Vom Wert der Bildung

Äthiopien ebnet seinen Kindern den Weg zum Wissen

Äthiopien ist ein Land von Vielfalt, Schönheit und Faszination, von der sich auch PD Dr. Dieter Wartenberg, Institut für Erziehungswissenschaft, ergreifen ließ. Bereits zum dritten Mal besuchte er zu Beginn des Jahres dieses Land, das eines der ältesten, aber auch eines der ärmsten der Erde ist.

Während seines anderthalbmonatigen Aufenthalts trug der Magdeburger Wissenschaftler Zahlen, Fakten, Daten und Erfahrungen zum Bildungssystem in Äthiopien zusammen. Im Ergebnis der selbstfinanzierten Forschungsreise soll eine Buchpublikation über die Ausbildungssituation in diesem ostafrikanischen Land erschienen.

Bereits von 1985 bis 1988 hatte Dr. Dieter Wartenberg am Curriculum- und Forschungszentrum in Adis Abeba gearbeitet. Die damals geknüpften Kontakte erhielt er aufrecht, so daß viele äthiopische Bildungsexperten und ausländische Entwicklungshelfer Beiträge für das Buchprojekt schrieben. Während der diesjährigen Reise war es ihm möglich u.a. Interviews mit dem Vizebildungsminister und dem Hauptabteilungsleiter für Lehrerbildung im Bildungsministerium zu führen.

Auf der „Reiseroute“ lagen auch deutsche Entwicklungshilfeprojekte der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit. Sie unterstützt in drei Regionen die Entwicklung der Primarschule und der entsprechenden Lehrerausbildung. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau fördert diese Projekte durch den Bau einer Vielzahl von Schulen. Die Aufmerksamkeit des Magdeburgers galt den Lehrerbildungsstätten, den sogenannten Teacher Training Institutes. Nach dem Sturz der sozialistischen Militärdiktatur 1991 räumte die neue Staatsregierung der Bildung einen besonderen Stellenwert ein, auch wenn es noch keine gesetzlich verankerte Schulpflicht gibt.

In Äthiopien sind 46 % der Bevölkerung jünger als 15 Jahre. Die Schulkinder werden bis zur 4. Klasse in ihrer Muttersprache unterrichtet. Diese nach der Revolution eingeführte Regelung wirft große Probleme auf, müssen doch Lehrer in den Muttersprachen von 80 Nationalitäten ausgebildet werden. In den höheren Klassen erfolgt dann der Unterricht in den Amtssprachen Amharisch und Englisch. Etwa eine viertel Millionen Abiturienten verlassen jährlich die Schule, nur ca. 10000 Studienplätze stehen ihnen zu Verfügung. Dr. Wartenberg besuchte während seines Aufenthaltes eine der neuesten technischen Universitäten in Nazret, die vor vier Jahren gegründet wurde und auch zahlreiche ausländische Studierende ausbildet.
Ines Perl