Der internationalen Arbeit verpflichtet

Prof. Herbert Richter engagiert sich in Entwicklungsländern

Prof. Dr. Herbert Richter vom Institut für Analysis und Numerische Mathematik ist seit 20 Jahren in der Hochschulausbildung in Entwicklungsländern tätig. UNI-REPORT nahm dies zum Anlaß, mit ihm über seine Erfahrungen zu sprechen.

In welcher Weise wurden Sie zum ersten Mal in dieser Richtung tätig?
Es begann Anfang des Jahres 1979, als ich meine Tätigkeit als Langzeitdozent an der Université des Sciences et de la Technologie Houari Boumediéne in Algier aufnahm. Für fast vier Jahre wurde diese technisch ausgerichtete Universität am Stadtrand von Algier meine Wirkungsstätte. Dort konnte ich mich mit den französischen Strukturen einer Hochschulausbildung vertraut machen und meine französischen Sprachkenntnisse auf eine solide Basis stellen. Mit Vorlesungen und Seminaren über verschiedene Gebiete der Analysis wandte ich mich an Studenten der Ingenieurwissenschaften, der Mathematik und Physik. Ich betreute mehrere DEA-Arbeiten, eine französische Graduierung (Diplome d' Etudes Approfondies - d.R.), die zwischen dem Diplom und der Promotion angesiedelt ist. Es übte auf mich eine große Faszination aus, sowohl mit den algerischen Studenten und einheimischen Lehrkräften als auch mit Gastwissenschaftlern verschiedener Länder zusammenzuarbeiten.

Wie ging es nach Ihrem Algerienaufenthalt weiter?
Ich war ab 1982 wieder für zwei Jahre an unserer Hochschule tätig, ehe ich im Jahr 1984 eine zweite Langzeitdozentur an der Université Nord Madagascar wahrnahm, die bis Ende 1988 dauerte. Diese Hochschuleinrichtung befindet sich in Antsiranana, der nördlichsten Stadt Madagaskars, direkt am Indischen Ozean. Madagaskar weist alle Probleme eines armen Entwicklungslandes auf. An der Universität macht sich dies durch das Fehlen höherqualifizierter Lehrkräfte und den Mangel an einer modernen technischen Ausrüstung bemerkbar.

Wie haben Sie in den vergangenen Jahren Ihre spezifischen Erfahrungen in der internationalen Arbeit genutzt?
In den Jahren 1991 bis 1996 war ich Vorsitzender der Senatskommission für Internationale Beziehungen unserer Universität. Dieser Kommission gehöre ich noch heute als Vertreter der Fakultät für Mathematik an. Die Kommission hat in jenen Jahren mit die Weichen dafür gestellt, daß die Integration der Otto-von-Guericke-Universität in eine weltweite Wissenschaftsfamilie mit den daraus resultierenden neuen Blickfeldern und Horizonten zügig vorangetrieben wurde. Heute kann auch ich eindeutig feststellen, daß die internationale Ausstrahlungskraft der Universität eine neue Dimensionen erreicht hat. Die Etablierung internationaler Studiengänge, das Anwachsen der Zahl ausländischer Studenten vermerke ich mit Genugtuung. Weiterhin war ich von 1993 bis 1998 beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD - d.R.) Gutachter zur Vermittlung deutscher Wissenschaftler für Kurz- und Langzeitdozenturen an ausländische Hochschulen.
Natürlich bin ich auch meinem Engagement in der dritten Welt treu geblieben. Bereits viermal habe ich mit Förderung durch den DAAD und Unterstützung unserer Hochschuleinrichtung mehrmonatige Kurzzeitdozenturen an der Université Nord Madagascar realisiert. Gemeinsam mit einem madagassischen Dozenten habe ich dort 1996 die DEA-Ausbildung 'Wahrscheinlichkeitsrechnung, Analysis und Anwendungen' ins Leben gerufen, um madagassischen Assistenten die dringend notwendige höhere Graduierung zu ermöglichen.
Ich freue mich, daß auch durch mein Wirken die Universität ihr Engagement in der Unterstützung der Hochschulausbildung in Entwicklungsländern, eine für mein Verständnis wichtige Komponente in der internationalen Arbeit, unter Beweis stellen kann.

Vielen Dank für das Gespräch.