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O2-Festelektrolyt-Sensoren

K. Tittmann


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Anwendung
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Allgemeines

Festelektrolyt-Sauerstoffsensoren werden für Messungen im Rauchgas von Feuerungen mit Erdgas, Öl, Kohlenstaub usw., in Öfen, z.B. der Chemie, Metallurgie, Keramik-, Glas- und Baustoffindustrie sowie in Auspuffanlagen, eingesetzt. Diese Vielseitigkeit der Festelektrolytsensoren bestimmt ihre Bedeutung für industrielle Messungen. Die Anwendungsvielfalt ist Resultat jahrzehntelanger Forschungsarbeit.
In situ-Messungen in Flammen mit Festelektrolytsensoren wurden erstmals von Rau und Mitarbeitern durchgeführt.

Die Sensoren zeichnen sich außerdem durch einfache Handhabung und vergleichsweise geringe Kosten aus. Im folgenden sollen die Grundlagen kurz zusammengefaßt und spezielle Anwendungsbeispiele für Sauerstoffestelektrolyte erläutert werden. Dabei wird vor allem auf den Einsatz bei der in situ-Untersuchung von Verbrennungsprozessen eingegangen.


Grundlagen

Die Voraussetzung für die Verwendung von Oxiden zur Bestimmung von Sauerstoffkonzentrationen ist eine nahezu reine Sauerstoffionenleitung bei geringer Elektronenleitung. Ein Beispiel für einen solchen Festelektrolyten ist die "Nernst-Masse" (85 Gew.-% ZrO2 + 15 Gew.-% Y2O3). Erste Untersuchungen dieses Mischoxides von Baur und Preis zeigten schon 1937 den ionischen Charakter seiner Leitfähigkeit. Es wurde damals jedoch noch nicht erkannt, daß es sich dabei um reine Sauerstoffionenleitung handelt.
Eine derartige Ionenleitfähigkeit ist in Festkörpern nur durch Ionenwanderung über Fehlstellen möglich. Die elektrische Leitfähigkeit wird dabei durch die Konzentration der entsprechenden Gitterstörstellen und deren Beweglichkeit bestimmt. Nach Möbius kommt dabei der Ionenfehlordnung und ihrer Temperaturunabhängigkeit eine große Bedeutung zu. Diese Fehlordnung ist analog der bei der Dotierung von Halbleitern entstehenden. Man spricht hier jedoch auch von einer keramischen Stabilisierung. In ein vierwertiges Basisoxid (z.B. ZrO2) wird ein niederwertigeres Metalloxid (z.B. Y2O3, CaO) eingebaut, wobei sich die Kationen verschiedener Wertigkeit statistisch über die möglichen Plätze verteilen. Im Anionengitter sind - abhängig von Konzentration und Wertigkeit der Fremdkationen - Fehlstellen vorhanden, die ebenfalls statistisch über die Anionenplätze verteilt sind. Kristallografisch wurden solche Mischoxide z.B. von Hund untersucht.
Die Fehlstellen sind zwar eine notwendige Bedingung, jedoch allein nicht ausreichend für die Ionenleitfähigkeit. Zusätzlich muß die erforderliche Beweglichkeit gewährleistet sein. Diese Beweglichkeit ist bei den Mischoxiden in ihrem Fluoritgitter begründet. Nach Möbius bedingt die räumliche Struktur dieser Gitter bei bestimmten Verhältnissen der Radien der Kationen zu denen der Anionen eine rein räumlich bessere Beweglichkeit der größeren Anionen gegenüber den kleineren Kationen.
Demzufolge sind in einem Mischoxid wie der "Nernst-Masse" beide Bedingungen für die Leitung durch Sauerstoffionen entsprechend eines Festelektrolyten erfüllt. Durch die reine Sauerstoffionenleitung sind die beiden wesentlichen Voraussetzungen (Sensitivität und Selektivität) zum Einsatz als in situ-Sensor gegeben. Wie ein solcher Elektrolyt zur Messung von Sauerstoffkonzentrationen eingesetzt werden kann und welche Gesetzmäßigkeiten bei einer solchen Messung gelten, wird im nachfolgenden Abschnitt beschrieben.


Meßprinzip und Zellspannungsgleichung

Meßprinzip Betrachtet man einen sauerstoffleitenden Festelektrolyten und bringt an den gegenüberliegenden Seiten der Keramik poröse Edelmetallschichten (siehe Abb.) auf, dann entsteht eine galvanische Sauerstoffkonzentrationskette.
Die Elektroden dieser galvanischen Sauerstoffkonzentrationskette werden durch die Dreiphasenbereiche Gas/Edelmetall/Festelektrolyt gebildet. Als Edelmetall findet vorzugsweise Platin Verwendung, da es eine hohe chemische und thermische Beständigkeit aufweist. Dabei müssen jedoch katalytische Effekte beachtet werden.
Die Sauerstoffkonzentrationskette kann dann bei einer mit 15 mol% CaO stabilisierten ZrO2-Keramik mit dem Zellsymbol pO2(1),Pt/Zr0.85Ca0.15O1.85/Pt,pO2 (2) beschrieben werden.


Bei Einstellung eines Redoxgleichgewichtes

Gleichung 1
an einer Elektrode bildet sich ein elektrochemisches Potential aus, dessen Abhängigkeit von Konzentration (Aktivität) und Temperatur durch die Nernstsche Gleichung:
Gleichung 2
r, o, z ...Stöchiometriefaktoren
a ...Aktivitäten
E0 ...Standardpotential
R ...universelle Gaskonstante
F ...Faraday-Konstante
T ...Temperatur

beschrieben werden kann.

Die sich abspielenden und maßgebenden Elektrodenreaktionen der galvanischen Sauerstoffkonzentrationszellen werden von Möbius ausführlich beschrieben.
Bezogen auf das selektive Redoxgleichgewicht

Gleichung 3
an den Elektroden einer galvanischen Zirkonoxidzelle ergeben sich nachfolgende Gleichungen
Gleichung 4
für die Elektrodenpotentiale. Bei unterschiedlicher Aktivität an den gegenüberliegenden Seiten der Keramik führen diese Potentiale zur Ausbildung einer Zellspannung, die zwischen den beiden Elektroden stromlos gemessen werden kann
Gleichung 5
Da sich unter Gleichgewichtsbedingungen nur soviele Atome (und dann Moleküle) aus Oxidionen unter Elektronenabgabe bilden können, wie sich Oxidionen auf der gegenüberliegenden Keramikseite bilden und durch den Festelektrolyten transportiert werden, gilt die Beziehung:
Gleichung 6
Dies ist allerdings nur oberhalb einer bestimmten Arbeitstemperatur gewährleistet, da die Leitfähigkeit durch die temperaturabhängige Beweglichkeit der Störstellen im Elektrolyten bestimmt wird. Geht man davon aus, daß die Aktivitäten (Fugazitäten) proportional zu den Konzentrationen und damit zu den O2-Partialdrücken sind (Bei hohen Temperaturen verhalten sich die Gase wie ideale Gase.), dann ergibt sich daraus:
Gleichung 7
Ist einer der beiden Sauerstoffpartialdrücke bekannt, z.B. durch Bespülung einer Seite des Festelektrolyten mit einem Vergleichsgas (i.allg. Luft), dann ist der Sauerstoffpartialdruck auf der gegenüberliegenden Seite bei bekannter Temperatur des Sensors leicht aus der Zellspannung bestimmbar.

Das hier beschriebene Verfahren zur Bestimmung von Sauerstoffkonzentrationen wird auch als "potentiometrisch" und der hierbei verwendete Sensor als "Spannungssensor" bezeichnet. Im Gegensatz dazu steht das "amperometrische" Verfahren, bei dem ein "Stromsensor" zum Einsatz kommt. Der Unterschied beider Verfahren besteht in der Meßanordnung, der Temperaturabhängigkeit und vor allem in den Meßbereichen. Beim potentiometrischen Verfahren wird ein Vergleichsgas benötigt, und die Temperatur des Elektrolyten muß bestimmt werden. Das Meßsignal ist die sich ausbildende Zellspannung.

Das amperometrische Verfahren nutzt die Umkehrbarkeit des elektrochemischen Prozesses. Durch Anlegen einer Spannung an den Elektroden des Festelektrolyten wird ein Sauerstoffionentransport durch den Elektrolyten initiiert, wodurch der Sensor zur Sauerstoffpumpe wird. Die Anströmung des Festelektrolyten wird dabei durch eine Diffusionsbarriere begrenzt. Wählt man die angelegte Spannung so, daß alle zur Verfügung stehenden Ionen transportiert werden können, dann ist der Ionenstrom der umgebenden Sauerstoffkonzentration proportional. Eine Kalibrierung des Sensors ist für die individuellen Strömungsbedingungen notwendig, auf ein Vergleichsgas kann jedoch verzichtet werden. Die Temperatur des Elektrolyten muß nicht bekannt sein aber oberhalb einer kritischen Temperatur (Arbeitstemperatur) liegen.


Anwendung


Verschiedene Sonden zur in situ-Untersuchung von Verbrennungsvorgängen

Wirbelschichtsonde

Wirbelschichtsonde

  • Sonde zur Messung in einer zirkulierenden Wirbelschichtanlage
    (Entwicklung für das Institut für Apparate- und Umwelttechnik)
  • Länge: 600 mm
  • Außendurchmesser am Sensor: 9 mm
  • Max. Außendurchmesser: 22 mm
  • Schutzlippe
  • Edelstahlschutzrohr
  • Nackte Außenelektrode für dynamische Messungen
  • Vergleichsgasspülung


Sondenprofile

Sondenprofile

  • Profilstudien für Sonden zur Messung in Wirbelschichtanlagen
    zur Minimierung der Ablagerungen
  • Länge: 600 mm
  • Außendurchmesser am Sensor: 10 mm
  • Max. Außendurchmesser: 25 mm
  • Edelstahlschutzrohr
  • Geschützte Außenelektroden
  • Vergleichsgasspülung
  • Hohe Standzeiten


Gekühlte Wirbelschicht- und Flammensonde

Gekühlte Wirbelschicht- und Flammensonde

  • Sonde zur Messung in einer hochkalorischen Feuerungsanlage
    (Entwicklung für das Institut für Apparate- und Umwelttechnik)
  • Länge: 1300 mm
  • Außendurchmesser am Sensor: 10 mm
  • Max. Außendurchmesser: 35 mm
  • Doppelmantel-Edelstahlschutzrohr mit Wasserkühlung
  • Vergleichsgasspülung


Rauchgassonde

Rauchgassonde

  • Sonde zur Messung im Abgaskanal eines Brandraumes
    (Entwicklung für das Institut der Feuerwehr Sachsen-Anhalt)
  • Länge: 1100 mm
  • Außendurchmesser am Sensor: 8 mm
  • Max. Außendurchmesser: 20 mm
  • Interne Heizung bis 700°C
  • Edelstahlschutzrohr
  • Geschützte Außenelektrode
  • Vergleichsgasspülung


Laborwirbelschicht- und Flammensonde

Laborwirbelschicht- und Flammensonde

  • Sonde zur Messung in turbulenten Flammen bzw.
    zur Messung in Laborwirbelschicht
  • Länge: 500 mm
  • Außendurchmesser am Sensor: 6 mm
  • Außendurchmesser: 16 mm
  • Keramik- bzw. Edelstahlschutzrohr
  • Nackte Außenelektrode für dynamische Messungen
  • Vergleichsgasspülung


Fallturmsonde

Fallturmsonde

  • Sonde zur Vermessung von laminaren Flammen im Fallturmbetrieb
    (Entwicklung für DARA-Forschungsprojekt)
  • Länge: 200 mm
  • Außendurchmesser am Sensor: 6 mm
  • Max. Außendurchmesser: 12 mm
  • Keramikschutzrohr
  • Interne Heizung bis 500°C
  • 3 nackte Außenelektrode für dynamische Messungen
  • Vergleichsgasspülung


Turbulenzsonde

Turbulenzsonde

  • Sonde zur Vermessung von turbulenten Flammenstrukturen
  • Länge: 500 mm
  • Max. Außendurchmesser: 10 mm
  • Quarzglasschutzrohr
  • Punktförmige, nackte Außenelektrode für dynamische Messungen
  • Vergleichsgasspülung


Gradientensonde

Gradientensonde

  • Sonde zur Vermessung von turbulenten Flammenstrukturen
  • Länge: 500 mm
  • Größe des Sensor (quaderförmig): 2 mm x 2mm x 1 mm
  • Max. Außendurchmesser: 10 mm
  • Keramikschutzrohr
  • 2 nackte Außenelektroden für dynamische Messungen
  • Keine Vergleichsgasspülung !!!
  • Messung von Konzentrationsgradienten


Bei inhaltlichen Fragen schreiben Sie bitte an
lars.sitzki@vst.uni-magdeburg.de

Abteilung Technische Chemie


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last mod 29 Mar 1999