Denkmal in Pflege

Paten für Kunstwerke der Stadt gesucht

Da hat unser Archimedes vor der Bibliothek doch kürzlich mit einer Spraydose ein rotes Auge verpaßt bekommen. Narrenhände beschmieren Tisch und Wände – heißt es im Sprichwort. All zu oft eben auch die Denkmäler in der Landeshauptstadt. Um die Grafittischmiereien schnell wieder entfernen zu lassen, ist eine rasche Meldung des Schadens beim Kulturamt wichtig. Doch wer fühlt sich eigentlich so richtig verantwortlich für eine derartige Meldung? Nun im Falle unseres Archimedes haben die Gärtnerinnen der Universität ein Auge auf die Skulptur. Viele andere plastische Kunstwerke in der Stadt haben jedoch niemanden, der auf sie achtet.

Dem möchte Dr. Karl-Heinz Reps Abhilfe schaffen. Er ist Mitarbeiter am Chemischen Institut und in seiner Freizeit leitet er die Interessengemeinschaft Denkmalpflege Magdeburg. Der größte Wunsch: Recht viele Paten für die Denkmäler der Stadt. „Sein“ Denkmal ist die Gutenbergbüste in der Gareisstraße.

Was heißt es denn nun, eine Patenschaft für ein Denkmal zu übernehmen? „Zum einen, das Umfeld der Schützlinge in Stein und Bronze sauber halten; Papier, Dosen, Flaschen aufsammeln; Reparaturbedarf dem Kulturamt melden“, erläutert Dr. Reps. „Zum anderen besteht auch ein Interesse daran, die in den 70er Jahren begonnene Denkmalkartei weiterführen zu können.“ Angelegt hatte sie Heinz Gerling – damals wie heute ehrenamtlicher Denkmalpflegebeauftragter der Stadt. Durch Recherchen im Stadtarchiv und der Stadtbibliothek oder das Anfertigen einer Photodokumentation sollen ihre Seiten gefüllt werden.

Die Idee ist also nicht so ganz neu. Bereits vor 20 Jahren startete der erste Versuch, Denkmalpatenschaften zu vermitteln. Damals gehörte die Interessengemeinschaft zum Kulturbund und zählte etwa 150 Mitglieder; heute, 34 Jahre nach ihrer Gründung, sind es noch ganze 25 – meist Rentner. Nachwuchs wird dringend gesucht!

Tradition beleben

Gemeinsam mit dem Kulturamt, der Magdeburgischen Gesellschaft und dem Kultur- und Heimatverein, zu dem die Interessengemeinschaft heute gehört, möchten die Hobbydenkmalpfleger alte Traditionen wieder mit Leben und neuen Inhalten füllen. Dazu gehört neben der Vermittlung von Denkmalpatenschaften und strategischen Überlegungen im Sinne direkter Pflege der Denkmäler auch die Zusammenstellung einer Liste von künstlerischen Denkmälern in der Elbestadt. Ein anderer Schwerpunkt ist die Organisation von Vorträgen und Exkursionen.

„Denk’ mal an das Denkmal“ ist das Motto, das der von historischer Architektur faszinierte Karl-Heinz Reps vor allem jungen Menschen vermitteln möchte. Als Hinterlassenschaft längst vergangener Generationen betrachtet der Ur-Magdeburger die Denkmäler seiner Heimatstadt, jedes mit einer ganz eigenen Geschichte.

Lust bekommen, die Geschichten zu erfahren, die steinerne und bronzene Zeitzeugen erzählen? Ein Anruf bei Karl-Heinz Reps unter 67-12456 genügt, um mitmachen zu können.
Ines Perl