April 1999

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Ästhetisches Denken in der DDR

 

Studierende und Graduierte aus München und Magdeburg diskutierten Seminarergebnisse

Dem Thema Ästhetische Theorie in der DDR 1949-1990 war eine Tagung Mitte Februar 1999 im Bildungszentrum Schloß Wendgräben gewidmet, die gemeinsam vom Institut für Germanistik der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (HD Dr. Gunter Schandera) und dem Institut für Philosophie der Ludwig-Maximilians-Universität München (Prof. Dr. Wolfhart Henckmann) vorbereitet und von der Konrad-Adenauer-Stiftung finanziert worden war. Im Kontext sozialer, politischer und kultureller Vorgänge wurden von Studenten und Graduierten der beiden Universitäten Befunde diskutiert, die zuvor in zeit- und themengleichen Seminaren erarbeitet worden waren und den Blick auf Veränderungen ästhetischen Denkens in der DDR richteten.

So waren einige Beiträge besonders den 50er Jahren gewidmet, die u.a. Georg Lukács' Widerspiegelungstheorie, die Grundzüge der Literaturtheorie von Johannes R. Becher und die Erbetheorie vorstellten. Abweichende Auffassungen zum Erbe wurden am Beispiel der Urfaust-Inszenierung von Bertolt Brecht (1952) gezeigt, der ambivalenten Haltung Bechers sowie der Debatten um Formalismus-Modernismus und Expressionismus, bis hin zur analytischen Betrachtung der in den 50er Jahren stattfindenden Diskussion zu Gegenstand und Aufgaben der Ästhetik in der DDR nachgegangen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Tagung widmete sich ausgewählten Leitbegriffen der ästhetischen Theorie in der DDR, wie ästhetische/künstlerische Aneignung, Widerspiegelung, Sozialistischer Realismus und Werkbegriff, die auf ihre inhaltliche Besetzung und deren Wandel im Verlauf der DDR-Geschichte untersucht wurden. Zudem thematisierte ein Komplex der Tagung das widersprüchliche Verhältnis zwischen Kunst und Ideologie, Kunst und Erziehung sowie die Problematik Autoritäres System - Autorität der Wissenschaft?. Hier wurde besonders deutlich, daß Bildung und Erziehung bis zum Ende der DDR als Einheit verstanden wurden. In diesem Zusammenhang zeigte sich zudem, daß beispielsweise die Lehrpläne von den aus den Wissenschaften kommenden Innovationen weitgehend unberührt blieben.

Podiumsdiskussion

Auf einer abendlichen Podiumsdiskussion wurden die sich aus den Beiträgen ergebenen Fragen zu personellen und institutionellen Beziehungen und Verflechtungen thematisiert und von Zeitzeugen aus ihrer Innenperspektive heraus beantwortet.

Zum Abschluß faßten die Teilnehmer Ergebnisse und Perspektiven zusammen. Ein monolithisches Bild von DDR-Ästhetik ist zu revidieren, da eine völlige Instrumentalisierung durch das politische System nicht gelungen ist. Ihre Geschichte bewegte sich zwischen den Polen einer strikten Führung durch die Partei und einer nicht geplanten Eigenbewegung in der Wissenschaft, die sich Spielräume schuf und somit dem völligen ideologischen Zugriff durch die Partei entziehen konnte. Problematisch bleibt jedoch die Beantwortung der Frage nach Ausmaß und Wirkung der Veränderungen, des Verhältnisses zwischen Herrschaftsdiskurs und Fachdiskurs. So kamen die Teilnehmer auch zu dem Schluß, daß zunächst eine Grundlage geschaffen wurde und perspektivisch und vor allem aus interdisziplinärer Sicht eine Weiterarbeit an diesem Themenschwerpunkt erfolgen muß. Die Ergebnisse der Tagung sollen dennoch in einem ersten Schritt zur Verständigung in Form einer Publikation der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
Mandy Funke