Neue Schrittmachertherapie

Operation am Herzen via Satellit live nach Washington übertragen

Über 8 000 Kardiologen in Washington waren Mitte September via Satellit mit den beiden Herzkatheterlaboren des Magdeburger Universitätsklinikums verbunden, um live die Implantation eines neuen Schrittmachersystems bei Patienten mit schwerer Herzmuskelschwäche auf der Leinwand zu verfolgen. Das neue Verfahren gilt als zukunftsweisend.

Ein 16-köpfiges Team der Firma DEWE hatte bereits einen Tag vor der Übertragung mit dem umfasssenden technischen Aufbau in der Klinik begonnen, der für eine reibungslose Satellitenübertragung notwendig ist. Am 23. September kurz nach 15 Uhr MEZ war es dann soweit. Auf dem Bildschirm begrüßte Klinikdirektor Professor Helmut Klein aus dem Herzkatheterlabor die Teilnehmer des 11. Symposiums Transcatheter Cardiovascular Therapeutics im Washington Convention Center. Drei Kameramänner standen bereit, um jeden Handgriff der Magdeburger Ärzte aufzunehmen. Eine Übertragungsleitung war auch in den Zentralen Hörsaal der Medizinischen Fakultät gelegt worden. So hatten interessierte Medienvertreter, Ärzte und Uni-Mitarbeiter ebenfalls die Möglichkeit, den internationalen Erfahrungsaustausch live zu verfolgen.

Die Wirksamkeit dieser neuen Schrittmachertherapie wurde im Rahmen der sogenannten PATH-CHF-Studie (Pacing therapies for congestive heart failure), an der sechs Universitätsklinika beteiligt waren, überzeugend nachgewiesen. Mit großem Erfolg hatte Studienleiter Dr. Angelo Auricchio von der Kardiologischen Uniklinik Magdeburg die Studienergebnisse bereits auf der diesjährigen Tagung der Nordamerikanischen Gesellschaft für Herzschrittmachertherapie und Elektrophysiologie (NASPE) in Toronto vorgestellt. Beim Satellitensymposium konnten die Tagungsteilnehmer in Washington in zwei Übertragungsabschnitten zusehen, wie eine Patientin untersucht wurde und wie anschließend von Professor Christof Huth und Dr. Angelo Auricchio die Schrittmacherelektroden mit dem neuartigen Verfahren bei einer zweiten Patientin implantiert wurden. Nach Abschluss der Live-Übertragung gab es für die Leistungen der Magdeburger Ärzte tausendfachen Beifall aus Washington.

Studienleiter Dr. Angelo Auricchio, Oberarzt an der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie der Magdeburger Universität, erklärt das Entscheidende des Verfahrens: "Das Neue besteht in der Platzierung der Schrittmacherelektroden sowie die spezielle Technik und Programmierung der Herzschrittmachersysteme." Durch die Implantation dieser besonderen Systeme werden die beiden Herzkammern gleichzeitig stimuliert und damit zu synchronisierter Kontraktion gezwungen. Die Folge sind Leistungssteigerung, eine bessere Lebensqualität für den Betroffenen und die Vermeidung häufiger Krankenhausaufenthalte, die bislang bei einer derartig schweren Pumpstörung des Herzens unverzichtbar waren. Die Stimulationselektroden sowie die speziellen Herzschrittmacher werden in Kooperation mit der Medizinelektronikfirma (Guidant, Medizintechnik GmbH Giessen) hergestellt.

Außer einer Steigerung der Herzleistung um mindestens 20 Prozent im Vergleich zum Zustand vor der Schrittmacherimplantation zeigt die PATH-CHF-Studie auch, dass die hohe Sterblichkeit unbehandelter Patienten durch dieses Therapieverfahren deutlich reduziert werden kann. Von den 42 Patienten im Alter zwischen 42 und 72 Jahren, die im Rahmen der Studie untersucht wurden, verstarb im Verlauf der mindestens einjährigen Nachbeobachtung nur ein Patient. Bislang üblich ist eine Sterblichkeitsrate von 30 bis 40 Prozent.

Die Herzinsuffizienz ist trotz der in den vergangenen Jahren erheblich verbesserten medikamentösen Behandlungsmöglichkeit die führende Todesursache der Herzkreislauferkrankungen. Eine alleinige medikamentöse Behandlung der Pumpleistungsschwäche des Herzens könne eine solche Steigerung der subjektiven und objektiven Leistungssteigerung nicht erreichen, bestätigt Dr. Auricchio. Die Häufigkeit einer schweren Herzpumpleistungsschwäche wird zwischen ein bis zwei Prozent der Bevölkerung angegeben, das sind allein in Europa 6,5 Millionen Menschen. Die finanziellen Auswirkungen für die immer wieder erforderlichen Krankenhausaufenthalte sowie die diagnostischen und therapeutischen Verfahren werden in den USA mit 3,8 Billionen Dollar berechnet. Die Herztransplantation gilt bisher als einzig mögliche Alternative im Endstadium einer schweren Herzinsuffizienz.

Unabhängig von den erheblichen Kosten sind die Spenderherzen bekanntlich limitiert. "Die Mehrzahl der in unsere Studie eingeschlossenen Patienten standen entweder bereits auf einer Warteliste für die Herztransplantation oder waren kurz davor", informiert Dr. Auricchio. Das neue Stimulationsverfahren beider Herzkammern bietet sich seiner Meinung durchaus als mögliche Alternative für einen Teil der Patienten an. Zumindest könne durch dieses Therapieverfahren die Herztransplantation hinausgezögert werden.

Nähere Informationen über die PATH-CHF-Studie sind nachzulesen in der Zeitschrift American Journal of Cardiology, Bd. 83, Seite 130D-135D, und Circulation, Bd. 99, Seite 2993-3001.

Kornelia Suske