Auswirkungen wären katastrophal

Überdurchschnittlich hohe Kürzungen im Haushaltsplanentwurf 1999 für die Universität

Die Auswirkungen des von der Landesregierung vorgelegten Haushaltsplanentwurfs 1999 wären für die Otto-von-Guericke-Universität katastrophal, wenn er so beschlossen würde, betonte Rektor Klaus Erich Pollmann auf einer kurz nach Bekanntwerden der gedruckten Vorlage Mitte November 98 einberufenen Pressekonferenz. Er hatte sich an die Öffentlichkeit gewandt, nachdem alle Briefe an die Landesregierung und zahlreiche Gespräche mit Abgeordneten im Vorfeld der offiziellen Bekanntgabe des Entwurfs ohne Erfolg geblieben waren.

In einer Stellungnahme hat sich auch der Senat zutiefst besorgt über den Haushaltsentwurf 0611 für die Universität Magdeburg gezeigt. Die Kürzungen für diesen Einzelplan betragen nicht weniger als 8,8 Prozent; während der Ansatz für den Gesamthaushalt lediglich um 0,13 Prozent gegenüber 1998 gesunken ist. Diese Finanzvorgaben brächten nicht nur den Aufbauprozeß an der Universität zum Stillstand, sondern gefährdeten auch den bisherigen Ausbaustand und die derzeitig hohe Qualität in Forschung und Lehre an der Universität der Landeshauptstadt, so der Senat.

Die vorgesehenen Personalmittel reichen nicht einmal aus, um im kommenden Jahr das vorhandene Personal zu finanzieren. Selbst wenn keine einzige freiwerdende Stelle wieder besetzt würde, fehlen noch mehr als vier Millionen D-Mark. Neuberufungen können nicht mehr erfolgen, und das bei einem Berufungsstand von gegenwärtig nur rund 73 Prozent. Für Bleibeverhandlungen gibt es keinerlei Spielräume. Qualifizierungsstellen für den wissenschaftlichen Nachwuchs müssen unbesetzt bleiben. Die Mittel für die Ergänzung und Erneuerung von Geräten sind um 30 Prozent gestrichen worden.

Vertrauensverlust

Der Rektor machte darauf aufmerksam, daß dieser Haushaltsentwurf nicht nur zu einem eklatanten Substanzverlust führe, sondern auch zu einem Vertrauensverlust. Die Max-Planck-Gesellschaft entschied sich, ein Institut in Magdeburg aufzubauen. Eine wichtige Voraussetzung dafür war der Ausbau der verfahrenstechnisch orientierten Fakultät an unserer Universität. Dafür jedoch seien weitere Personalmittel und Investitionen im gerätetechnischen Bereich unabdingbar. In den vergangenen Jahren habe das Land bereits viel auf diesem weitentwickelten Gebiet investiert, hob der Dekan der Fakultät für Verfahrens- und Systemtechnik, Prof. Dr. Evangelos Tsotsas, hervor. Mit diesem Entwurf würde die hochtechnologische Spitze im Land weggeschliffen, und die Zukunft des Standortes sei in Gefahr. Junge Ingenieure, Ökonomen, Absolventen unserer Universität, die wichtig für die Ansiedlung neuer innovativer Unternehmen in der Region sind, würden in andere Bundesländer abwandern. Die Universität kann im kommenden Jahr ihren Aufgaben bei der Schaffung neuer wissensbasierter Arbeitsplätze und hochentwickelter Industriestrukturen mitzuwirken, nicht mehr wirksam nachkommen.

Prof. Dr. Joachim Weimann, Dekan der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft, machte auf die prekäre Lage an seiner Fakultät aufmerksam. Von den zwölf Professorenstellen in der Betriebswirtschaftslehre sei praktisch nur die Hälfte besetzt. Diese sechs Professoren hielten das Studienangebot für 1500 Studierende in zehn Studiengängen aufrecht. Die freien Lehrstühle müßten unverzüglich besetzt werden. Die Universität sei ein Standortfaktor erster Güte. Würde sie dezimiert, würde auch die Zukunft des Landes Sachsen-Anhalt zerstört. Die Landesregierung müsse sich fragen lassen, ob sie das wolle, so Professor Weimann.

Die zwei neu an der Fakultät für Informatik eingerichteten Studiengänge seien von den Abiturientinnen und Abiturienten sehr gut angenommen worden, informierte Prof. Dr. Jürgen Dassow, Dekan der Fakultät. Die Laborkapazität setze aber bereits Grenzen.

Um den hohen Stand der Ausbildung zu wahren, sei die ständige Modernisierung der Rechentechnik in den Laboren sowie deren Ausbau wichtig. Dies würde mit den zugewiesenen Mitteln nicht mehr gewährleistet sein. Professor Dassow verwies in diesem Zusammenhang auch auf das große Interesse der Industrie an gut ausgebildeten Absolventen. Auf die Frage, warum dann nicht auch Mittel der Industrie zur Finanzierung der Universität nutzen, antwortete er, daß bereits zahlreiche Forschungsprojekte durch die Industrie gefördert würden. Die Ausbildung junger Nachwuchskräfte jedoch sei originäre Aufgabe des Staates. Die Industrie könne sich ihren Nachwuchs auch aus Bayern, Niedersachsen oder gar dem Ausland holen und müsse ihn nicht unbedingt in der Region suchen.

Der Kanzler, Wolfgang Lehnecke, unterstrich nachdrücklich, daß die Universitätsleitung sehr wohl vom Grundsatz der Haushaltsfinanzierung für die Hochschule ausgehe. Wenn Einsparungen notwendig sind, dann sei auch die Otto-von-Guericke-Universität bereit, sie mitzutragen, aber in einer realistischen Größenordnung mit einem langfristigen Sparansatz. Der jetzt vorliegende Finanzrahmen jedoch sei gefährlich.
Ines Perl