Vor 150 Jahren

Historikertagung zur 48er Revolution

Auf "Die Revolution von 1848/49 in Sachsen/Anhalt" konzentrierte sich die gleichnamige Konferenz, die das Institut für Geschichte in Kooperation mit der Gesellschaft für Demokratie- und Zeitgeschichte Sachsen-Anhalt e.V. und der Landeszentrale für poltische Bildung Mitte November 98 organisiert hatte.

Zum ersten Mal ist die 48er Revolution im gesamten Raum des heutigen Sachsen-Anhalts Gegenstand einer wissenschaftlichen Tagung von Historikern aus der ganzen Bundesrepublik gewesen. Die Revolution, an die im 150. Gedenkjahr erinnert wurde, ist zwar in Sachsen-Anhalt sehr unterschiedlich verlaufen, aber unbestritten ist ihre nachhaltige Wirkung.

Zu den Grundrechten

In seinem Einführungsvortrag zur zweitägigen Konferenz im Palais am Fürstenwall gab Rektor Prof. Dr. Klaus Erich Pollmann einen Rückblick auf die Revolution von 1848/49 nach 150 Jahren. Wie sie in Preußen verlief zeigte Dr. Rüdiger Hachtmann von der Freien Universität Berlin auf. Andere Vorträge beschäftigten sich mit dem Verlauf der Revolution in verschiedenen Regionen Sachsen-Anhalts.

Viel Beachtung fand der Abendvortag von Prof. Dr. Joachim Perels von der Universität Hannover zu den Grundrechten in der deutschen Geschichte seit 1848. Er charakterisierte drei Arten von Grundrechten: die persönlichen Freiheitsrechte, die politischen sowie die sozialen Grundrechte. Als zentrale Grundrechte wurden in der 48er Verfassung, die nie in Kraft trat, die "Gleichheit vor dem Gesetz", die Meinungsfreiheit, die Trennung von Kirche und Staat sowie die Eigentumsfreiheit festgeschrieben. Einen ersten Ansatz zur Durchbrechung des Bildungsprivilegs bildete die Schulgeldfreiheit für Volks- und Gewerbeschulen. Die Verfassung von 1871 hingegen war bar jeglicher Grundrechte. Eine Fülle von sozialen Grundrechten, u.a. Erziehungsbeihilfen für sozial Schwache, die Förderung der Volksschulbildung oder eine erweiterte Vereinigungsfreiheit, wies erst die Verfassung der Weimarer Republik auf. Mit der Verfassung des "3. Reiches" wurden wesentliche Grundrechte des Volkes außer Kraft gesetzt. Zum Grundsatz des nationalsozialistischen "Führerprinzips" wurde die freie Verfügung der Staatsmacht über die Individuen ohne Rechtsaufsicht. Unter diesem Eindruck entstanden die Verfassung der Bundesrepublik, in der die Grundrechte bereits im ersten Satz "Die Würde des Menschen ist unantastbar ..." verankert sind. Professor Perels ging auch auf die Grundrechte in der Verfassung der DDR und deren Interpretation durch DDR-Rechtsgelehrte ein.
Ines Perl