3.2 Vorbereitung der Hochschulreform an der Technischen Hochschule
     "Otto von Guericke" Magdeburg in den Jahren 1964/1965 bis 1966

Auf dem VI. Parteitag der SED im Januar 1963 gab der Erste Sekretär des Zentralkomitees, Walter Ulbricht, den Anstoß zu einer umfassenden und tiefgreifenden Reform des Bildungswesens.1

Er trug jedoch weder ein zusammenhängendes Konzept noch ein vollständiges Programm vor, sondern beschränkte sich darauf, "nur einige grundlegende Fragen darzulegen und einige mögliche Lösungen zu skizzieren. Mit dem Hinweis auf die "Vielseitigkeit, die Neuartigkeit und Kompliziertheit der Probleme" schlug er vor, eine staatliche Kommission zu bilden, "die diese Probleme und Aufgaben in ihrem Zusammenhang berät und Grundsätze des einheitlichen Bildungssystems, der Lehrprogramme und Lehrbücher ausarbeitet". Seitdem war die Gestaltung bzw. Entwicklung eines einheitlichen sozialistischen Bildungssystems die globale Leitformel, mit der die Gesamtheit der Probleme und Lösungsversuche umschrieben wurde.
Der wesentliche Kern der Veränderungen und das eigentlich Neue lag in der Absicht, das Bildungswesen in der DDR auf die Anforderungen auszurichten, die sich mit dem immer stärkeren Eindringen von Wissenschaft und Technik in allen Lebensbereichen stellten. Es war die "objektive Gesetzmäßigkeit", die als wissenschaftlich-technischer Fortschritt oder als technische oder wissenschaftlich-technische Revolution bezeichnet wurde. Sie war die Ursache für die von Walter Ulbricht angesprochene Vielseitigkeit, Neuartigkeit und Kompliziertheit der Probleme.
Die Frage der Einheitlichkeit und Differenzierung des Bildungswesens war nur eines dieser Probleme, für die Lösungen gefunden werden mußten, die den Anforderungen der wissenschaftlich-technischen Revolution entsprachen.
Da die wissenschaftlich-technische Entwicklung nicht einem quasi gesellschaftsneutralen Selbstlauf überlassen, sondern unter Beachtung und Wahrung der ideologischen Determinanten gestaltet werden sollte, mußte auch das Bildungswesen dieser Forderung gerecht werden. Wenn die Anpassung an die wissenschaftlich-technische Revolution z.B. eine stärkere Berücksichtigung der individuellen Fähigkeiten, Neigungen und Begabungen verlangte, so sollte dies nicht die ideologische Erziehung und Bildung beeinträchtigen oder gar in Frage stellen.
Mit der Einordnung in die Aufgabenstellung der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung war jedoch nicht eine Reduktion der faktischen Bedeutung verbunden. Sie schloß keineswegs aus, die "Meisterung" des wissenschaftlich-technischen Fortschritts im allgemeinen Aufgabenkatalog an die erste Stelle zu rücken und diese Aufgabe als die primäre Ursache für die Notwendigkeit einer Bildungsreform darzustellen. Diese Tatsache läßt sich in allen Reformdokumenten erkennen, auch in dem Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungssystem vom 25.02.1965. Dort heißt es in der Präambel: "Die Verwirklichung der historischen Aufgabe des Programms des Sozialismus, das der VI. Parteitag der SED beschlossen hat, die Meisterung der technischen Revolution und die Entwicklung der sozialistischen Gemeinschaft, erfordert im Interesse der Gesellschaft und jedes einzelnen eine höhere Qualität unseres Bildungswesens, das einheitliche sozialistische Bildungssystems."
2

Auch in der Bundesrepublik Deutschland sollte es zu diesem Zeitpunkt Veränderungen im Bildungswesen geben. Dazu hatte der Wissenschaftsrat 3 am 14.05.1966 seine "Empfehlungen zur Neuordnung des Studiums an den wissenschaftlichen Hochschulen" verabschiedet. Von Studenten waren sie als der Beginn einer technokratischen Hochschulreform aufgefaßt worden. Ihre Befürchtungen richteten sich vor allem auf das Disziplinierungsinstrument der befristeten Immatrikulation.

Aus den "Empfehlungen":4

"Man stellt es den Studierenden anheim, sich selbst einzuschätzen, verschiebt im übrigen die Auslese auf das Examen und findet das Risiko, in dem das Studium damit steht, durch den hohen Wert der akademischen Freiheit gerechtfertigt. Wenn dieses Verfahren sich auch in der Vergangenheit bewährt hat, so ist doch sicher, daß die wissenschaftliche Hochschule unter den heutigen und den künftigen Bedingungen des Studiums sich die bisherige Praxis fernerhin nicht leisten kann" (Seite 19). "Der Wissenschaftsrat schlägt folgende Gliederung der Ausbildungsfunktionen der wissenschaftlichen Hochschulen vor:

das Studium für alle Studierenden, das mit einer die Berufsfähigkeit bestätigenden Prüfung abschließt;

ein Aufbaustudium für Studierende, die an der Forschung interessiert und für sie befähigt sind;

ein Kontaktstudium, das als Angebot an im Beruf stehende Absolventen der wissenschaftlichen Hochschulen diesen die Möglichkeit geben soll, ihre wissenschaftliche Ausbildung in Abständen aufzufrischen" (Seite 16).

"Die Begrenzung der Studienzeit hat zur Folge, daß die Studierenden nur für die Dauer des Studiums und der anschließenden Prüfung immatrikuliert werden, und daß bei einer vierjährigen Studiendauer die Immatrikulation nach viereinhalb Jahren erlischt. Studienfachwechsel in der zweiten Phase des Studiums und zweimaliger Studienfachwechsel sollten seltene Ausnahmen sein, die besonderer Genehmigung bedürfen" (Seite 29).

"Für das Aufbaustudium wird eine besondere Zulassung notwendig sein. Voraussetzung für sie ist der Abschluß des Studiums in einer der dafür vorgesehenen Formen [...]. Ist die Examensnote nicht mindestens gut, so sollte die Zulassung von einer Kollegialentscheidung abhängig gemacht werden" (Seite 31).

In der Zeitschrift "Der Monat" im November 1966 veröffentlichte Prof. Jürgen Habermas, Universität Frankfurt am Main folgende Kritik: " Bislang haben die Empfehlungen des Wissenschaftsrates die Struktur der bestehenden Universität kaum berührt. Seit 1960 sind zahlreiche neue Lehrstühle eingerichtet und die Stellen des Mittelbaus erheblich vermehrt worden. Dabei ging es um eine quantitative Anpassung des Ausbildungssystems an eine mittlerweile schnell gewachsene Zahl von Studierenden. Auch die konservativen Empfehlungen zur Neugliederung des Lehrkörpers (1965) dienten eher dem Ausbau der bestehenden Hochschulen als ihrer Reform: die alte Verteilung der Kompetenzen und Abhängigkeiten, also die Ordinarienuniversität, wurde mit geringfügigen Korrekturen noch einmal bestätigt. Nun hat aber der Wissenschaftsrat Vorschläge zu einer Neuordnung des Studiums vorgelegt, die, in die Praxis umgesetzt, unsere Universitäten von Grund auf umkrempeln müßten."

Diese "Empfehlungen" wurden allerdings ohne vorherige Diskussion an den Hochschulen verabschiedet. Selbst die Westdeutsche Rektorenkonferenz gab keine Stellung dazu ab. Dafür kamen besonders aus der Studentenschaft schärfste Proteste. Sie fühlte sich von der bevorstehenden Reglementierung des Studiums bedroht. An der Freien Universität in Westberlin protestierten ca. 3000 Studierende in einem Sitzstreik gegen die restriktive Anwendung der Wissenschaftsrats-Empfehlungen. Und überall forderten Studentenorganisationen, keine organisatorischen Veränderungen ohne entsprechende soziale Sicherungen zu treffen. Eine Kommission des Verbandes Deutscher Studentenschaften, der keineswegs immer besonders fortschrittlich auftrat, stellte in der Deutschen Universitätszeitung fest:

"[...] eine reglementierende Intensivierung des Studiums benachteiligte die Studenten aus unteren sozialen Schichten [...] Bekanntlich erhielt in den letzten Jahren nur ein Drittel der Studenten Zuschüsse [...] aus öffentlichen Mitteln. Selbst die Höchstsätze dieser Zuschüsse liegen erheblich unter den Lebenshaltungskosten."

Die Autoren folgern daraus: "Da in den nächsten Jahren in der Bundesrepublik mit Sicherheit keine entscheidende Steigerung der öffentlichen Aufwendungen für die Hochschulen zu erwarten ist, müssen die Empfehlungen als ein Notstandsprogramm angesehen werden." 5

Diese und viele andere Stellungnahmen, auch von Wissenschaftlern, lassen deutlich werden, daß es sich bei den Empfehlungen nicht um eine Hochschulreform oder etwa einen Teil einer solchen handelt, die sich auf die Massen der Wissenschaftler undStudenten stützen könnte.6

Zum ersten Mal in der Geschichte der BRD spielte die Studentenschaft eine ernst zu nehmende politische Rolle. In dem Artikel "Studenten auf Kollisionskurs" stellte Kurt Sontheimer fest: "Nach dem 02. Juni 1967" (Student Ohnsorg wurde bei einer Demonstration in Berlin von einem Polizisten in Zivil erschossen) "ist die Studentenschaft nicht nur an der Berliner Universität, sondern Dank der Berliner Studenten die der gesamten Bundesrepublik zu einem Faktor der deutschen Innenpolitik geworden. Die Parteien des Bundestages beeilten sich plötzlich, mit den Vorsitzenden der Studentenausschüsse zu diskutieren; Kiesinger ließ es sich ebensowenig nehmen wie Willy Brandt, zu den Studenten zu sprechen. [...] Da der Prozeß der Politisierung der akademischen Jugend zwar von Hochschulproblemen ausgegangen, aber inzwischen längst über diesen Rahmen hinaus gedrungen ist, kann er durch eine Reform der Hochschule, falls sie angesichts der Lethargie dieser Institution überhaupt tiefgreifend genug sein könnte, nicht zurück gedämmt werden." 7

Die 1964 vorgelegten "Grundsätze für die Gestaltung des einheitlichen sozialistischen Bildungssystems (Entwurf)" waren zwar bei der Bestimmung des Inhalts, der Struktur und des Umfangs des Bildungssystems "auf den Stand gerichtet", den die DDR "mit der Erfüllung ihrer Perspektivpläne bis 1970 und 1980 erreichen wird, 8 aber sie wurden diesem Anspruch in wesentlichen Fragen nicht gerecht.

Mit der Verkündigung des "Gesetzes über das einheitliche sozialistische Bildungssystems" vom 25.02.1965 begann eine neue Entwicklungsphase des Hochschulwesens in der DDR. Es wurde damit die "3. Hochschulreform in der DDR" eingeleitet. In der Einleitung des Bildungsgesetzes stand:

"Die DDR ist in das neue, sozialistische Zeitalter eingetreten. [...]

Die Verwirklichung der historischen Aufgaben des Programms des Sozialismus, das der VI. Parteitag der SED beschlossen hat, die Meisterung der technischen Revolution und die Entwicklung der sozialistischen Gemeinschaft, erfordert im Interesse der Gesellschaft und jedes einzelnen eine höhere Qualität unseres Bildungswesens, das einheitliche sozialistische Bildungssystem."

Diese Reform, die allerdings erst in den Jahren 1967/1968 richtig in Gang kam, sollte vor allem die Effektivität von Forschung und Ausbildung verbessern sowie eine stärkere Verbindung der Hochschulen mit der Wirtschaft bewirken (Bildungsgesetz 55 ff).

Die Technische Hochschule "Otto von Guericke" Magdeburg konnte im Jahr 1965 bereits auf ein zwölfjähriges Bestehen zurückblicken und hatte sich in dieser Zeit zu einer im In- und Ausland anerkannten und geachteten Bildungsstätte entwickelt. Die in jenem Jahr auf dem Gebiet des Hochschulwesens zur Diskussion gestellten Prinzipien und Entwürfe zur Umgestaltung des Studiums, die auf dem Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungssystem basierten, waren auch für die weitere Entwicklung der Technischen Hochschule, an der im Jahre 1965 der Perspektivplan für den Zeitraum 1965 bis 1970 erarbeitet, diskutiert und bestätigt worden war, von entscheidender Bedeutung.

Um den Bedingungen der Volkswirtschaft gerecht werden zu können, wurde eine Überprüfung der zum Teil noch praktizierten konservativen Ausbildungsmethoden erforderlich, die eine inhaltliche und methodische Umgestaltung des Studiums zur Folge haben mußte. Da auch in quantitativer Hinsicht durch die technische Revolution an die Hochschulen stärkere Anforderungen gestellt wurden, mußte auch eine Verkürzung des Studiums angestrebt werden, ohne, daß darunter das Ausbildungsniveau litt.

Um diese wichtigen und schwierigen Aufgaben in Angriff nehmen zu können, wurde am 19. 05.1965 vom Senat eine Senatskommission unter Vorsitz von Prof.Dr.-Ing. habil. W. Rößner gebildet.9

Diese Kommission erarbeitete auf der Grundlage der Thesen des SHF über den Ablauf des Direktstudiums sowie des Perspektivplanes der THM "Prinzipien neuer Studienpläne in Zusammenhang mit der inhaltlichen Umgestaltung des Studiums", die im Dezember 1965 vorgelegt und am 19.01.1966 vom Senat für die Diskussion in den Fakultäten bestätigt wurden. Diese Prinzipien beinhalteten die Modellvorstellungen der THM zur konkreten Realisierung der Umgestaltung des Studiums, die u.a. wie folgt aussahen:

1. Aufbau des Studiums: Das Studium sollte sich in drei Abschnitte gliedern ( Grundstudium,
    Fachstudium, Vertiefungs- und Forschungsstudium ).

2. Inhaltliche Gestaltung des Studiums: Die aufzunehmenden Lehrveranstaltungen im
    Studienplan sollen vom Berufsbild des auszubildenden Diplomingenieur
    bestimmt werden. Bei der Aufstellung von Studienplänen sollte man von der effektiv
    möglichen Belastung der Studierenden ausgehen.

3. Organisation, zeitlicher Ablauf und Prüfungen.

4. Zum Aufbau der Studienpläne.

Im Maßnahmeplan der Technischen Hochschule Magdeburg zur Durchsetzung der Prinzipien zur weiteren Entwicklung der Lehre und Forschung an den Hochschulen der DDR wurde am 4. März 1966 festgestellt, daß die Wissenschaftler der Hochschule den Vorschlägen des Staatssekretariats für das Hoch- und Fachschulwesen aufgeschlossen gegenüberstanden.

Eine gute Voraussetzung dazu schufen die auf Initiative der Hochschulparteileitung und des Senats seit Anfang des Jahres 1965 eingeleiteten Maßnahmen und Diskussionen zur inhaltlichen und organisatorischen Umgestaltung des Studiums.

Nach diesen Prinzipien wurde das Studium für eine Dauer von 4 3/4 Jahren konzipiert und untergliederte sich wie folgt:

Grundstudium (2 Jahre) - Fachstudium (2 Jahre) und dieses unterteilt sich dann in Vertiefungsstudium (1 Jahr) und Forschungsstudium (3 Jahre).

Als gänzlich neues Element, das sich unmittelbar aus dem Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungssystem ableitete, kann in diesem Zusammenhang das Forschungsstudium betrachtet werden, das besonders befähigte Studierenden nach individuellen Studienplänen zur Promotion führte.

Studierenden konnten bereits nach dem 4. Studienjahr, ohne ihre Diplomarbeit fertiggestellt zu haben, in das Forschungsstudium überwechseln. Während dieses Studiums mußte aber das Diplom erworben werden. Das Thema korrespondierte meistens mit den zu bearbeitenden Forschungsthema. Die darauffolgende Promotion baute dann auf die abgeschlossene Diplomarbeit auf.

Um die selbständige studentische Arbeit zu fördern, aber auch gleichzeitig den Studierenden die Möglichkeit zu geben, einzeln und im Kollektiv sich mit der wissenschaftlichen Arbeitsweise vertraut zu machen, wurden für den Grundstudienplan ein großer prozentualer Anteil an Übungen und Seminaren angestrebt. Um eine Einheit von Lehre und Forschung zu garantieren, war vorgesehen, die Studierenden durch Übungen und Belege in die Forschungsarbeit der Institute einzubeziehen.

Es sei bemerkt, daß auch der Perspektivplan der THM bis 1970,10

der am 17. März 1965 bestätigt wurde, bereits wichtige Elemente zur Umgestaltung des Studiums enthielt, die aus den Grundsätzen abgeleitet worden waren. Da wären u.a. zu nennen:

1. Fachliche Ausbildung der Studierenden durch eine gute Allgemeinbildung zu
    ergänzen und vor allem den Inhalt dieser Allgemeinbildung näher zu bestimmen.

2. Umgestaltung des Ingenieurstudiums: Vertiefung der Ausbildung in den
    naturwissenschaftlichen, technischen, technologischen und
    ökonomischen Grundlagen (Grundstudium) mit der speziellen Fachausbildung; stärkere
    Praxisverbundenheit des Hochschulstudiums.

3. Aufbau einer Fakultät für Gesellschaftswissenschaften: damit sollte eine enge
    Zusammenarbeit zwischen den naturwissenschaftlichen, technischen und
    gesellschaftlichen Disziplinen in Lehre und Forschung erreicht werden.
    (Gründung erfolgte am 27.05.1968)
11

4. Aufbau einer Fakultät für Elektrotechnik (Gründung erfolgte am 05.05.1965) 12

5. Um die Zweigleisigkeit in der Ausbildung der Pädagogen zu vermeiden sollte die
    Zusammenarbeit mit dem Pädagogischen Institut verstärkt werden.

Mit dem Bildungsgesetz sollte auch das Fernstudium umgestaltet werden. Der 52 legte fest: "Die Ausbildung an den Universitäten und Hochschulen wird bestimmt von den Erfordernissen der Wissenschaft, der Volkswirtschaft und der Gesellschaft. Sie baut auf dem Niveau der erweiterten Oberschule auf. Sie erfolgt im Direkt-, Fern- und Abendstudium."

Zu Beginn des Jahres 1965 bestanden an der THM (Außenstellen: Dresden, Schwarza, Eisenhüttenstadt) zwei Formen des Fernstudiums: 13

a) "normales" Fernstudium (ab 1962 wurde nur diese Form immatrikuliert):

Dauer: 7 1/2 Jahre davon:

- 4 Jahre Unterstufe Grundausbildung

- 3 Jahre Oberstufe Spezialausbildung

- 1/2 Jahr für die Anfertigung der Diplomarbeit und Ablegung der Staatsexamensprüfung

b) "intensiviertes" Fernstudium (nur 1959 - 1961 immatrikuliert):

Dauer: 5 1/2 Jahr davon:

- 3 Jahre Unterstufe Grundausbildung

- 2 Jahre Oberstufe Spezialausbildung

- 1/2 Jahr für die Anfertigung des Großen Beleges und der Diplomarbeit.

Obwohl sich das "intensivierte" Fernstudium gegenüber dem "normalen" Fernstudium hinsichtlich zahlreicher Kriterien als vorteilhaft (bessere Studienergebnisse, weniger Exmatrikulationen u.a.) erwies, war der Einzugsbereich der Bewerber beim "intensivierten" Fernstudium eng begrenzt, da die Studierenden wöchentlich 2 Tage unmittelbar zum Hochschulort fahren mußten.

Schon während der Diskussion über den Entwurf des Bildungsgesetzes von 1964 wurde die Hauptabteilung Fernstudium der THM mit der Ausarbeitung einer neuen Form des Fernstudiums beauftragt. Der Vorschlag für eine neue, einheitliche Studienform im Fernstudium an der THM konnte bereits am 13.01.1965 dem Senat vorgelegt werden.14

. Schon ab September 1965 wurden 155 Studierende für diese neue Form, die eine Kombination der beiden bisherigen Formen des Fernstudiums darstellte, neu immatrikuliert.15

c) neue Fernstudienform

Dauer: 5 1/2 Jahre mit anschließendem Diplomsemester davon:

- 3 Jahre Unterstufe Grundausbildung (wöchentlich 2 Tage Vorlesungen und Übungen in Magdeburg oder in
  den Außenstellen)

- 2 1/2 Jahre Oberstufe Spezialausbildung (jährlich 3 Seminarkurse zu je 14 Tagen)

- 1/2 Jahr Diplomarbeit und Staatsexamensprüfungen.

Es war versucht worden, die Vorteile der bisherigen Formen zu vereinen und zu ergänzen sowie mögliche Nachteile auszuschalten. Die neue Fernstudienform ermöglichte, einen wesentlich größeren Kreis von Bewerbern als bisher dem Fernstudium zuzuführen; denn die Grundausbildung (Unterstufe) erfolgte durch die Anleitung und Kontrolle der jeweiligen zuständigen Institutsdirektoren in den Außenstellen. Zu diesem Zweck wurden geeignete Arbeitsunterlagen erarbeitet und übergeben, die auf Weisung und unter Anleitung des verantwortlichen Institutsdirektors den Ausbildungsstoff vermittelten und die dazugehörigen Übungen durchführten.

Die neue Fernstudienform war somit auch eine wichtige Voraussetzung für die Vergrößerung des Einzugsbereiches der THM, so daß wesentlich mehr Bewerber gewonnen werden konnten, z.B. aus den Bezirken Rostock, Schwerin, Neubrandenburg und Potsdam.

An der THM studierten im Jahre 1966 822 Fernstudenten und 2 950 Direktstudenten. Die Anzahl der erfolgreich abgeschlossenen Diplomverfahren betrug im Direktstudium 213 und im Fernstudium 68.

 In den Diskussionen über das einheitliche sozialistische Bildungswesen wurde der Frage der Einheit von Ausbildung und Erziehung besondere Beachtung geschenkt, da eine wesentliche Aufgabe darin bestand, die Studierenden nicht nur in fachlicher sondern auch in politisch-moralischer Hinsicht auszubilden und zu erziehen.

Die marxistisch-leninistische Erziehung, die schon mit der 1. Hochschulreform, welche unmittelbar nach der Zerschlagung des Faschismus durchgeführt wurde (siehe unter 3.1 Ziele und Aufgaben der Hochschulreform), eingeleitet wurde, sollte neu geordnet werden. Ein Teil der Lehrkräfte fühlte sich mehr für das hohe wissenschaftliche Niveau der Lehrveranstaltungen verantwortlich, als

für die Erziehung der Studierenden auf dem Gebiet des Marxismus-Leninismus. Ihre Auffassung war, daß diese Erziehung die Angelegenheit der FDJ, der Partei und des Instituts für Marxismus-Leninismus sei. Man machte daher die Lehrkräfte verantwortlich, daß ein Teil der Studierenden wenig Freude am Lernen und wenig Begeisterung für seine beruflichen Aufgaben zeigte, denn das Studium sollte als "gesellschaftliche Aufgabe" angesehen werden.

Um u.a. diesem "Mangel", wie es die Hochschulparteileitung bezeichnete, zu beseitigen, gab sie im Juni 1965 "Gesichtspunkte zur einheitlichen und methodischen Umgestaltung des Studiums an der TH Magdeburg" heraus.16

Für alle wissenschaftlichen Kräfte sollte die Teilnahme an einer bestimmten Form marxistisch-leninistischer Aus- und Weiterbildung zur Verpflichtung werden und dementsprechend durch die staatliche Leitung mit Unterstützung der Partei und der Massenorganisationen durchgesetzt werden.

Ein weiteres Problem, was aus den "Gesichtspunkten" der HPL hervor ging, waren die vielen vorzeitigen Exmatrikulationen. Bereits im Perspektivplan wurde diesem Problem eine große Beachtung geschenkt. Zur Senkung der vorzeitigen Exmatrikulationen gab der Perspektivplan mehrere Angaben vor, u.a. die Vervollkommnung und Intensivierung der Betreuertätigkeit, die Einführung von Prüfungsbefreiungen bei beständigen und exakt kontrollierbaren Leistungen, die Durchsetzung eines echten Leistungsprinzips in der Studienordnung, die pädagogische Betreuung der Studierenden in den Wohnheimen, die intensive Verbindung von Angehörigen des Lehrkörpers und der Studentenschaft zu den erweiterten Oberschulen des Bezirkes, um die Studienbewerbung zu intensivieren.

Als eine wesentliche Aufgabe wurde die Verbesserung der Betreuertätigkeit erkannt. Der Betreuung des ersten Studienjahres sollte besondere Beachtung geschenkt werden, um den Studierenden den Übergang von der Oberschule zur Hochschule zu erleichtern. Mit dieser Problematik setzte man sich intensiv auf der Hochschulgruppenleitungssitzung der FDJ am 26. Mai 1965 auseinander (Thema: Fragen der Betreuung des ersten Studienjahres und Verbindung zu den Fachrichtungsinstituten).

Auf der Grundlage der Empfehlung der Fakultät für Maschinenbau zur Tätigkeit der Betreuerassistenten vom 13. Juli 1965 erarbeiteten die Prorektorate für den wissenschaftlichen Nachwuchs und für Studienangelegenheiten im Jahre 1965 Hinweise und Richtlinien für die Betreuertätigkeit an der Technischen Hochschule "Otto von Guericke" Magdeburg, die am 01.12.1965 herausgegeben wurden. Diese fixierten die Rechte und Pflichten der Betreuerassistenten. Ein vom jeweiligen Fachinstitut benannter Assistent war für eine zur Fachrichtung gehörende Seminargruppe verantwortlich. Jeder Betreuerassistent übernahm grundsätzlich nur eine Seminargruppe. Der Fachrichtungsleiter unterstützte und kontrollierte die Arbeit der Betreuerassistenten und wertete die Ergebnisse regelmäßig in Fachrichtungssitzungen aus. Die Betreuerassistenten waren dem Fachrichtungsleiter rechenschaftspflichtig. Die Tätigkeit der Betreuerassistenten erstreckte sich im allgemeinen nur auf die ersten 6 Semester. Er sollte Erzieher, Lehrer, Freund und Helfer der Studierenden sein. Die Hauptaufgabe eines Betreuerassistenten war die Herstellung einer engen Verbindung zwischen der Fachrichtung und ihren Studierenden. Auf der Basis persönlicher Kontakte sollte vorwiegend außerhalb des planmäßigen Lehrbetriebes Einfluß auf den Bildungs- und Erziehungsprozeß einer Seminargruppe genommen werden. Der Betreuerassistent war schon mit Beginn der Bewerbung für die Studierenden zuständig. Sie wirkten auch bei Beurteilungen, bei Disziplinarverfahren, bei vorzeitigen Exmatrikulationen und bei der Vergabe von Leistungsstipendien mit.

Für den Assistenten bedeutete diese Tätigkeit eine zusätzliche Belastung, den dieses hatte er neben seiner eigentlichen wissenschaftlichen Arbeit zu erfüllen. Jeder Assistent mußte aber für seine Promotion den Nachweis einer Erziehertätigkeit erbringen und diese Betreuertätigkeit in den unteren Studienjahren konnte als solche anerkannt werden.

 Ein wichtiger Bestandteil der inhaltlichen und methodischen Umgestaltung des Studiums stellte die gesetzliche Einführung des Ingenieurpraktikums dar, welches 1965 erstmalig durchgeführt wurde. Als günstig erwies sich, daß das in der Regel 6-monatige Praktikum nicht an das Ende des Studienablaufes gelegt wurde, sondern in das 5. Studienjahr. Dadurch konnten nach dem Praktikum die erworbenen Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten in einem weiteren Studienabschnitt an der THM theoretisch vertieft werden. Durch diese Änderung der bisherigen Oberstufenausbildung machten sich Übergangslösungen erforderlich, die bereits den neuen Forderungen angepaßt waren. Neu war, daß das Thema des Großen Beleges in der Regel zwischen Praktikumsbetrieb und TH abgestimmt wurde, während des Ingenieurpraktikums in der Praxis studiert und in Zusammenhang mit der Hochschule beendet werden konnte. Es kam in dieser Ausbildungsphase besonders darauf an, technisch und ökonomisch sinnvolle und nach volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten gut durchdachte Aufgaben zu stellen, um die Belegarbeiten anschließend möglichst in die Praxis umzusetzen. Es wurde angestrebt, vorwiegend Komplexaufgaben zu vergeben, um damit die Kollektivarbeit zu fördern.

In Verbindung mit der Vorbereitung und Durchführung des Ingenieurpraktikums kamen zahlreiche Vereinbarungen und Verträge zwischen der Industrie und der THM zustande. Am 06. Januar 1965 wurde ein Vertrag zwischen der THM und der VVB Ausrüstungen für die Schwerindustrie und Getriebebau über die Durchführung des Ingenieurpraktikums - ein erstmalig in dieser Form existierender Vertrag - abgeschlossen.17

. Darin wurde u.a. festgestellt, daß durch die Erhöhung der Anzahl der Hochschulkader die geplante Steigerung der Arbeitsproduktivität mit erreicht werden kann und die THM und die VVB die gemeinsame Aufgabe haben, wissenschaftliche Fachkräfte heranzubilden.

Die 1965 veröffentlichten "Prinzipien zur weiteren Entwicklung von Lehre und Forschung an den Universitäten und Hochschulen der DDR" 18 und das im selben Jahr von der Volkskammer beschlossene Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungssystem" schufen die ersten Voraussetzungen für die Dritte Hochschulreform, deren Aufgabe darin bestand, "die wissenschaftliche Arbeit der Universitäten und Hochschulen planmäßig mit dem Reproduktionsprozeß der Betriebe in den Kombinaten der VVB zu verbinden und leistungsfähige, auf die strukturbestimmenden Aufgaben gerichtete Kooperationen bei voller Selbständigkeit der Partner zu schaffen".19

Das bedeutete, daß eine inhaltliche Neugestaltung der Ausbildung, die Einheit von forschungsbezogener Lehre und wissenschaftlich-produktivem Studium und die Konzentration des wissenschaftlichen Potentials auf Schwerpunktaufgaben erforderlich war.

Zur Durchführung dieser Aufgaben mußte die Leitungsstruktur der THM umgestaltet werden. Die neue Leitungsstruktur sah die Bildung von Sektionen, eines Gesellschaftlichen Rates und eines Wissenschaftsrates vor.

Eine bestimmte Anzahl von Lehrstühlen und Instituten sollte zu einer Sektion zusammengefaßt werden, wodurch die Bearbeitung ganzer Wissenschaftsgebiete ermöglicht wird. Die Sektionen bildeten dann die selbständigen Verwaltungseinheiten an der Hochschule. Sie waren dann die entscheidene Struktureinheit zur Organisation und Durchführung der Ausbildung, Erziehung, Weiterbildung und Forschung an der Hochschule. Durch die komplexe Zusammenfassung des wissenschaftlichen Potentials von Instituten, Abteilungen und Arbeitsgruppen eines oder verschiedener Wissenschaftsgebiete sollte die Effektivität in der Forschung, der Ausbildung und Erziehung erhöht werden.

Der Wissenschaftsrat sollte in Fakultäten 20 gegliedert werden, da die Fakultät kein Leitungsgremium war, sondern eine Einheit des Wissenschaftsrates, die nach Querschnittsgesichtspunkten gegliedert werden. Sie sollte sich dann nicht mehr mit Verwaltungsfragen beschäftigen, sondern sich schwerpunktmäßig auf Fragen wie Berufungen, Durchführung von Promotions- und Habilitationsverfahren, Koordinierung der Studienprogramme usw. orientieren können.

Nachdem bereits auf der Rektorenkonferenz am 01.11.965 in Jena die Frage der Bildung von Sektionen aufgeworfen worden war, wurde diese Problematik auch auf der Senatssitzung am 24.11.1965 diskutiert und vom Senat für richtig befunden.21

. Es sollten weitere Beratungen auf allen Ebenen der THM durchgeführt werden. Es mußte darauf geachtet werden, daß bei der Diskussion über die Bildung von Sektionen in erster Linie von der inhaltlichen Frage und der weiteren Umgestaltung des Studiums ausgegangen wird.

Eine besondere Aktivität bewies dabei die Fakultät für Maschinenbau, die bereits Anfang 1966 eine Konzeption zur Bildung einer Sektion "Maschinenbau und Stahlbau für Fördertechnik, Bau- und Aufbereitungsmaschinen" erarbeitete.22

Zu diesem Zeitpunkt waren Fragen der Zusammenarbeit von Fakultät und Sektion und andererseits der Sektion mit Instituten anderer Fakultäten noch nicht geklärt.

Eine starke Profilierung erhielt die THM im Rahmen der Staatsplanaufgabe, die die THM zum Schwerpunkt für die Ausbildung von Kadern für den Chemieanlagenbau bestimmte und sich besonders auf die Fakultät für Chemie und Energie bezog. Zu diesem Zweck wurde für die wesentlichsten Fachrichtungen in dieser Fakultät eine Grundkonzeption erarbeitet, die bereits im Perspektivplan berücksichtigt, dem Senat vorgetragen und in einer wissenschaftlichen Konferenz mit Vertretern der Industriedurchgearbeitet wurde.23

 Die Grundlage für die Entwicklung des Hochschulwesens in der DDR im Zeitraum um 1966 bildeten die Beschlüsse des VI. Parteitages der SED und das Gesetz über das einheitlich sozialistische Bildungssystem.

Auch die 1965 veröffentlichten "Prinzipien zur weiteren Entwicklung von Lehre und Forschung an den Universitäten und Hochschulen der DDR" waren für die im Jahre 1966 durchgeführten hochschulpolitischen Maßnahmen bestimmend. Die wichtigsten in den "Prinzipien" enthaltenen Gesichtspunkte waren u.a., die Neugliederung der studentischen Ausbildung in das Grund-, Fach-, Spezial- und Forschungsstudium, die Vorschläge für neue Leitungsstrukturen und die Erhöhung des Forschungspotentials der Hochschulen gegenüber dem Gesamtforschungspotentials der DDR bis 1970 auf 41%.

Eine wichtige, zu Beginn des Jahres 1966 durchgeführte Maßnahme, die eine weitere Verbesserung des Hoch- und Fachschulwesens zum Ziel hatte, war die am 25.01.1966 erfolgte Konstituierung des Hoch- und Fachschulrates der DDR. Seine Aufgabe bestand in der Beratung des SHF in allen grundsätzlichen Fragen. Dem Rat gehörten hervorragende Vertreter der Forschung und der Praxis an. Von der THM wurden in den Hoch- und Fachschulrat berufen: Prof.Dr.-Ing. Kurth, Rektor der THM und Doz.Dr.-Ing. Montag, Mitglied der Fakultät für Maschinenbau.

Charakteristisch für die Entwicklung des Hochschulwesens in der DDR war das sowohl ständige Streben nach Erhöhung der Qualität der Ausbildung als auch die Bemühung, den wachsenden Bedarf der Industrie an Hochschulkadern zu befriedigen. Hierzu war die Vergrößerung des Lehrkörpers an der Hochschule erforderlich. Das SHF gab am 25.10.1966 eine Anweisung zur Errichtung und Neubesetzung von Professuren an den Universitäten und Hochschulen, die dem SHF unterstellt sind, heraus. Darin hieß es: "Die Durchsetzung der "Prinzipien zur weiteren Entwicklung von Lehre und Forschung an den Hochschulen der DDR" stellen an die Leitungen der Universitäten und Hochschulen höhere Anforderungen hinsichtlich der wissenschaftlichen Führungstätigkeit. Besondere Bedeutung kommt der schrittweisen geplanten proportionalen Entwicklung der Fachgebiete zu.

Die Berufung von Hochschullehrern ist daher entsprechend den gesellschaftlichen Erfordernissen, in Übereinstimmung mit dem Perspektivplan der Hochschule und der im Volkswirtschaftsplan gegebenen Möglichkeiten vorzunehmen. [...] In Änderung der bisherigen Verfahrensweise bei Berufungen von Professoren sind auf der Grundlage der den Einrichtungen vorgegebenen Planzahlen Anträge zur Errichtung und Neubesetzung der Professuren zu stellen. Die Errichtung und Neubesetzung der Professuren erfolgt auf der Grundlage des Volkswirtschaftsplanes der Einrichtung." 24

An der THM wurden im Jahre 1966 sechs Professoren und drei Dozenten berufen. Die Zusammensetzung der an der THM tätigen Mitarbeiter im

Jahre 1966 sah so aus:

1. Professoren, Dozenten, Lektoren:78 Personen

2. Oberassistenten, Assistenten:195 Personen

3. Verwaltungs- und Hilfspersonal: 650 Personen

4. Forschungspersonal: 78 Personen.

Zur weiteren Durchführung des Gesetzes über das einheitliche sozialistische Bildungssystem wurde eine neue Prüfungsordnung für die Universitäten und Hochschulen erarbeitet, die am 01.04.1966in Kraft trat.25

Sie galt für alle Studienformen und löste die in den Jahren zuvor praktizierte "vorläufige Rahmenprüfungsordnung" ab. Der neuen Prüfungsordnung zufolge konnten die Prüfungen jetzt durch andere Formen der Leistungskontrolle ersetzt werden. Es wurden auch Komplexprüfungen möglich. Die Gesamtnoten als allgemeingültige Grundlage der Bewertung mußten keine reine mathematische Berechnung sein. Zugleich wurde eine Regelung zur Auszeichnung guter fachlicher und gesellschaftlicher Leistungen geschaffen. Die Fristen für Wiederholungsprüfungen wurden neu festgelegt und die Bildung von Prüfungsausschüssen neu geregelt.

Es wurde immer wieder betont, daß die Verantwortung des Hochschullehrers sehr hoch ist und immer wieder beachtet und darauf hingewiesen werden muß. Aus 3 (2) der Prüfungsordnung: "Der Lehrkörper hat durch die kontinuierliche Erhöhung des wissenschaftlichen Niveaus von Ausbildung und Erziehung, durch ständige Leistungskontrollen und durch die systematische Anleitung der Studierenden die Voraussetzungen dafür zu schaffen, daß die Prüfungen mit besten Ergebnissen abgelegt werden."

An diesem 3 wurde sichtbar, wie durch Eingriff der Partei versucht wurde, dem Lehrkörper die alleinige Schuld am Versagen bzw. Unvermögen der Studentenschaft zu geben. Denn man war wohl der Meinung, daß durch eine Nomenklatur der Erfolg erzwungen werden konnte. Es kann nicht angehen, daß der Lehrkörper an schlechten Studienleistungen gemessen wird.

Die Aufgaben, vor denen alle Hochschulen der DDR in dieser Zeit standen, waren auch Gegenstand der Bemühungen an der THM. Unmittelbare Grundlage für die Arbeit an der THM waren die "Prinzipien zur weiteren Entwicklung von Lehre und Forschung an den Universitäten und Hochschulen der DD". Im Zuge ihrer Verwirklichung wurden an der THM Maßnahmen durchgeführt, um die Entwicklung zu einer sozialistischen Hochschule vollziehen zu helfen.

Anläßlich des bevorstehenden VII. Parteitages der SED und der IV. Hochschulkonferenz wurde auch an der THM Bilanz gezogen und festgelegt, welche konkreten Maßnahmen erforderlich waren, um die von der Partei und Regierung in den offiziellen Dokumenten gesteckten Ziele zu erreichen.

Dem Senat der THM wurde deshalb am 14.12.1966 der erste Entwurf einer von vier Arbeitsgruppen erarbeiteten Konzeption vorgelegt, die der schrittweisen Verwirklichung der "Prinzipien" unter Berücksichtigung der Rationalisierungskonzeption des SHF der THM diente. Diese Konzeption wurde in vier Komplexe gegliedert, in Ausbildung und Erziehung, Forschung, Leitungstätigkeit und Rationalisierung der Hochschulverwaltung.

"Die Ausbildung und Erziehung sollte so erfolgen, daß die auszubildenden wissenschaftlich-technischen Kader, die Aufgaben der Rationalisierung in der Praxis meistern. Die erforderliche Entwicklung von Ausbildung und Erziehung mußte die ständige Arbeit zur Lösung bestimmter Aufgabenkomplexe beinhalten, u.a. die Profilierung und Bestimmung der Entwicklungstendenzen der Fach- und Studienrichtungen (ausgehend von der Prognose von Wissenschaft und Technik) an der THM sollte Voraussetzung zur Kaderentwicklung sein. Dazu wurden Untersuchungen zur Profilierung und Bestimmung der Entwicklungstendenzen für die Fakultäten zugeordneten bestehenden bzw. neu zu entwickelnden Fachrichtungen und Studienrichtungen gefordert, gleichzeitig auch Untersuchungen zur Entwicklung des postgradualen Studiums und der sonstigen Weiterbildung für die im Fakultätsbereich vertretenden Fachgebiete.

Ausgehend von der Profilbestimmung der THM insgesamt sollten in Übereinstimmung mit dem Perspektivplan die planmäßig zu erreichenden Profilierungen der Fakultäten und Institute festgelegt werden.

Die Forschung sollte die Belange der Rationalisierung sowie bei den laufenden als auch bei der Aufnahme neuer Forschungsthemen berücksichtigen. Dazu sollte, nach bestimmter Vorgabe, eine Analyse für 1967 in jeder Forschungs- und Entwicklungsstelle erstellt werden.

In der Leitungstätigkeit wurde eine Erhöhung der Verantwortung eines jeden staatlichen Leiters und eine objektive wissenschaftliche Leitungstätigkeit gefordert, d.h. eine Verbesserung der Leitungstätigkeit an der THM.

Dazu wurden folgende Maßnahmen festgelegt: Verwirklichung der erarbeiteten Leitungsprinzipien der Hochschulparteileitung, Auswertung der Hochschulkonferenz und der Ergebnisse des VII. Parteitages der SED in allen Bereichen der THM, Ausarbeitung eines neuen Hochschulstatuts, Aufbau eines Leitungssystems, Abschluß von Vereinbarungen mit den örtlichen Organen der Stadt Magdeburg.

Für die Rationalisierung der Hochschulverwaltung bedeutete dies, die für Lehre und Forschung notwendigen betriebswirtschaftlichen, betriebsorganisatorischen und verwaltungstechnischen Prozesse sollten mit maximalem Nutzeffekt gestaltet werden. Dafür erarbeitete die Hochschulverwaltung der THM ein Rationalisierungsprogamm, welches die Grundlage für die weitere Arbeit bildete. Des weiteren sollte ein Schulungssystem für die Qualifizierung der leitenden und mittleren Kader der Hochschulverwaltung erarbeitet werden. Um eine Verbesserung der Arbeitsweise der zentralen Leitungsorgane zu erreichen, sollten Maßnahmen erarbeitet werden, die den Einsatz von modernen technischen Hilfsmitteln ermöglichen." 26

Die zu diesen Komplexen festgelegten Maßnahmen kamen zwar im betrachteten Zeitraum 1966 noch nicht zum tragen, waren jedoch Ausdruck der in diesem Jahr unternommenen Anstrengungen zur ständigen Verbesserung und Weiterentwicklung der Effektivität von Lehre und Forschung, von denen die gesamte Entwicklung der THM geprägt war.

Im Zuge der Verwirklichung des Gesetzes über das einheitliche sozialistische Bildungssystem sowie auf der Grundlage der Vereinbarung zwischen dem Ministerium für Volksbildung und dem Staatssekretariat für das Hoch- und Fachschulwesen wurden ab Studienjahr 1965/1966 die Fachlehrer für Mathematik/Physik an der THM ausgebildet. Die THM übernahm im September 1965 vom Pädagogischen Institut Magdeburg 50 Studierende des 1., 2., und 3. Studienjahres sowie 1966 die Sonderklasse, die ihre Sonderreifeprüfung abgelegten und dann das Lehrerstudium beginnen konnten. Die Sonderklasse für mathematisch-naturwissenschaftlich besonders begabte Schüler des Bezirkes Magdeburg wurde 1965 an der THM eröffnet. Sie war die zweite Klasse dieser Art in der DDR.

Außer der Zusammenarbeit zwischen der THM und den VEB, die in Verbindung mit dem Ingenieurpraktikum zustande kam und z.T. zu langfristigen Verträgen führte, gestaltete sich das Verhältnis zwischen THM und der Industrie besonders auch auf dem Gebiet der Forschung im Jahre 1965 günstig. So wurden insgesamt 56 Vertragsforschungsthemen 27

und 92 Planforschungsthemen bearbeitet.28

Für das Planjahr 1965 wurde erstmals der Staatsplan der naturwissenschaftlichen Forschung in den Gremien des Forschungsrates der DDR erarbeitet. Mit dem Schreiben des vom 20.09.1965 29 SHF wurden für den Plan 1965 der THM nachträglich 21 Themen als Staatsplanaufgaben bestätigt.

 

Abbildung 6: Forschungsergebnisse 1965 und 1966

 

Ein wichtiger Bestandteil der Forschung war dasPatent- 30 und Neuererwesen.31

Hier konnte die THM besonders am Patentwesen im Jahre 1966 Erfolge aufweisen. Im Vergleich zum Jahre 1965, wo 6 Patente angemeldet wurden, stieg die Anzahl im Jahre 1966 um mehr als das 3fache. Eine Zusammenstellung der Aktivitäten im Patent- und Neuererwesen zeigt die Abbildung 7.

 Abbildung 7: Patent- und Neuererwesen an der THM 1965 / 1966

Außer der planmäßigen Forschungsarbeit wurde ein weiterer nicht unerheblicher Teil an wissenschaftlicher Arbeit in den Instituten in Form von Veröffentlichungen, Vorträgen, Habilitationen, Dissertationen, usw. geleistet.

Die Öffentlichkeitsarbeit stellte in jeder wissenschaftlichen Institution einen wichtigen Faktor dar. Sie diente dem wissenschaftlichen Erfahrungsaustausch im nationalen und internationalen Rahmen und lieferte einen Beitrag zur Überleitung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis.

Von den Mitarbeitern der THM wurden 1966 145 Aufsätze in 25 ausgewerteten, in der DDR erscheinenden technischen Zeitschriften veröffentlicht. Der größte Anteil daran entfiel auf die Wissenschaftliche Zeitschrift der THM mit 78 Artikeln. Die weiteren Veröffentlichungen erschienen in den einzelnen Zeitschriften der DDR. / Abbildung 8 /

 Abbildung 8: Veröffentlichungen der THM 1965 / 1966

 

Zur Intensivierung der Veröffentlichungstätigkeit wurde auf Vorschlag von Prof.Dr.-Ing.habil Rößner von der Fakultät für Maschinenbau erstmalig ein Wettbewerb über wissenschaftliche Veröffentlichungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs ausgeschrieben. Er erfaßte den Zeitraum vom 01.01.1965 bis 31.12.1965. Diese Ausschreibung sollte zur selbständigen Behandlung von wissenschaftlichen Problemvorstellungen und insbesondere zur Vorveröffentlichung von Teilergebnissen aus Dissertationen und Habilitationen anregen. Es wurden 11 wissenschaftliche Veröffentlichungen mit etwa 90 Druckseiten eingereicht.

 Beteiligt waren die Institute mit folgender Anzahl:

 Abbildung 9: Ergebnisse des Fachliteraturwettbewerbes 1965

 

Institute

Veröffent-lichungen

Anzahl der wiss. Assistenten

Baumaschinen

1

1

Fördertechnik

1

1

Fertigungstechnik

2

2

Maschinenelemente

1

1

Projektierung

6

3

Den 1. Preis erhielt Dipl.-Ing.oec. Schmigalla, Institut für Projektierung, Ökonomie und Arbeitsgestaltung des Maschinenbaubetriebes, für seine Arbeiten:
a) Vorausbestimmung der rationellsten räumlichen Struktur der spanenden Fertigung mit Hilfe
    von Kennziffern,

b) Methode zur Vorbestimmung der rationellsten räumlichen Struktur der
    spanenden Fertigung,

c) Lösung eines Zuordnungsproblems bei der Maschinenanordnung mit Hilfe des Floodschen
    Berechnungsverfahrens.

In Auswertung dieses Wettbewerbs wurde vom Rat der Fakultät auch für das Jahr 1966 ein ständiger Fachliteraturpreis für den wissenschaftlichen Nachwuchs in erweiterter Form ausgeschrieben.

Die von 9 Instituten der THM durchgeführten 25 Kolloquien zeugten von der Teilnahme der THM am wissenschaftlichen Leben in der DDR. Insgesamt informierten sich 1966 56 Wissenschaftler der Hochschule im sozialistischen Ausland auf 27 und im kapitalistischen Ausland auf 20 wissenschaftlichen Tagungen über neueste Erkenntnisse auf ihrem Fachgebiet. Aus dem sozialistischen Ausland kamen 132, aus dem kapitalistischen Ausland 122 und aus der DDR 2973 Referenten und Teilnehmer zu von der THM durchgeführten wissenschaftlichen Veranstaltungen.

Die Hochschulbibliothek führte 1966 1070 Titel mit insgesamt 1430 Exemplaren. 1965 waren es 973 Titel. Von den in der Bibliothek vorhandenen Zeitschriften wurden 395 durch den Tauschverkehr der Bibliothek erworben. 130 Zeitschriften erhielt die Bibliothek der THM aus dem sozialistischen Ausland.32

Hochschulreform 1968 an der THMD-Inhaltsverzeichnis

 

 Anmerkungen:

1 Baske, Siegfried: Dokumente Bildungspolitik der DDR 1963-1976; Dokument 1:"Das Programm des Sozialismus und die geschichtliche Aufgabe der SED", Referat Walter Ulbrichts auf dem VI. Parteitag der SED vom 15.-21.01.1963. (zurück)

2 Baske, Siegfried: Dokumente Bildungspolitik der DDR 1963-1976; Dokument 8:"Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungssystems vom 25.02.1965"; Seite 97 ff. (zurück)

3 Begriffserklärung Wissenschaftsrat: 1957 von Bund und Ländern gegründete Einrichtung der Wissenschaftsförderung in der BRD. (zurück)

4 Wissenschaftsrat: Empfehlungen zur Neuordnung des Studiums an den wissenschaftlichen Hochschulen. 1966. (zurück)

5 Deutsche Universitätszeitung, Jahrgang 1966, Heft 12. (zurück)

6 Schramm, Hilde: Hochschule im Umbruch. Berlin 1993. (zurück)

7 Sontheimer, Kurt: Studenten auf Kollisionskurs. In "Merkur", Heft 233. August 1997; Seite 701 f. (zurück)

8 Baske, Siegfried: Dokumente Bildungspolitik der DDR 1963-1976; Dokument 4:"Grundsätze des einheitlichen sozialistischen Bildungssystems (Entwurf) vom 16.04.1964"; Seite 61 ff. (zurück)

9 Aus Akten des Universitätsarchivs. (zurück)

10 Aus Akten des Universitätsarchivs. (zurück)

11 Hochschulzeitschrift der THMD "SH 12.06.1968". (zurück)

12 Senatssitzung am 05.05.1965 und Hochschulzeitschrift der THMD "SH 10.05.1965". (zurück)

13 Senatssitzung am 13.01.1965. (zurück)

14 Senatssitzung am 13.01.1965. ". (zurück)

15 Hochschulzeitschrift der THMD "SH 13.09.1965". (zurück)

16 Aus Akten des Universitätsarchivs. (zurück)

17 Hochschulzeitschrift der THMD "SH 18.01.1965". (zurück)

18 Prinzipien zur weiteren Entwicklung der Lehre und Forschung an den Hochschulen der DDR; Berlin, Dezember 1965. (zurück)

19 Kulturpolitisches Wörterbuch, Berlin 1970. (zurück)

20 Begriffserklärung Fakultät: an einer Hochschule der Zusammenschluß eines Wissenschaftsgebiets zu einer Körperschaft unter Leitung eines Dekans, heute z.T. in kleineren Fachbereichen gegliedert. (zurück)

21 Senatssitzung am 24.11.1965. (zurück)

22 Aus Akten des Universitätsarchivs. (zurück)

23 Senatssitzung am 19.05.1965 (zurück)

24 Senatssitzung am 14.12.1966 (zurück)

25 Büchner, Uhder: Die neue Prüfungsordnung für Universitäten und Hochschulen. Das Hochschulwesen 1966; S. 330-334. (zurück)

26 Senatssitzung am 14.12.1966 (zurück)

27 In den Unterlagen wurde unter Vertragsforschung, die Forschungsvereinbarungen mit den Betrieben auf vertraglicher Grundlage verstanden. (zurück)

28 In den Unterlagen wurde der Begriff Planforschung/Grundlagenforschung wie folgt ausgelegt: Es ist die Forschung, die sich mit den systematischen und methodischen Grundlagen einer Wissenschaft befaßt. Reine Grundlagenforschung - wissenschaftliche Arbeit, die sich ausschließlich auf die Vervollkommnung der Kenntnisse der Naturgesetze sowie auf die Untersuchung neuer Erscheinungen und die Erforschung ihrer Gesetzmäßigkeit richtet. Gezielte Grundlagenforschung - ist die wissenschaftliche Arbeit, die in einer festumrissenen Richtung zur Erweiterung von Grundkenntnissen und zur Beherrschung der Naturgesetze auf volkswirtschaftlich wichtigen Wissensgebieten betrieben wird. (zurück)

29 Aus Akten des Universitätsarchivs. (zurück)

30 Begriffsbestimmung Patent: das Recht, einen neu erfundenen Gegenstand oder ein neu erfundenes Verfahren und die durch dieses unmittelbar hergestellten Gegenstandes unter Ausschluß Unbefugter gewerblich zu nutzen; wird auf schriftliche Anmeldung vom Patentamt erteilt. (zurück)

31 Begriffsbestimmung Neuererwesen/Neuererbewegung: eng mit der Wettbewerbsbewegung verbundene Form der schöpferischen Masseninitiative der Werktätigen zur Steigerung der Arbeitsproduktivität durch Rationalisierung. Neuerervorschlag: schriftlich fixierte, begründete und entsprechende Lösungswege aufzeigende Darlegung von Maßnahmen, die ein vervollkommnetes zusammenwirken von Elementen des Arbeitsprozesses bewirken, den Nutzeffekt der Arbeit erhöhen oder sonstige Vorteile für die Arbeit erbringen und außerhalb der Arbeitspflichten erarbeitet wurde. Sie können gerichtet sein auf: Verbesserung der Arbeitsmittel, rationelle Nutzung der Arbeitsgegenstände, Einsparung von Kosten u.a. Neuerervorschläge konnten zum Patent an gemeldet werden. (zurück)

32 Hochschulzeitschrift der THMD "SH 18.10.1966". (zurück)

 


Copyright August 1995, Carmen Schäfer