Hochschulen im 21. Jahrhundert

Bundesforschungsminister Rüttgers gab einen Ausblick

„Die Hochschulen in Deutschland müssen sich drastisch ändern.“ Diese nicht mehr ganz neue Forderung erhob der Bundesminister für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie, Dr. Jürgen Rüttgers, in seinem Vortrag zur „Hochschullandschaft im 21. Jahrhundert“ an der Universität Mitte März 1998. Zwei gesellschaftliche Trends – die zunehmende Globalisierung und der Übergang von der Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft – erforderten eine Neuorientierung des deutschen Hochschulsystems. Doch wie ist diese Reform durchzusetzen?

Die deutschen Hochschulen – ob in Ost oder West – könnten sich dem internationalen Wettbewerb stellen, schätzte Minister Rüttgers ein. Dennoch geht er davon aus, daß es im 21. Jahrhundert die Einheitshochschule in Deutschland nicht mehr geben wird, sondern viele verschiedenartige Hochschulen mit ganz unterschiedlichen Profilen. Die Anzahl der Studierenden werde sich noch erhöhen. „Für die künftige Wissensgesellschaft können wir nicht genug gut ausgebildete junge Menschen haben“, meinte Dr. Rüttgers. Das stelle das deutsche Hochschulsystem vor besondere Probleme, sei es doch nicht „unbedingt optimal organisiert“. Die Folge: zu lange Studienzeiten. Mögliche Auswege: die Neugliederung des Studiums, die Einführung neuer Studienabschlüsse und ein Gesetzeswerk, daß auf möglichst viele Vorgaben verzichtet. Erste Schritte – getan auch in Richtung zu mehr Internationalisierung: die Neugestaltung der Hochschulrahmengesetzgebung als Anfang einer Hochschulreform und das Angebot von Bachelor- und Masterabschlüssen. Jedoch – so wurde in der anschließenden Diskussion angemerkt – müßten die neuen Studienabschlüsse auch von der Wirtschaft anerkannt werden. Sie tue sich damit schwer, beklage aber gleichzeitig die lange Studiendauer an deutscher Hochschulen und Universitäten.
Ines Perl