„Wir möchten Primus werden“

Rektor Prof. Dr. Harald Böttger gab Jahresbericht 1997 vor dem Konzil

Es war das letzte Mal, daß sich das Konzil in dieser Zusammensetzung traf als es Ende April 98 den Jahresbericht 97 des Rektors, Prof. Dr. Harald Böttger, hörte. Der Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Franz Bernard dankte für die geleistete Arbeit.

Noch immer befinde sich die Universität in einer Phase des Auf- und Ausbaus. Überlagert werde diese jedoch durch die Umgestaltung der deutschen Hochschullandschaft, bedingt durch knapper werdende Finanzen und höhere Anforderungen an die Wettbewerbsfähigkeit, stellte der Rektor zu Beginn seines Berichtes fest. Eine Grundlage dafür sei die Novelle des Hochschulrahmengesetzes. Diese jedoch ließe noch viele Fragen ungeklärt, beispielsweise inwieweit sich ein Masterabschluß von einem Diplomabschluß unterscheide.

Charakteristisches Profil

Als ein wesentliches Entwicklungsziel postulierte der Rektor, der Universität ein charakteristisches Profil zu geben, daß sie für Professoren wie für Studierende gleichermaßen attraktiv mache. Das bedeute nicht nur Studierende und Professoren neu für die Universität zu gewinnen, sondern sie auch in Magdeburg zu halten. Dabei spielten herausragende Forschungsergebnisse, erbracht in Sonderforschungsbereichen, Graduierten- und Innovationskollegs, eine wichtige Rolle, die den Weg für die Aufnahme der Universität in die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ebnen. Im Herbst solle dazu ein Antrag gestellt werden.

„Wir möchten Primus werden“, formulierte Rektor Böttger, „erst in Sachsen-Anhalt, dann in einem größeren Rahmen.“ Dazu müßten wir alle uns gebotenen Chancen nutzen, forderte er auf und verwies auf bereits erreichte Erfolge. Die Evaluation von Studium und Lehre, von Forschung und der Verwaltung erfolgte, die Studentenzahlen konnten erhöht werden, 17 neue Studiengänge wurden eingerichtet, darunter auch international orientierte, und der Prorektor für Studium und Lehre, Prof. Dr. Eckhard Dittrich, erarbeitete eine Schwachstellenanalyse für seinen Bereich.

Auch Rückschläge

Für die Forschung stellte der Rektor fest, daß er auf zahlreiche Bemühungen zur Profilschärfung zurückblicken könne. Alle Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeiter hätten die Möglichkeiten, sich mit ihren Leistungen in die drei Profilsäulen der Universität Technikwissenschaften, Lebenswissenschaften und geisteswissenschaftliches Umfeld einzubringen. Sonderforschungsbereiche seien in Vorbereitung und zu limbischen Strukturen wurde einer neu eingerichtet. Zum Forschungsschwerpunkt Nichtlinearität entstand eine DFG-Forschergruppe. Erhebliche Rückschläge in der Forschungsbilanz seien die Verluste der Förderung des Sonderforschungsbereiches Baustoffrecycling und des Innovationskollegs zu bildgebenden Verfahren.

Im Zusammenhang mit den Forschungsleistungen ging Prof. Böttger auch auf die Bemühungen des derzeitigen Rektorats zur Gestaltung des wissenschaftlichen Umfeldes in Magdeburg ein. Es habe der Ansiedlung des Max-Planck-Instituts in der Landeshauptstadt große Priorität beigemessen. Auch die Experimentelle Fabrik sei ein gutes Stück auf den Weg gebracht worden.

Zum öffentlichen Ansehen der Universität trügen neben wissenschaftlichen Veröffentlichungen in international renommierten Fachzeitschriften und eine intensive Studienwerbung, nicht zuletzt ein 1. Platz im MDR-Hochschul-Ranking oder so prominente Gastredner der Otto-von-Guericke-Vorlesung wie Jürgen Habermas bei.

Entscheidend für die künftige Entwicklung der Universität sei es, faßte Magnifizenz zusammen, das Wir-Gefühl zu stärken, das Selbstwertgefühl sorgsam zu pflegen, Verantwortung zu delegieren, die erbrachte Arbeit zu kontrollieren und entscheidende Positionen mit kreativen Personen zu besetzen; Leistung müsse Spaß machen.
Ines Perl