Herbsttagung

Frauenärzte trafen sich in Magdeburg

Die alljährlich von der Universitätsfrauenklinik Magdeburg ausgerichtete Herbsttagung der Frauenärzte aus Sachsen-Anhalt und den angrenzenden Bundesländern fand Ende November 98 statt. Ehrengäste waren Dr. Gerlinde Kuppe, Ministerin für Arbeit, Frauen, Gesundheit und Soziales, die über “Frauen und Gesundheit &endash; eine kritische Bestandsaufnahme" sprach und der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Professor Günther Kindermann aus München.

Zu hoher Blutdruck

Schwerpunkte waren aus der Geburtshilfe die hypertensiven Erkrankungen (Bluthochdruck) in der Schwangerschaft und aus der Gynäkologie die Besonderheiten von Frauenkrankheiten bei älteren Frauen. Ungefähr sechs bis acht Prozent aller Schwangerschaften sind durch eine Erhöhung des Blutdrucks, häufig einhergehend mit einer gestörten Nierenfunktion (Eiweiß im Urin) und Einlagerung von Körperwasser (Ödeme) kompliziert. Unbehandelt führt das Krankheitsbild zu (Spät-)Schäden und Krämpfen bei der Mutter und zu einer Wachstumsverzögerung des Ungeborenen (körperliche und geistige Retardierung). Auf der Tagung wurden die Erfahrungen mit neuen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten bei dieser Schwangerschaftserkrankung diskutiert. Auch Kinderärzte beteiligten sich und berichteten über die Betreuung der in ihrem Wachstum zurückgebliebenen Kinder nach der Geburt.

Immer mehr ältere Frauen beim Gynäkologen

Die hohe Lebenserwartung führt dazu, daß mehr und mehr auch ältere Frauen den Frauenarzt wegen einer Genitalerkrankung aufsuchen. Zahlreiche Begleiterkrankungen, wie Bluthochdruck und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus, Osteoporose usw. erschweren auch die Diagnostik und Therapie der gynäkologischen Krankheitsbilder in diesem Lebensalter. Die Betreuung der älteren Frauen kann daher zum Beispiel bei Blutungen unklarer Ursache, Genitalprolaps (Vorfall) und bei Tumorleiden nur durch eine enge Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Frauenärzten und den Frauenkliniken erfolgen, wobei vielfach Ärzte anderer Fachgebiete interdisziplinär einbezogen werden müssen. “Die unter anderem von den Krankenkassen geforderte Verkürzung der stationären Verweildauer oder ganz und gar die ambulante Durchführung medizinischer Eingriffe ist nicht möglich, wenn komplizierte Begleiterkrankungen vorliegen, wie dies bei älteren Menschen häufig der Fall ist", meinte Prof. Dr. Wolfgang Weise, Direktor der Universitätsfrauenklinik und wissenschaftlicher Leiter der Veranstaltung.
Prof. Dr. Jürgen Nieder