Vom Ton zum Tanz

Versuchsreihe zum Einfluß von Musik auf Bewegung

Musik und Bewegung gehören zusammen. Wer mag das bestreiten wollen. Fließen nicht feurige Salsa-Klänge wie magisch in die Beine? Lassen nicht die Walzer-Melodien von Strauß die Tanzpaare über das Parkett gleiten? Wie wird die Information der Musik konkret in Bewegung umgesetzt? Dieser Frage gehen die Professoren Anita Hökelmann und Peter Blaser in ihrem Forschungsprojekt Ein komplexes Verfahren zur Überprüfung des Zusammenhangs von Musik und Bewegung nach.

Bisher wird auf eine qualitative Musik- und Bewegungsanlyse zurückgegriffen, bei der eine rationale Bewertung von musikalischen Klangbildern sowie deren Umsetzung in Bewegung oft schwerfällt und subjektiv geprägt ist. Die Sportwissenschaftler sehen nun im „komplexen Verfahren“ eine Lösung, den Einfluß der Musik auf psycho-physische Grundfunktionen einer Testperson zu objektivieren sowie die Wirkung der Musik auf die Bewegungsgestaltung zu quantifizieren.

Versuch mit Piano

In einem ersten Versuch wurde der Pianist Wolfgang Ellenberger vom ClassiCulturCentrum bemüht. Er spielt auf dem einzigen Bösendorfer Imperial-Flügel mit einem Piano-Disc-Spielcomputer. Dieser mißt 700 Mal pro Sekunde die Tastenbewegung und digitalisiert die Musik. Tondauer, -stärke und -frequenz, Rhythmus sowie äquivalente Dauerdruckpegel können als physikalische Parameter abgeleitet werden. Gleichzeitig wurde die körperliche Aktivität des Pianisten auf Video festgehalten. Über biomechanische Kennlinien soll diese mit den physikalischen Größen der Musik und der Bewegungsgestaltung von Tänzerinnen, die in einem zweiten Versuch erfolgte, in Beziehung gesetzt werden. Die Tänzerinnen Allison Inoue von der Universität Liverpool, Großbritannien, Lilija Serbina von der Sporthochschule Veliki Luki, Rußland, sowie Saskia Robinius und Corinna Belling von unserer Universität setzten die von Ellenberger gespielten Töne in Bewegung um. Diese Tänzerinnen wurden ausgewählt um parallel zu erfahren, wie unterschiedliche Kulturen und sportlich-tänzerische Erfahrungen die spontane Bewegungsgestaltung, aber auch ausgearbeitete Choreographien beeinflussen.

Die dreidimensionale Videometrie, d.h. Videoaufnahmen mit drei unterschiedlich positionierten Kameras, ermöglicht es, den Einfluß der Musik auf die physikalische Seite der Bewegung sowohl beim Pianospieler als auch bei den Tänzerinnen zu erfassen. Die Technik für die Ton- und Videoaufnahmen wurde vom Audiovisuellen Medienzentrum zur Verfügung gestellt.

Die Sportwissenschaftler erwarten, daß letztendlich ein Untersuchungsmittel zur Verfügung stehen wird, welches eine objektivere Qualifizierung des Einflusses der Musik auf die Bewegung ermöglicht. Anhand der Erkenntnisse über diesen Zusammenhang können dann gezielter und effektiver Übungs- und Kürmusiken oder musikalische Grundlagen für Tanztherapien ausgewählt werden.
Ines Perl