Klangschön und souverän

Der Kammerchor der Universität

Von der CD klingt die “Hohe Schule der Chormusik". Aufgenommen hat sie der Magdeburger Kammerchor, Kammerchor der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Stilsicher und mit musikalischer Frische präsentieren die 25 Sängerinnen und Sänger deutsche und internationale a-capella-Chorwerke aus fünf Jahrhunderten. In den Liederbüchern des Chores stehen die Volksliedbearbeitungen von Horst Irrgang (geb. 1929) ebenso wie die Noten zu “Singet dem Herren ein neues Lied" von Heinrich Schütz (1585-1672) oder “Lieder im Freien zu singen" von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847). Auf einer anderen CD interpretieren die Magdeburger Sängerinnen und Sänger gemeinsam mit dem Telemann-Kammerochester Michaelstein und Solisten Weihnachtskantaten von Georg Philipp Telemann (1681-1767). Zum Jahresende ist eine weitere glitzernde Scheibe mit den perfekten a-capella-Klängen des Kammerchores geplant.

Internationale Konzerte

Als perfekt können die Gesänge des Chores ohne falsche Bescheidenheit bezeichnet werden. “Stilistisches Gestaltungsvermögen", “Klangschönheit", “hohe Kompetenz", “sängerisch sowie musikalisch exemplarische und souveräne Interpretation" bestätigten Juroren zahlreicher nationaler und internationaler Chorwettbewerbe dem Ensemble seine Leistungen. Erstmals stellte sich der 1990 gegründete Kammerchor auf dem EUROTREFF 91 in Wolfenbüttel einer internationalen Zuhörerschaft vor. Eine sehr erfolgreiche Konzerttournee führte die Sängerinnen und Sänger von der Elbe durch die USA. Vom Internationalen Chorwettbewerb in Gorizia (Italien) brachten sie einen 1. Preis sowie drei Sonderpreise mit nach Hause. Zahlreiche weitere Titel folgten. Lothar Hennig leitet die Sängerschar zu diesen Erfolgen. Wichtige praktische Erfahrungen konnte der junge Chorleiter als Assistent von Prof. Friedrich Krell in der Arbeit mit dem Rundfunk-Jugendchor Wernigerode sammeln. Am Institut für Musik hat er einen Lehrauftrag für die Fächer Chorsingen und Gesang. Der jüngste Erfolg ist ein zweiter Rang in der Kategorie “Kunstlied" beim Internationalen Chorwettbewerb in Spittal, Österreich.

Bereits zum 35. Mal hatte Spittal in diesem Sommer zum Sängerwettstreit geladen. 70 Chöre aus 25 Ländern bewarben sich. Zwölf durften sich der Jury und der Konkurrenz im Kunstlied- und Volksliedwettbewerb stellen. Die Mitbewerber waren ausgezeichnet. Erreichten die Magdeburger trotz der 90 Punkte von 100 im Volksliedwettbewerb “nur" den 4. Rang. Die Jury jedoch hob hervor, das Ensemble habe Solisten mit viel Potential und sei auf äußerste Disziplin bedacht. Zu dieser Disziplin hält Lothar Hennig seinen Chor an. Geprobt wird wöchentlich einmal. Jeden Monat reservieren die Sängerinnen und Sänger, die längst nicht mehr alle nur aus Magdeburg kommen, ein Wochenende fürs gemeinsame Proben. Gegründet wurde der Chor einst mit dem Ziel, Studierenden der damaligen Außenstelle Magdeburg der Leipziger Hochschule für Musik ein weiteres Ausbildungsangebot unterbreiten zu können. Heute kommen die Chormitglieder, die es nach München, Hamburg oder Jena verschlagen hat, gern zu den Proben in die Domstadt zurück. Der Kammerchor ist offen für alle Interessierten. Jetzt nehmen die Studierenden des Institutes für Musik gern diese Möglichkeit zur Ausbildung ihrer Stimme wahr. Und die hat Lothar Hennig immer im Sinn.

Viel Engagement

Der Chorleiter blickt mit Stolz auf die erreichten Erfolge und die enormen Anstrengungen, mit denen die Sängerinnen und Sänger an ihren Stimmen und sich selbst arbeiten. Den Einwand, daß eine gute Stimme von Natur gegeben sei, läßt er nicht gelten. Mit ein klein wenig Talent, etwas mehr Musikalität, einer guten Ausbildung und ganz viel Engagement und Leistungswille könne jeder Sänger eine ausgezeichnete Stimmqualität erreichen. Hinter den 25 Stimmen seines Chores stehen seit inzwischen fast zehn Jahren für eine Stunde Konzertauftritt 60 Stunden hartnäckige und disziplinierte Probenarbeit.
Ines Perl