Europa kam nach Magdeburg

Britische Hochschulexperten und Bürgerbeauftragter der EU an der Universität

Während die Studierenden sich über Studienangebote von 15 britischen Hochschulen aus erster Hand informieren konnten, diskutierten britische Experten der Hochschulfinanzierung, der Forschung, Lehre und Akkreditierung mit Vertretern von Universitäten und Fachhochschulen Sachsen-Anhalts. Der Anlaß dazu waren die vom hiesigen Kultusministerium initiierten und von Staatssekretär Klaus Faber eröffneten Sachsen-Anhaltisch/Britischen Hochschultage, die für zwei Tage massive britische Präsenz nach Magdeburg brachten. Für die Gewinnung der Experten und der Vertreter der 15 britischen Universitäten ist dem British Council in Leipzig höchstes Lob auszusprechen.

Verschiedene Sichtweisen

Die Diskussionen stellten unterschiedliche Sichtweisen auf Lehre, Forschung, Finanzierung und Qualitätsmanagement der Hochschulbildung gegenüber und regten so zu neuen Gedanken an. Besonders deutlich wurde das sehr pragmatische Vorgehen der Briten z.B. in Fragen der Personalpolitik und der Lehre. So zählen bei der Berufung von Hochschullehrern nicht unbedingt die Diplome, sondern das Können und die didaktischen Qualitäten, die in obligatorischen Schulungen gefördert werden. Immer wieder wurde die Bedeutung der Lehre neben der Forschung als Grundlage und Existenzberechtigung der Hochschulen hervorgehoben und die individuelle Betreuung der Studierenden gewürdigt.

Höhepunkt der Veranstaltung war jedoch das trotz verkehrstechnischer Hindernisse doch noch stattfindende Konzert der Cambridge Scholars, eines A-Capella Chores mit einem Programm von Renaissance bis Pop, im Roncalli-Haus. Mit viel Witz und nahezu perfektem Können, wie man das von britischen Chorsängern beinahe schon gewöhnt ist, verzauberten sie den Abend und brachten ausreichend Poesie in die Köpfe der Teilnehmer, um die Diskussionen der Arbeitsforen des zweiten Tages zu beflügeln.

Begann die erste Novemberwoche sachsen-anhaltisch/britisch, so endete sie europäisch, denn der erste Justiziar des Bürgerbeauftragten (oder Ombudsmanns) der Europäischen Union, Peter Dyrberg, erklärte Schülern, Studenten, Lehrern und interessierten Magdeburger Bürgern die Funktion dieses in skandinavischer Tradition stehenden Funktionsträgers der EU: Berufen vom Europäischen Parlament ist der Bürgerbeauftragte eine unabhängige Instanz, bei der jeder Bürger der Europäischen Union sich über deren Institutionen beschweren kann. Sei es die Europäische Kommission, der Rat, die Zentralbank, der Bürgerbeauftragte geht allen Beschwerden nach und versucht im konstruktiven Dialog mit den betroffenen Stellen, die Ursachen für die Beschwerden abzustellen und Transparenz in die Verwaltungsabläufe der EU zu bringen.

Die meisten Beschwerden betreffen derzeit die Freizügigkeit: Arbeitnehmer, die eine Stelle in einem anderen EU-Land erhalten, treffen oft auf scheinbar unüberwindliche Hürden, Studierende, die ins Ausland gehen, müssen mit der Anerkennung von Zeugnissen kämpfen, Autofahrern gelingt es nicht, eine Zulassung in einem anderen Land der EU zu erhalten... Sehr praktische Probleme also, die jeden treffen können. Ein Brief, ein Fax oder ein Anruf genügen schon für eine Beschwerde.

Europaabgeordneter

Im zweiten Teil der Veranstaltung, die vom EU-Forum Magdeburger Börde e.V. in Zusammenarbeit mit dem Akademischen Auslandsamt/International Office der Universität durchgeführt wurde, sprach der Europaabgeordnete der CDU Sachsen-Anhalts, Dr. Horst Schnellhardt, über die Entscheidungswege im Spannungsfeld zwischen Kommission, Rat und Parlament.

Beide Veranstaltungen brachten innerhalb einer Woche Internationalität nach Magdeburg und demonstrierten damit, daß Europa nicht mehr nur vor der Tür steht, sondern längst schon zum Alltag eines jeden Menschen, auch in Sachsen-Anhalt, gehört.
Dr. Tina Reckert