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Theorieforum 2016 - Big Data: Implikationen für Bildung/Medienbildung und Gesellschaft

Call for Papers – Big Data: Implikationen für Bildung/Medienbildung und Gesellschaft

Das 9. Magdeburger Theorieforum (8. und 9. Juli 2016) widmet sich dem Zusammenhang zwischen Big Data und Bildung im gesellschaftli­chen Kontext.

Unter dem Titel „Big Data: Implikationen für Bildung/Medienbildung und Gesellschaft“ wird in Magdeburg den Fragen nachgegangen, inwiefern Big Data die Welt verändert und die Sicht auf Welt verändert, inwiefern Big Data das gesellschaftliche, juristische und politische Miteinander verändert, und inwiefern Big Data das Selbst sowie das Selbstverhältnis ver­ändert.

  • Unstrittig führt die Nutzung von Data zu gravierenden ökonomischen Veränderungen: Diskutiert werden neue Formen des Marketings, der Individualisierung von Angeboten und real-time Analysen aktueller Geschäftsvor­gänge und Nutzungsprozesse. Konsumenten sind zugleich Produzenten von Datenware.
  • Unstrittig sind auch politische Veränderungen: Diskutiert wird Herrschaft als der alleinige Besitz von Daten sowie der alleinige Besitz von Auswertungsroutinen und Algorithmen.
  • Unstrittig sind auch rechtliche Veränderungen: Lässt sich das grundgesetzlich verankerte Recht auf informa­tionelle Selbstbestimmung noch halten? Wie lässt sich eine Balance zwischen Datenschutz und Daten(vorrats)speicherung rechtlich herstellen? Wie lassen sich solche rechtliche Bestimmungen im Kontext von Big Data überhaupt noch exekutieren?
  • Unstrittig sind auch erkenntnistheoretische und epistemologische Veränderungen in der Sicht auf bzw. in der Welt zu sein. Besteht Welt nur noch aus Korrelationen in Big-Data-Datenbanken? Führt Big Data zu einem Ende der Theorie? In welchem Verhältnis stehen Korrelationen und Erklärungen?

Demgegenüber scheint die Frage nach mit Big Data einhergehenden Veränderungen in den Bereichen Sozialisation, Erziehung und Bildung noch nicht im erziehungswissenschaftlichen Diskurs angekommen zu sein.

Diese Einflüsse will das 9. Theorieforum vor dem Hintergrund sozialwissenschaftlicher Zeitdiagnosen (wie der einer zunehmend technisierten Informations- und Wissensgesellschaft) thematisieren, theoretisch hinterfragen und bildungstheoretisch reflektieren und damit an das 8. Theorieforum „Das umkämpfte Internet. Herrschafts- und Kontrollstruktu­ren“ anschließen.

Vor diesem Hintergrund sind Beiträge, die sich im Kontext der genannten begrifflichen Schwerpunkte verorten und sich z.B. den folgenden Themenfeldern zuwenden, willkommen:

  • Big Data oder die unmittelbare Erfahrung von Welt
  • Mein Profil, mein Selbst oder ich selbst
  • Selfies und Selbst (Me, Myself(ie) und I)
  • Selbst- und Fremdbestimmung im Kontext von Big Data
  • Fremd- und Selbststeuerung von Bildungsprozessen
  • Subjektivierung vor dem Hintergrund des Fremdbildes in Big Data
  • Digitale Spaltungen über Fremdzuschreibungen (Personenprofile)
  • Umschlag von der Quantität von Big Data in Qualität
  • Kontrollstrukturen in der Familie und zwischen Eltern und Kindern (Überwachung von Smartphone und sozia­len Netzwerken)
  • Digitale Selbstverteidigung und subversive Strategien

Interessent/innen sind herzlich eingeladen bis zum 30. April 2016 einen kurzen Abstract im Umfang von maximal 500 Wörtern an theorieforum@ovgu.de zu schicken.

Einreichungen von interdisziplinär ausgerichteten oder aus anderen Fachdisziplinen stammende Beiträge sind ausdrück­lich erwünscht. Das Theorieforum soll Raum zum intensiven und auch fachübergreifenden Austausch bieten, daher um­fassen die Slots für die Vorträge bis zu 90min (45min Vortrag und 45min Diskussion). 

 

25. Januar 2016
Johannes Fromme, Stefan Iske, Norbert Meder