So, 22/02/2009 - 18:30 – marotzki
Am 06. und 07.02.2009 hat das Zentrum für Sozialweltforschung und Methodenentwicklung (ZSM): Gesundheit- Profession- Medien (ehemals ZBBS) zum 12. Mal seinen Bundesweiten Workshop zur qualitativen Bildungs- und Sozialforschung an der Otto-von-Guericke-Universität (OvGU) ausgerichtet. Die Organisation des Workshops wurde durch Frau Kathrin Hirschmann und ihr Team realisiert und von der Hans-Böckler-Stiftung gefördert.
Die Begrüßung der über 350 TeilnehmerInnen erfolgte im Rahmen des Eröffnungsplenums durch Prof. Marotzki. Daran anschließend hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich in 15 verschiedenen Arbeitsgruppen gemeinsam mit namhaften, bundesweit anerkannten und erfahrenen WissenschaftlerInnen am Material von 60 individuellen Forschungsprojekten zu arbeiten, voneinander zu lernen und sich auszutauschen.
Im Laufe der letzten zwölf Jahre hat sich der Magdeburger Methodenworkshop zu einer bun-desweit bekannten und international frequentierten Forschungswerkstatt entwickelt. Wie be-reits schon im letzten Jahr, nahmen NachwuchswissenschaftlerInnen aus, Österreich, der Schweiz, der Ukraine und Polen am Workshop teil.
Neben Studierenden und Promovierenden zog es auch in diesem Jahr wieder ProfessorInnen und Hochschullehrende aus dem gesamten Bundesgebiet nach Magdeburg, um als Teilnehmende an einer der größten Forschungswerkstatt dieser Art in Deutschland teilzu-nehmen.
Insbesondere NachwuchswissenschaftlerInnen, die sich auf ihre Qualifikationsarbeit vorbe-reiten, brachten ihre Forschungsprojekte als aktive TeilnehmerInnen in die Arbeitsgruppen des Workshops ein und stellten diese zur Diskussion. Experten sprechen hier von einer lebendigen Forschungsgemeinschaft, die aus der Erfahrung der Professoren profitierend, den naiven Blick der Novizen respektierend in einem diskursiven Prozess methodisch kontrolliert an Datenmaterial arbeitet. Gemeinsam und kritisch wird sich einem Ergebnis genähert, welches den Forschungsprozess fördert und die NachwuchswissenschaftlerInnen zur Reflektion ermuntert.
Neben dem gemeinsamen und intensiven Austausch in den Arbeitsgruppen sowie der Er-probung qualitativer Forschungsmethoden bietet der Workshop zudem die Möglichkeit, sich innerhalb der „community“ zu vernetzen und neue Kontakte herzustellen.
Bereits vor der offiziellen Begrüßung hatten die Teilnehmenden in diesem Jahr die Möglichkeit, sich im Rahmen einer Informationsveranstaltung über technische Entwicklungen zu in-formieren. Herr Dr. Dresing informierte in einem Kurzvortrag über digitale Aufnahmen, Transkription und computergestützte Auswertung und gab Hinweise zu kostenfreien Trans-kriptionslösungen. Abschließend beantwortete Herr Dr. Dresing Fragen zur Lösung techni-scher Probleme und gab Hinweise für die Forschungspraxis. Dieses Angebot nutzten über 100 Teilnehmende, was als Hinweis auf den Bedarf an praxisrelevanten Informationen zur Datenerhebung betrachtet werden kann.
Besonderes Highlight war in diesem Jahr die Würdigung von Prof. Dr. Fritz Schütze, welche im Rahmen der alljährlichen Abendveranstaltung stattfand. Fritz Schütze ist Professor für Allgemeine Soziologie/Mikrosoziologie an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, geschäftsführender Direktor des Instituts für Soziologie, namhafter Wissenschaftler der quali-tativen Forschung sowie Autor zahlreicher Studien. Zu Ehren seines 65. Geburtstages wurde er feierlich am 06. Februar im Festsaal des Business, Kultur & Service GmbH Tagungs- Center Magdeburg für seine Leistungen in Lehre und Forschung sowie als Pionier der qualitativen Sozialforschung gewürdigt. Zu seinen Forschungs- und Arbeitsschwerpunkten zählen die Biographieanalyse, die Interaktionsanalyse, die Analyse sozialer Welten, die Analyse professionellen Handelns und die Analyse europäischer Identitätsarbeit. Der Rektor der OvGU Prof. Dr. Pollmann, der Dekan der FGSE Prof. Dr. Marotzki und die Sprecherin des ZSM Frau Prof. Dr. Dippelhofer- Stiem vom ZSM sprachen Prof. Dr. Schütze ihre Anerkennung aus und bedankten sich für die Jahrzehnte lange Zusammenarbeit. Die Laudatoren Prof. Dr. Riemann und Prof. Dr. Kallmeyer ehrten ihren langen Wegbegleiter, Kollegen und langjährigen Freund mit Festvorträgen, die sowohl persönliche Bezüge als auch kritisch analytische Anmerkungen zur qualitativen Forschung enthielten und mit humorvollen Randbemerkungen – trotz fortgeschrittener Zeit – das Auditorium von ca. 400 Gästen und Workshopteilnehmenden begeistern konnten. Die Festvorträge und Dankesworte wurden von Frau Bondaretz, einer international bekannten Konzertpianistin, musikalisch gerahmt.
Positive Rückmeldungen bezüglich der Organisation des Workshops und der inhaltlichen Ausrichtung der Beiträge bestärken die Organisatoren in der Planung des 13. Magdeburger Methodenworkshops, der am 5. und 6. Februar 2010 in ähnlichem Format stattfinden wird.
Neben der Ausrichtung des Workshops ist das ZSM Herausgeber der Zeitschrift für qualitative Forschung (ZQF), bietet den viersemestrigen Promotionsstudiengang „Qualitative Bildungs- und Sozialforschung“ an, gibt eine Buchreihe unter dem Thema: „Studien zur qualitativen Bildungs-, Beratungs- und Sozialforschung“ heraus und betreut die Mailingliste Biographiefor-schung.
Weitere Informationen zum Zentrum für Sozialweltforschung und Methodenentwicklung (ZSM): Gesundheit- Profession- Medien sowie zur NachwuchsforscherInnentagung mit dem Thema: Dimensionen von Bildungs- und Sozialweltforschung sowie Methodenentwicklung, die vom 26.-27.6.09 in Magdeburg stattfinden wird, finden Sie auf unserer Homepage: www.zbbs.de.
Maria Kondratjuk und Kathrin Hirschmann