Wozu noch Universitäten?

Rege Diskussion auf Hochschulverbandstag

Über den Sinn der Universitäten unter dem Druck der globalen Ökonomisierung diskutierten Ende März 1998 über 200 Professoren aus ganz Deutschland sowie Gäste aus Politik und Wirtschaft auf dem 48. Hochschulverbandstag in Bamberg. In den vergangenen Jahren seien den Universitäten immer neue Aufgaben zugewiesen worden, die sie bei Unterfinanzierung an die Grenze der Belastbarkeit gebracht hätten. Der Vorsitzende des Wissenschaftsrates Prof. Dr. Wolfgang Frühwald führte aus, daß die Universitäten heute teilweise die Funktion von Volkshochschulen übernähmen und Ort für Freizeitbeschäftigung und Parkplatz für Menschen seien, die in der Arbeitswelt keinen Platz mehr fänden. Die Universitäten müßten sich wieder mehr auf ihre eigentlichen Kerngebiete konzentrieren. Große Zustimmung unter den Professoren fand seine Ansicht, daß „die schnelle Auslieferung an den schnellen Nutzen den Blick auf das Ganze verstelle, auf den Menschen, auf die Zukunft“.

Mehr Flexibilität gefordert

Wenn am Ende durch die Ökonomisierung in den Universitäten statt Bildung und Wissen nur noch Informationen vermittelt würden, dann verlöre der Mensch sein Gesamtbild von der Welt, befürchteten die Vertreter des Deutschen Hochschulverbandes.

Prof. Dr. Christian Wartin gab zu bedenken, daß die Universitäten zwar immer noch die dominierende Rolle in der „knowledge society“ einnehmen, daß jedoch konkurrierende Bildungsangebote und die Privatisierung der Grundlagenforschung zu Flexibilität führen müßten. Der auf dem Verbandstag mit überwältigender Mehrheit wiedergewählte Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, Prof. Hartmut Schiedermair, kritisierte das novellierte Hochschulrahmengesetz der Bundesregierung: „Autonomie und Freiheit räumt das novellierte Hochschulrahmengesetz nicht den Universitäten, sondern statt dessen den Bundesländern ein“. Diese aber nutzten die Freiräume dazu, die Hochschulen bei chronischer Mangelfinanzierung zur Provinz verkommen zu lassen. Die Teilnehmer des Verbandstages sprachen sich einhellig gegen die Etablierung eines von Wirtschaft und Industrie dominierten Hochschulrates und das Promotionsrecht an Fachhochschulen aus.

In Bamberg stellte der Deutsche Hochschulverband, die Standesvertretung von über 17000 Mitgliedern, Leitsätze zum Beruf des Universitätsprofessors vor, die das Bekenntnis zur Einheit von Forschung und Lehre bekräftigen und ethische Handlungsweisen sowie die leistungsgerechte Besoldung für Professoren beinhalten.

Wahl des Landesvorstandes

Unmittelbar in Anschluß an die Bamberger Tagung fand Anfang April 1998 im Melanchthonianum der Universität Halle/Wittenberg der Wahlkonvent des Landesverbandes Sachsen-Anhalt statt. Nach ausführlicher Diskussion von aktuellen hochschulpolitischen Themen mit Staatssekretär Klaus Faber vom Kultusministerium wurde der neue Landesvorstand des Deutschen Hochschulverbandes gewählt. Als Vorsitzender wurde Prof. Alfred Göpfert, Mathematik, Halle, als seine Stellvertreter wurden Prof. Christian Döschner, Elektrotechnik, Magdeburg, und Prof. Friedrich Röpke, Medizin, Halle, einstimmig wiedergewählt.
Prof. Dr. Knut Dietzmannm