Modernste Technik und Tradition

Laserlabor mit guter Bilanz nach einem Jahr des Bestehens

Anderhalb Meter Akten und vier Jahre harter Arbeit brauchte es, bevor das Laserlabor am Institut für Füge- und Strahltechnik eingeweiht werden konnte. Inzwischen feierte es seinen ersten Geburtstag. “Dieses Jahr der Forschung und Lehre im Laserlabor war ein gutes Jahr", schätzt Prof. Dr. Horst Herold, Leiter des Instituts für Füge- und Strahltechnik (IFST), ein. Bearbeitet wurden Forschungsthemen, gefördert durch das Land Sachsen-Anhalt, aber auch Aufträge aus ganz Deutschland, insbesondere von kleinen und mittelständischen Unternehmen der Region.

Zwei Laseranlagen

An den beiden Laseranlagen des Labors, dem Neodym:YAG-Laser und dem CO2-Laser, wird schwerpunktmäßig die schweißtechnische Verarbeitung von Werkstoffen einer neuen Generation, wie beispielsweise neue hochkorrosionsbeständige Werkstoffe für die Energie-, Chemie- und Umwelttechnik, untersucht. Da das Laser-Licht paralleles Licht mit nur einer Wellenlänge ist, läßt es sich ungeheuer konzentriert und präzise bündeln. Mit Laserwerkzeugen werden daher u.a. hohe Arbeitsgeschwindigkeiten erreicht, die energetischen Verluste stark reduziert und selbst wärmeempfindliche Werkstoffe leicht und berührungslos bearbeitet. Auf diese Weise sind sehr schmale Wärmeeinflußzonen und ein äußerst kleiner Verzug der Schweißflächen zu erzielen.

Die Wissenschaftler des IFST beschäftigen sich aber auch mit der Prozeßüberwachung, also der Beobachtung und Auswertung aller Umstände, die den Laserschweiß- und

-schneidprozeß begleiten sowie der Entwicklung und dem Einsatz von kombinierten Materialbearbeitungsverfahren, sogenannten Hybridverfahren. Simuliert wurde beispielsweise der Einsatz eines bis zu 30 Meter langen Lichtleitkabels für die Nutzung eines Lasers in der Montagetechnik. Gemeinsam mit Praktikern wird zur Fernprogrammierung der Lasertechnik experimentiert. Vor Ort erstellen die Ingenieure im Betrieb die Datensätze für die Bearbeitung der Werkstoffe. Noch werden dieses Daten per Diskette nach Magdeburg getragen. Ein nächster Schritt jedoch soll durch den Einsatz modernster Telekommunikationstechnik sozusagen die “Fernsteuerung" der Laseranlage am IFST ermöglichen.

Nachwuchs arbeitet mit

Sehr intensiv arbeitete im zurückliegenden Jahr der Nachwuchs im Laserlabor. Die Studierenden der Studienrichtungen Wirtschaftsingenieurwesen, Maschinenbau und Produktionstechnik seien begeistert von den Möglichkeiten, die ihnen die neue Technik biete, schätzen Professor Horst Herold und Dr. Günter Neubert ein. Drei Diplomarbeiten sind zu im Labor bearbeiteten Themen geschrieben worden. Der Doktorand Ronald Holtz betreut die fast drei Millionen Mark teure Anlagentechnik von der ersten Minute an. Die beiden Laser sind ebenso fest in das Ausbildungsprogramm für eine vom Institut angebotene europaweit anerkannte Schweißingenieurausbildung integriert. Seit einigen Wochen denken Physiker, Maschinenbauer und Elektrotechniker unserer Universität gemeinsam über ein neues Ausbildungsangebot nach: eine Vertiefungsrichtung “Lasertechnik", die fächerübergreifend angelegt sein soll.

Und noch eine neue Idee “geistert" durch die Köpfe der Wissenschaftler am IFST und hat bereits Gestalt angenommen: das Strahlcenter Magdeburg. Dahinter verbergen sich eine vierzigjährige Tradition der Schweißbarkeitsforschung an unserer Universität ebenso wie die Zukunftspläne für eine Experimentelle Fabrik in der Landeshauptstadt. Forschung in Sachen Strahltechnik &endash; in Magdeburg immer auf dem neuesten Stand, vom Einsatz der Elektronenstrahltechnik bis hin zum hochmodernen Laserlabor. Diese Erfahrungen möchten sich Industrieunternehmen der Region, die Strahltechnik anwenden, zunutze machen. Gemeinsam mit dem Innovations- und Gründerzentrum in Barleben soll unter der Regie des Institutes für Füge- und Strahltechnik ein Zentrum entstehen, das modernste Strahltechnik vereint. Plasma-, Wasser-, Laser- oder Elektronenstrahl könnten dann für angewandte Forschung von Wissenschaftlern, Studierenden und Praktikern gleichermaßen genutzt werden.
Ines Perl