckerin auch ihren leckeren Kuchen an und um halb drei war die letzte Bürgerversammlung auf der besonders fleißige Handwerker von Bürgermeister Gericke persönlich einen Gesellenbrief überreicht bekamen. Nach dem Tagesgebet verabschiedeten sich Meister, Knechte und Mägde voneinander.

Die Kursachsen ziehen aus.
Oberst Tranndorf hatte mit seinen Truppen die Stadt besetzt.

Photos: Kulturhistorisches Museum Magdeburg

 

Nicht nur Schüler können ins späte Mittelalter reisen, auch für Studierende besteht die Möglichkeit, in der Megedeborch einem Handwerk nachzugehen. Der Lehrstuhl Pädagogik bietet die Gelegenheit, einen Leistungsschein einmal auf ganz andere Weise zu erwerben. (Ansprechpartner Dr. Wolfgang Mayrhofer) Eine solche Erfahrung ist empfehlenswert, weil eine andere Art von Pädagogik erlebt werden kann. Im nächsten Jahr besteht ganz sicher wieder die Möglichkeit zu einem "mittelalterlichen" Praktikum.

Aileen Gruss