Zeichen der Verständigung

5. Exkursion zur Bar Ilan Universität Tel Aviv

"Djalla!" Einst ein Kommando arabischer Händler zum Start ihrer Karawane, ist es jetzt für uns das Signal zum Aufbruch. Die Stille der zu Ende gehenden Nacht liegt über der Wüste. Langsam setzt sich die Gruppe in Bewegung, die an diesem heißen Augustmorgen zu Fuß das Felsmassiv von Massada am Toten Meer erklimmen will.

Massada &endash; wohl keine andere Stätte in Israel steht als bedeutenderes Symbol des Freiheitskampfes des jüdischen Volkes. Uns bekannt durch die Werke des Flavius Josephus, eines jüdischen Historikers, ist es heute imposantes Zeugnis einer längst vergangenen Epoche. Traurige Berühmtheit erlangte Massada durch den selbstgewählten Freitod von fast 1000 Männern, Frauen und Kindern jüdischen Glaubens während der Belagerung durch römische Truppen im Jahre 73 n. Chr.

In unzähligen Serpentinen kommen wir auf dem Schlangenpfad Schritt um Schritt dem Gipfel näher. Für die Mühen des Aufstiegs wird man reichlich durch phantastische Ausblicke belohnt. Nach einer guten dreiviertel Stunde ist es geschafft. Vom Plateau schweift der Blick über das Tote Meer in Richtung Jordanien, wo die aufgehende Sonne ein prachtvolles Farbenspiel an den Himmel malt.

Diesen unvergeßlichen Eindruck konnte man als Teilnehmer der 5. Exkursion der Universität nach Israel gewinnen. Weiterhin standen zahlreiche Sehenswürdigkeiten, Symposien und ein dreitägiges Seminar am Joseph-Carlebach-Institut der Bar-Ilan Universität Tel Aviv auf dem Programm. Im Mittelpunkt des Seminars stand die Thematik Jüdische Tradition - Hebräische Sprache mit mehreren Vorträgen verschiedener Autoren und sich daran anschließenden spannenden Diskussionen. In Begleitung des Rektors der Universität, Prof. Dr. Klaus Erich Pollmann, und unter sachkundiger Führung von Dr. Eckart Frey wurden unter anderem Jerusalem, Tiberias, Jericho und die Golanhöhen besichtigt.

Wasserfall im Naturreservat Ein Gedi direkt am Toten Meer - eine Oase mitten in der Wüste.

Blick vom Turm der Erlöserkirche auf die Dächer der Grabeskirche (die zwei großen Kuppeln im Vordergrund) in Jerusalem.

Photos: Klingebiel

Bei der Vielzahl von Impressionen fällt es schwer, ein eindeutiges Highlight der Reise zu bestimmen. Als besonders nachhaltiger Eindruck wäre der Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem zu nennen, wie auch mehrere Teilnehmer der Exkursion äußerten. Mehr als 50 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges fällt es schwer, zu begreifen, wie Deutsche solch brutale Verbrechen am jüdischen Volk begehen konnten. Aber vielleicht sind solche Reisen ein kleines Zeichen deutsch-jüdischer Verständigung.

Es bleibt zu hoffen, daß auch im nächsten Jahr diese Exkursion gefördert wird - denn Israel ist unter vielen Gesichtspunkten ein sehr interessantes Reiseland.

Andreas Klingebiel

 

Weitere photographische Impressionen aus Israel von Andreas Klingebiel.