Jugendsprache – Sprachverfall oder Sprachwandel?

 

 

 

 

1      Was ist Jugendsprache?. 2

2      Merkmale der Jugendsprache. 3

3      Warum gibt es überhaupt Jugendsprache?. 6

4      Jugendsprache – Sprachverfall oder Sprachwandel?. 8

5      Literaturhinweise. 9

6      Jugendsprache im Unterricht 11

6.1       Relevanz der Jugendsprache in den Rahmenrichtlinien. 11

6.2       Unterrichtsentwürfe. 12

6.2.1        Entwurf 1. 12

6.2.2        Entwurf 2. 16

6.3       Unterrichtsmaterialien. 21

6.3.1        kleine Wortkunde zur Jugendsprache. 21

6.3.2        Disko-Deutsch. 22

6.3.3        Szenenausschnitt aus dem Film „Die Halbstarken“ (1956) 23

6.3.4        Denglisch in Germany oder: Lessing bleibt deutsch. 24

6.3.5        „Kanakisch“. 25

6.3.5.1     kleine Wortkunde. 25

6.3.5.2     Schneewittchen. 26

6.3.5.3     Hänsel und Gretel 27

7      Impressum.. 28

 

 

 

 

1         Was ist Jugendsprache?

Die Jugendsprache ist der Jargon der Jugend, der sich überall auf der Welt beobachten lässt. Als wesentliche Motive erscheinen Abgrenzung und Selbstdefinition bzw. Identitätsfindung. Jugendsprache wird meistens nur unter Gleichaltrigen verwendet, in den so genannten Peer Groups, da sich dort neues Vokabular besonders schnell verbreitet.

(Vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/jugendsprache. (02.04.2007))

 

 

Eine traditionelle Definition entwarf Helmut Henne, welche wie folgt lautet: „Jugendsprache bezeichnet spezifische Sprech- und Schreibweisen, mit denen Jugendliche u. a. ihre Sprachprofilierung und damit ein Stück Identitätsfindung betreiben.“

(Henne, Helmut: Jugendsprache und Jugendgespräche, in: Dialogforschung, hrsg. v. Peter Schröder u. Hugo Steger, (= Jahrbuch des Instituts für Deutsche Sprache; 1980/ Sprache der Gegenwart, Bd. 54), Düsseldorf 1981, S. 373.)

 

Heute wird Jugendsprache von Sprachwissenschaftlern als komplexes sprachliches Register angesehen. (Vgl.: Schlobinski, Peter; Kohl, Gabi; Ludewigt, Irmgard: Jugendsprache. Fiktion und Wirklichkeit, Opladen 1993, S. 12.)

In diesem Zusammenhang stellte in jüngerer Zeit Hermann Ehmann folgende Thesen auf:

1) Es gibt nicht die eine Jugendsprache, weil es die Jugendsprache, weil es die Jugend als homogene Gruppe nicht gibt. Vielmehr existieren mehrere Jugendsprachenvarietäten nebeneinander, die sich wiederum gegenseitig inspirieren (Szene – Sprache, Musikerjargon, Schüler- bzw. Studentensprache …); sie sind auch stets ein seismographischer Reflex des jeweiligen gesellschaftlichen Umfeldes.

2) Es gibt nicht die Jugendsprache an sich, wohl aber jugendspezifische Besonderheiten, die sich in sprachlicher, grammatischer, lautlicher und wortbildungsspezifischer Hinsicht deutlich von der Standardsprache abheben.

3) Es gibt nicht die Jugendsprache als mehr oder weniger komplettes Sprachsystem, sondern lediglich das schnelllebige, sich nicht zu einer festen Struktur verdichtende Sprechen von Jugendlichen.

(Ehmann, Hermann: Oberaffengeil. Neues Lexikon der Jugendsprache, (= Beck`sche Reihe, Bd. 1170), München 1996, S. 23.)

 

 

 

 

2         Merkmale der Jugendsprache

Die wichtigsten Merkmale der gegenwärtigen Jugendsprache auf einen Blick:

Bedeutungsverschiebungen bzw. veränderungen (= semantische Variation)

Beispiele:         - fundamental = allgemeiner Superlativ für Dinge, Überzeugungen und

Einstellungen im Sinne von „super, klasse, prima“

- Bonsai = kleingewachsener Junge

- Melone = Kopf

- Eisbeutel = abwertend für gefühlskalter Mensch

 

Bedeutungserweiterungen (= semantische Addition)

Beispiele:         - fett =super, sehr, gut/ schön, voll in Ordnung

                        - hämmern =hart arbeiten

                        - Message = konkrete Aussage, spezielles Anliegen

 

Bedeutungsverengungen

Beispiele:         - Looser = Verlierer, Versager, erfolglose Person

- Lotter = Spaßvogel, Witzbold

- tricky = durchtrieben, trickreiche Person

 

Bedeutungsumkehrungen (= semantische Paradoxa)

Beispiele:         - Massage =heftige Abreibung, Schlägerei

                        - Korkenknaller = müder Witz, schlappe Unterhaltung

                        - Trällerfisch = abwertend für Person die viel redet; bewundernd für weibliche

Person, die gut singt

 

Wortveränderungen (lexikalische Mutation)

Beispiel:           - bläken = schreien, jähzornig brüllen

                        - Gripsräver = schneller Denker; Person, die geistig außerordentlich flexibel ist

                        - muddeln = langsam, ohne bestimmtes Ziel bzw. vorhersehbares Resultat vor

sich hinarbeiten

- Randalo = Schlägertyp; Person, die auf Randale aus ist

 

Wortneuschöpfungen (= Neologismen)

Beispiele:         - alken, picheln, Kolben zwitschern = sich hemmungslos betrinken

                        - Fossilscheibe = Oldie, alte Schallplatte

                        - Heizkeks = Person, die auf Partys die Stimmung anheizt

                        - Sumpfziege = hässliche Person weiblichen Geschlechts

 

Vereinfachungen (= Ökonomisierung)

Beispiele:         - aso = ach so

                        - schlafn = schlafen

- Poli = abwertend für Polizei

                        - Proggi =Programm (= Anleihe aus dem Internet)

 

Superlativierungen (= Steigerung von Begriffen, indem man „super“, „mega“, „hammer“, „extra“, „urest“ davor setzt)

Beispiele:         - superlustig

                        - Superbirne = Person mit hoher/ wenig Denkintelligenz

                        - Das war ein mega spitzen klasse Konzert.

 

Klangliche Eindeutschungen (= phonologische Germanisierung)

Beispiele:         - abcoolen = das Gemüt beruhigen

                        - händeln = etwas gut handhaben, ,rasch erledigen, sicher beherrschen

                        - Workmän = hart arbeitende männliche Person

 

Verbalisierungen von Substantiven

Beispiele:         - müllen = quatschen, dummes Zeug daherreden

                        - zoffen = streiten, sich ausgiebig zanken

 

Kreative Wortspiele

Beispiele:         - labundig =lebendig, quirlig, lebenslustig

                        - hoppeldihopp = flink, schnell, geschwind, flott

                        - doppeldidoch = Verstärkung von „doch“, „ja“

 

Fremdsprachliche Anleihen (= Internationalismen)

Beispiele:         - Supporter = Eltern

                        - Mattsche = „Blackout“, kurzzeitige Schwächephase, plötzlicher Aussetzer

                        - beachen = am Strand liegen, baden gehen

 

(Vgl.: Ehmann, Herrmann: voll konkret. Das neueste Lexikon der Jugendsprache, (= Beck`sche Reihe, Bd. 1406), München 2001, S. 8 – 9.)

 

 

 

 

3         Warum gibt es überhaupt Jugendsprache?

Bleibt noch zu klären – warum gibt es überhaupt eine Jugendsprache?  Eine Zusammenstellung der vielen Gründe Jugendlicher sich sprachlich abzugrenzen, listet Hermann Ehmann auf:

 

1) Der Protestaspekt

Fast immer steht Protest im Vordergrund, wenn jugendliche sich in ihrer Sprechweise von der Alltagssprache der Erwachsenen bewusst abgrenzen. Sie verstehen „ihre“ Sprache in erster Linie als Instrument gegen die – aus ihrer Sicht – zur Sprache gebrachte Sprachlosigkeit der Erwachsenenwelt und als Gegenpol zu bestehenden sprachlichen und gesellschaftlichen Normen bzw. Konventionen, die antiquierte Relikte aus vorangegangenen Zeiten darstellen. Schlagendes Beispiel hierfür ist Dinos als Synonym für „Eltern“.

 

2) Der Abgrenzungsaspekt

Viele Erwachsene versuchen, sich sprachlich anzubiedern, um so vermeintlich Zugang zur Welt der jugendlichen zu bekommen und leichter von diesen akzeptiert zu werden. Dieser Versuch misslingt fast immer, da der Erwachsene nicht mehr authentisch wirkt und sich wie ein Elefant im verbalen Porzellanladen benimmt. Solche Anbiederei wird von seiten der Jugendlichen eher als Eindringen in eine Intimsphäre angesehen, in der man altersmäßig unter sich bleiben möchte. Jugendsprache ist somit immer auch ein Stück bewusster Abgrenzung.

 

3) Der Aspekt der Credibility

„Echt“ bzw. authentisch sein, Originalität ausdrücken, Glaubwürdigkeit rüberbringen – so lassen sich die Ideale der meisten heutigen Jugendlichen umrisshaft definieren: Diese Art von Credibility zeigt sich auch deutlich im sprachlichen Verhalten. Anders gesagt: Im Trend liegt, was nicht unbedingt im Trend liegt, aber nicht etwa nur deshalb, weil es nicht im Trend liegt, sondern vor allem deshalb, weil das, was im Trend liegt, logischerweise nicht allzu originell sein kann! – Nicht verstanden? Kein Problem; merken sie sich einfach dies: Entscheidend für die heutigen Jugendlichen ist, dass die Sprache authentisch klingen und zur jeweiligen Person bzw. zu deren Einstellung passen soll. Was auch immer das dann im Detail heißen mag.

 

4) Der Spiel- und Innovationsaspekt

Der Wunsch, etwas Neues, Eigenes, ganz Persönliches und Authentisches zu schaffen, ist bekanntlich tief in der menschlichen Natur verwurzelt. Ganz besonders gilt dies für die Sprache, mit der ein junger Mensch vorzugsweise „spielt“: aus Lust am Absurden, am Witz durch Umgreifen eingeführter Begriffe (z. B. Breitbandnudel, Denkzwerg, Bodenturner, Dusseltier, Fahrlappen, Frischling).

 

5) Der affektiv – emotionale Aspekt

Aufgestaute Aggressionen werden am sinnvollsten durch konkrete Handlungen oder verbal abgebaut. Hunde, die bellen, beißen nicht. Also: Die Jugendsprache kann als ein Stück „kanalisierter Emotionsabfuhr“ mit therapeutischem Effekt gedeutet werden:  Wer sich sprachlich abreagiert, begeht keinen Vatermord und braucht keine Therapeuten. Da sich Jugendliche während der Pubertät mit ziemlich vielen Konflikten auseinandersetzen müssen, die sie allesamt nicht lösen können, drängen ihre aufgestauten Affekte und Emotionen in die Sprache.

 

6) Der kommunikativ – ökonomische Aspekt

Wie schon erwähnt, zeichnet sich die Jugendsprache gegenüber der Hoch- bzw. Standardsprache durch eindeutige kommunikative Vorteile aus. Sie ist konkreter und farbiger als die überwiegend an Abstraktion und Deskription orientierte Standardsprache.

- Sie ist ökonomischer und bequemer als die vielfach langatmige, verschnörkelte Standardsprache.

- Sie drückt subjektive Gefühle und Stimmungen besser aus als die um Objektivität und Sachlichkeit bemühte Standardsprache.

- Sie entkrampft die jeweilige Gesprächsatmosphäre und ist durch ihre weitgehende Regellosigkeit wesentlich flexibler als die steifere Standardsprache.

(Vgl.: Ehmann, Hermann: Oberaffengeil. Neues Lexikon der Jugendsprache, (= Beck`sche Reihe, Bd. 1170), München 1996, S. 20 - 22.)

 

 

 

 

4         Jugendsprache – Sprachverfall oder Sprachwandel?

Bereits Hermann Ehmann wies darauf hin, dass die Meinungen über Jugendsprache seit eh und je – quer durch alle Altersschichten – sehr stark differieren. (Vgl. Ehmann, Hermann: oberaffengeil. Neues Lexikon der Jugendsprache, (= Beck´sche Reihe; Bd. 1170). München 1996, S. 13.) Diese Tatsache lässt auf den hohen Stellenwert schließen, den die Jugendsprache im aktuellen Sprachgebrauch einnimmt. Für die einen hat die Ansicht, dass Jugendliche den Sprachverfall befördern Tradition. (Vgl. Schlobinski, Peter: Jugendsprache und Jugendkultur, in: Politik und Zeitgeschichte, Jg. 5 (2002), S. 16.) So kann heute kaum geleugnet werden, dass sich innerhalb der verschiedenen deutschen Jugendsprachen in den vergangenen Jahren einige unschöne Tendenzen verbreitet haben, die missfallen können, weil sie keine Weiterentwicklung der Sprache, sondern eher einen Rückschritt bzw. Rückfall in längst überwunden geglaubte Sprach- und Denkmuster darstellen. (Vgl. Ehmann, Hermann: oberaffengeil. Neues Lexikon der Jugendsprache, (= Beck´sche Reihe; Bd. 1170). München 1996, S. 13.)

Andere hingegen sehen in ihr eine mehr oder weniger kreative experimentelle Sprachvariante, die den soziokulturellen Wandel unserer Gesellschaft in sprachdynamischer Form widerspiegelt oder gar das absolute Mega-Nonplusultra, die heutzutage einzig denkbare sprachliche Ausdrucksform. (Vgl. Ehmann, Hermann: oberaffengeil. Neues Lexikon der Jugendsprache, (= Beck´sche Reihe; Bd. 1170). München 1996, S. 12.)

Trotz berechtigter Bedenken kann die Jugendsprache nicht für den vielzitierten Niedergang der deutschen Sprachkultur verantwortlich gemacht werden, da dies hieße Ursache und Wirkung zu vertauschen. Zusammenfassend weist Ehmann darauf hin, dass die Jugendsprache zunächst einmal eine Reaktion auf gesellschaftliche Gegebenheiten und Zustände ist. Sie halte damit der modernen Medienlandschaft sowie dem ganzen sozialen Umfeld lediglich den Spiegel vor. (Vgl. Ehmann, Hermann: oberaffengeil. Neues Lexikon der Jugendsprache, (= Beck´sche Reihe; Bd. 1170). München 1996, S. 13.)

  

 

Jugendsprache - Sprachverfall oder Sprachwandel?

 

Bilden Sie sich Ihre eigene Meinung!

 

 

 

5         Literaturhinweise

 

Androutsopoulus, Jannis K.: Deutsche Jugendsprache. Untersuchungen zu ihren Strukturen und Funktionen. Frankfurt/M. 1998.

 

Androutsopoulus, Jannis K.: Forschungsperspektiven auf Jugendsprache. Ein integrativer Überblick, in: Jugendsprache – Langue des jeunesYouth language. Linguistische und soziologische Perspektiven, hrsg. v. Jannis K. Androutsopoulus/ Arno Scholz, Frankfurt/M. 1998, S. 1-35.

 

Bachofer, Wolfgang: Charakteristika der deutschen Jugendsprache(n) – Charakteristika der gesprochenen deutschen Umgangssprache, in: Jugendsprachen – Spiegel der Zeit. Internationale Fachkonferenz 2001 an der Bergischen Universität Wuppertal, hrsg. v. Eva Neuland, Frankfurt u.a. 2003, S. 61-76.

 

Ehrmann, Hermann: Jugendsprache und Dialekt. Regionalismen im Sprachgebrauch von Jugendlichen, Wiesbaden 1992.

 

Henne, Helmut: Jugendsprache und Jugendgespräche, in: Dialogforschung. Jahrbuch des Instituts für deutsche Sprache, hrsg. v. Peter Schröder/ Hugo Steger, Düsseldorf 1981, S. 370-385.

 

Henne, Helmut: Jugend und ihre Sprache. Darstellung – Materialien – Kritik, Berlin/ New York 1986.

 

Neuland, Eva (Hrsg.): Jugendsprache – Jugendliteratur – Jugendkultur. Interdisziplinäre Beiträge zu sprachkulturellen Ausdrucksformen Jugendlicher, Frankfurt/M. u.a. 2003.

 

Neuland, Eva: Jugendsprache, (= Studienbibliographie, H. 29), Heidelberg 1999.

 

Neuland, Eva: Jugendsprache und Standardsprache. Zum Wechselverhältnis von Stilwandel und Sprachwandel, in: Zeitschrift für Germanistik, Jg. 1 (1994), S. 78-98.

 

Neuland, Eva/ Martin, Stephan/ Watzlawik, Sonja: Sprachgebrauch und Spracheinstellungen Jugendlicher in Deutschland. Forschungskonzept – Datengrundlage – Auswertungsperspektiven, in: Jugendsprachen – Spiegel der Zeit. Internationale Fachkonferenz 2001 an der Bergischen Universität Wuppertal, hrsg. v. Eva Neuland, Frankfurt u.a. 2003, S. 43-60.

 

Pörksen, Uwe/ Weber, Heinz: Spricht die Jugend eine andere Sprache? Antworten auf die Preisfrage der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung vom Jahr 1982, Heidelberg 1984.

 

Schlobinski, Peter: Lexikographie und Lexikologie in der Jugendsprachforschung, in: Jugendsprachen – Spiegel der Zeit. Internationale Fachkonferenz 2001 an der Bergischen Universität Wuppertal, hrsg. v. Eva Neuland, Frankfurt u.a. 2003, S. 233-238.

 

Schlobinski, Peter; Kohl, Gabi; Ludewigt, Irmgard: Jugendsprache. Fiktion und Wirklichkeit, Opladen 1993

 

Schlobinski, Peter: Jugendsprache und Jugendkultur, in: Politik und Zeitgeschichte, Jg. 5 (2002), S. 14-19.

 

Schwitalla, Johannes: Die vielen Sprachen von Jugendlichen, in: Kann man Kommunikation lehren? Konzepte mündlicher Kommunikation und ihrer Vermittlung, hrsg. v. Norbert Gutenberg, Frankfurt/M. 1988, S. 167-176.

 

 

Wörterbücher zur Jugend- und Szenensprache

 

Ehmann, Hermann: affengeil. Ein Lexikon der Jugendsprache, München 1992.

 

Ehmann, Hermann: oberaffengeil. Neues Lexikon der Jugendsprache, (= Beck´sche Reihe; Bd. 1170). München 1996.

 

Ehmann, Hermann: Voll konkret. Das neueste Lexikon der Jugendsprache, (= Beck´sche Reihe; Bd. 1406), München 2001.

 

Heinemann, Margot: Kleines Wörterbuch der Jugendsprache, Leipzig1989.

 

Heinemann, Margot: Kleines Wörterbuch der Jugendsprache. Wörter, Wendungen, Texte, 2., unveränd. Aufl., Leipzig 1990.

 

Hoppe, Ulrich: Von Anmache bis Zoff. Ein Wörterbuch der Szene-Sprache, München 1984.

 

Müller-Thurau, Claus-Peter: Laß uns mal´ ne Schnecke angraben. Sprache und Sprüche der Jugendszene, Düsseldorf 1984.

 

 

 

 

 

6         Jugendsprache im Unterricht

6.1       Relevanz der Jugendsprache in den Rahmenrichtlinien

 

Die Rahmenrichtlinien für Sekundarschulen des Landes Sachsen Anhalt (Stand 15.10.2004) sehen das Thema Jugendsprache in den Klassen neuen und zehn vor.

Das Thema Jugendsprache fällt unter den Sachbereich Reflexion über Sprache und Sprachgebrauch.

In den Erscheinungs- und Verwendungsformen von Sprache tritt die Jugendsprache als Sondersprache des gesprochenen und geschriebenen Deutsch auf.

Die Schüler sollen in diesem Rahmen „über Sprache und Sprachgebrauch nachdenken, um das komplexe Erscheinungsbild sprachlichen Handelns- des eigenen und des fremden- und die Bedingungen, unter denen es zustande kommt bzw. aufgenommen wird, zu verstehen und für eigenes Sprachhandeln zu nutzen“. (Rahmenrichtlinien: www.rahmenrichtlinien.bildung-lsa.de (09.12.2006).)

 

 

Folgende Lernziele sollen eine Vorschlagsammlung sein und schöpfen die Möglichkeiten der Lernzielformulierung mit Sicherheit nicht aus.

  1. Die Schüler sollen lernen die Jugendsprache von der Hochsprache zu unterscheiden.
  2. Die Schüler anhand von Übungen entdecken, dass sie sie zwei Sprachebenen beherrschen und in ihrem Gebrauch wechseln können und abhängig vom Sprechpartner wechseln müssen. 
  3. Die Schüler sollen den Wechsel zwischen den Sprachebenen üben und in die Lager versetzt werden diesen bewusst durchzuführen.
  4. Die Schüler sollen üben den Inhalt der Wörter aus der Jugendsprache zu erschließen und diese in die deutsche Hochsprache zu übersetzen.
  5. Die Schüler sollen den jeweiligen Wortschatz bestimmten situativen Kontexten zuordnen können.
  6. Die Schüler sollen die Merkmale der Jugendsprache und der Hochsprache benennen können.
  7. Die Schüler sollen die Hochsprache und ihre Notwenigkeit als allgemeines Verständigungsmittel erkennen.

 

 

 

 

6.2       Unterrichtsentwürfe

Bei den Unterrichtsvorschlägen handelt es sich keinesfalls um komplette Unterrichtsstunden, sondern um verschiedene Anregungen in Form von Übungen und Aufgaben zur Jugendsprache.

 

6.2.1       Entwurf 1

Die Unterrichtsstunde ist für die neunte Klasse einer Realschule konzipiert. Die Phasen der Stunde sind aber natürlich frei zu variieren, so dass man auch schnell eine Unterrichtseinheit für eine höhere oder niedrigere Klassenstufe konzipieren kann. Die angestrebten Lernziele sind bereits oben genannt.

 

 

Stundenthema: Jugendsprache und deutsche Hochsprache

 

Zeit

Unterrichtsphase/

Methode

Lehreraktivität

 

Schüleraktivität

 

Medien/

Merkhilfen

Bemerkungen

 

10

Min.

Einstieg; Hinführung

L legt OH- Folie auf, in der Sprachebenen vertauscht sind (siehe Folie1)

S sollen im Einstiegsgespräch erkennen, dass Personen ähnliches sagen wollen, jedoch nicht über angebrachten Wortschatz verfügen

OH-Projektor

Folie

Tafel

Begriffe „Jugendsprache“ und „deutsche Hochsprache“ werden an der Tafel notiert

20 Min.

Erarbeitungsphase

L gibt Anweisung; S setzen sich in Gruppen; L teilt AB aus (AB 1)

S sollen sich 5 Beispielsätze ausdenken und je in Hochdeutsch und Jugendsprache „übersetzen“

AB

S sollen kreativ werden und sich in der Sozialform „Gruppenarbeit“ gegenseitig anregen

10 Min

Festigungsphase

L bittet Gruppen ihre Ergebnisse teilweise vorzustellen

S stellen dem Rest der Klasse ihre Sätze vor; teilweise werden Ergebnisse an der Tafel notiert

AB

Tafel

 

5 Min

Ergebnissicherung

L fragt die S nach dem Unterschied der beiden Sprachformen, Definition von beidem wird an der Tafel notiert

S leiten aus den erarbeiten Beispielen mit Hilfe des Lehrers eine Definition für „Jugendsprache“ und „Deutsche Hochsprache ab“

Tafel

S sollen in der Lage sein, die beiden Sprachebenen voneinander zu differenzieren

 

Folie 1.)

 

 

 

 

 

 

                                                       

 

 

 

 

 

Das ist doch verständlich, oder?

  

 

Arbeitsblatt 1.)

 

v     Setzt euch in fünfer Gruppen zusammen. Denkt euch in der Gruppe je 5 Beispielsätze in Jugendsprache aus und übersetzt diese dann in deutsche Hochsprache.

v     Stellt der Klasse eure Sätze vor.

v     Beispiel:

Jugendsprache:

Nur ein Spacko steht direkt vor der Schule und quarzt da.“

 

          Deutsche Hochsprache:

„Nur ein Idiot steht direkt vor der Schule und raucht da.“

 

 

Platz für Notizen:

 

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Literaturnachweis:

 

v     Henne, Helmut: Jugend und ihre Sprache. Darstellung, Materialien, Kritik. Berlin: 1986.

v     Heinemann, Margot: „Zur Varietät Jugendsprache“. Praxis Deutsch :1991(11).

v     • Jürgens, Dr. Frank: „Heiße News sorgen für Fun. Ist die Sprache der Jugendzeitschriften  Jugendsprache?“ In: Deutschunterricht: 1999 (1).

v     • Linke, Angelika/Voigt, Gerhard: „Sprachen in der Sprache: Soziolinguistik heute: Varietäten und Register.“ In: Praxis Deutsch: 1991 (11).

v     www.teachsam.de eingesehen am 7.1.06 um 18:28 Uhr

 

 

 

 

6.2.2       Entwurf 2

Die Stunde ist für die 10. Klasse Realschule konzipiert.

Stundenthema: Jugendsprache und deutsche Hochsprache

 

Zeit

Unterrichtsphase/

Methode

Lehreraktivität

 

Schüleraktivität

 

Medien/

Merkhilfen

Bemerkungen

 

10 Min.

Einstieg; Motivation

Der L legt eine OH- Folie auf (Folie 2) und deckt die rechte Seite ab

Die S sollen sich melden und die Ausdrücke der Jugendsprache in einen hochdeutschen Ausdruck übersetzen

OH- Folie

Die Folie weckt das Interesse der Schüler und motiviert sie für den weiteren Unterrichtsverlauf

20 Min

 

 

 

 

 

 

 

 

15

Min

Erarbeitungsphase

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Festigungsphase

Der L teilt die S in Gruppen und verteilt ein AB (Arbeitsblatt 2)

 

 

 

 

 

 

 

Der L übernimmt moderierende Tätigkeit

Die S bearbeiten in der Gruppe je einen Abschnitt des Textes „Romeo und Julia- in Jugendsprache.“ Sie übersetzen den Text in Hochdeutsch

 

 

 

 

 Die S stellen ihre Ergebnisse in Gruppen der Klasse auf Folie vor

AB

Text

„Romeo und Julia- Jugendsprache“

 

 

 

 

 

Folie

In der Sozialform „Gruppenarbeit“ bearbeiten die Schüler Abschnitte des Textes

 

 

 

 

Folie 2)

am Start sein:

etwas Neues, Trendiges haben

angepißt sein:

verärgert sein

auf Naß sein:

schnorren

auf Pumpe sein:

Junkie sein, Heroin spritzen

auf sure (sprich: schur):

mit Sicherheit, auf jeden Fall

Bazongklamotten:

geschmacklose Mode

chillen (sprich: dschillen):

entspannen

Club-Hopping:

von Disco zu Disco ziehen

da geht der Groove (sprich: gruf) ab:

da ist was los

das ist fett:

das ist toll

der Laden ist gepackt:

die Disco ist brechend voll

down low (sprich: daun lo):

deprimiert sein

einen Rap (sprich: repp) bringen:

ununterbrochen reden

einen Schuh machen:

abhauen

Fake (sprich: fejk):

falsch, unecht

für lau (= auf duty):

kostet nix

gasgeben:

loslegen, eine Sache anpacken

geh bei Grün:

bleib entspannt

glattgekämmt sein:

sehr heruntergekommen

getunter Typ:

Angeber, Aufschneider

grottenschlecht:

voll daneben

 

 

 

Arbeitsblatt 2.)

 

Beispiel Gruppe A

 

v     Setzt euch in Gruppen zusammen. Lest euch den Text „Shakespeare- voll geil“ durch.

v     Übersetzt die Zeilen 1- 30 von Jugendsprache in Hochdeutsch. Schreibt den übersetzten Text auf Folie.

v     Alle Gruppen lesen ihren Abschnitt auf Hochdeutsch vor, so dass der Text nun auch auf Hochdeutsch vorhanden ist. Wie gefällt er euch besser?

 

Platz für Notizen:

 

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Arbeitsblatt 3.)

(Zeilenangaben hinzufügen)

 

 

 

 

 

Shakespeare - voll geil

 

Also, das ist ein voll trauriges Stück über diesen Typen,

den Romeo und seine Flamme, die Julia.

Die heißen so komisch, weil das alles vor ewig langer

Zeit spielt, noch bevor es das Internet und Handys gab und so. Deshalb hatten die alle noch nicht so Namen wie Sascha oder Micky, sondern hießen Benvolio und Tybalt und Mercutio.

 

Na ja, jedenfalls sind da so zwei Familien, die Montagues und die Capulets, die sind voll auf Hass. Kaum dass sie sich auf der Straße treffen, fangen sie an rum­zustressen und machen Terror. So geht die Geschichte nämlich gleich los.

Zwei Diener der Familien treffen sich auf dem Marktplatz und der eine sagt: ,,Hast du Probleme?" Da antwortet der andere: ,,Willst du Ärger?" und da geht die Streiterei auch gleich voll ab und sie dappen sich. Aber bevor es einen voll erwischt, machen sie Schluss, denn da kommt so' n Prinz, so was wie der Obermacker von Verona und schreit: ,,He ihr, das nächste Mal mach ich euch so alle, dass glaubt, ihr seid im falschen Film.

 

Und dann will der Alte von der Julia so ne Art Party geben. Aber für die Einla­dungen muss er seinen Diener losschicken, um es allen zu sagen, weil die damals weder ´n Fax noch email hatten. Der Diener hat allerdings ´n Schuss und er la­bert irgendeinen Typen auf der Straße an, damit er ihm die Liste vorliest und das ist ausgerechnet Romeo. Der schaut sich die Liste an und da sieht er alle die Namen von den ganzen Freaks und Schickis drauf - auch der von Rosalinde. Er findet die Tussi echt scharf und will deshalb auch auf die Party. An sich ist das auch kein Problem, denn auf der Party maskieren sich alle.

In der Zwischenzeit will Julias Mutter sie unbedingt mit diesem Paris verkup­peln. Ein echt beknackter Name, oder? Ich finde schon Gisbert oder Almut voll daneben. Aber Paris!

Romeo geht also auf diese Party, obwohl er eigentlich richtig down ist. Er steht ja auf Rosalinde und glaubt, sie nicht auf ihn. Aber Romeos Kumpel Mercutio sagt zu ihm: „Geh hin und zieh' s durch bis zum Abwinken. Da sind doch bestimmt noch ein paar andere scharfe Tussis da." - Romeo kommt also hin und sichtet die Mädels. Er sieht Julia und grübelt: ,,Wer ist denn die da?" Darauf sagt sie: ,,Was ist denn das für einer?" Und als sie es später er­fahren, sind sie erst mal platt. Aber dann ist es eh zu spät. - Aber das kratzt sie nicht lange. Romeo baggert sie also an, sie halten eine Zeit­lang Händchen und er küsst sie sogar. Das haut sie beinah um. Aber dann kommt Julias Kindermädchen und holt sie weg. denn früher hatte man Schiss, beim Knutschen erwischt zu werden.

Als Julias Vetter Tybalt checkt, dass Romeo versucht sich an Julia ranzuma­chen, da sagt er zu seinem Diener: ,,He, lass mal schnell einen Degen rüberwach­sen!" Aber da bremst ihn Julias Vater: ,,Bleib cool, Mann!"

 

Dann ist so was wie Sperrstunde, denn alle müssen gehen. Aber als Romeo mit seinen Kumpeln auf dem Weg zu seiner Bude ist, sagt er: „Das wär's dann, Kumpels, ich steig aus!" Er macht ´nen Satz über die Mauer in Julias Garten, kriecht durchs Geäst, peilt nach oben zu Julias Schlafzimmer und fragt: ,,Wer hat das Licht angelassen?“ oder so ähnlich. Und dann Julia: „Wer bist du, der du, von der Nacht beschirmt, dich drängst in meines Herzens Rat?" So ein blindes Huhn, denn er steht ja direkt unter ihrem Balkon. Aber vielleicht hat sie zum Pennen schon ihre Kontaktlinsen rausgenommen.

Darauf sagt er: ,,Willst du mich heiraten?" Und sie: ,,Ja." Das tun sie auch, aber heimlich.

Aber gleich danach taucht der Assi, dieser Tybalt auf und macht Romeo voll an. Er weiß nicht, dass die beiden schon verheiratet sind, weil er ja keine Einladung oder so was bekommen hat. Eigentlich ist das ja ein Glück für ihn, weil er kein Geschenk für das Brautpaar kaufen muss, ´nen elektrischen Dosenöffner oder so ´n Zeug. Er will Romeo umbringen, aber der hat keinen Bock mit ihm zu kämp­fen. Also geht er auf Mercutio los, die beiden dreschen aufeinander ein und Mer­cutio kommt dabei um. Jetzt rastet Romeo aus und macht Tybalt alle.

Eigentlich ziemlich beknackt, weil es jetzt endgültig aus ist mit den Hochzeitsgeschenken. Zur Strafe schickt der Prinz Romeo ins Exil - so ´ne Art Hausarrest, aber in einem anderen Land oder so ähnlich.

Julia flennt: ,,0 denkst du, dass wir je uns wiedersehen?" -Das fragt sie ihn nicht ohne Grund, denn du weißt ja, wie die Jungs sind! Die tun in der Schule so, als ob sie ganz verrückt nach dir sind und dann rufen sie später nicht mal an. Du weißt schon.

Romeo macht also ´nen Abgang, und Julia ist total down, weil ihr Papa will, dass sie den Paris heiratet. Beknackt! Sie ist ja schon verheiratet. Aber ihre Alten bestehen auf der Hochzeit und es sieht ganz danach aus, als würde sie doch noch zu ihrem elektrischen Dosenöffner kommen oder vielleicht sogar zu einem Mikro­wellenherd.

Aber dann gibt der Mönch, der sie getraut hat, Julia so ´n Zeug zu trinken, das wirkt, als wäre sie tot, bis Romeo aus dem Exil zurückkommt. Das Zeug haut aber so rein, dass alle glauben sie sei wirklich tot und sie legen sie in so ´ne Gruft, du weißt schon.

Als Romeo das erfährt, macht er in Mantua die Fliege und reitet nach Verona. Unterwegs verpasst er aber den Mönch mit dem Brief, in dem steht: ,,Julia ist nicht tot, sie pennt nur!"

In der Gruft sieht er sie liegen und meint: „Liebe Julia, warum bist du noch so schön?" Da schiebt er voll die Krise und er trinkt eine ganze Flache Gift. Was jetzt kommt, das errätst du nie! Sie wacht auf, sieht, dass Romeo hinüber ist und ruft: ,,0 willkommener Dolch!" - Und ersticht sich!!!

Voll krass! - Ist doch  total brutal. Ich finde, die ticken doch nicht mehr richtig, oder?"

 

 

Literaturnachweis:

 

v     Henne, Helmut: Jugend und ihre Sprache. Darstellung, Materialien, Kritik. Berlin: 1986.

v     Heinemann, Margot: „Zur Varietät Jugendsprache“. Praxis Deutsch :1991(11).

v     • Jürgens, Dr. Frank: „Heiße News sorgen für Fun. Ist die Sprache der Jugendzeitschriften  Jugendsprache?“ In: Deutschunterricht: 1999 (1).

v     • Linke, Angelika/Voigt, Gerhard: „Sprachen in der Sprache: Soziolinguistik heute: Varietäten  und Register.“ In: Praxis Deutsch: 1991 (11).

v     www.teachsam.de eingesehen am 7.1.06 um 18:28 Uhr

 

 

 

6.3      Unterrichtsmaterialien

6.3.1       kleine Wortkunde zur Jugendsprache

 

Bodenturner

abwertend: begriffsstutzige Person, „Blitzmerker“ (Vgl. Denkzwerg, Dünnbrettbohrer, Flachkopf)

Dinos

Eltern (Vgl. Hausdrachen, Geldgeber, Ordnungskomitee)

Fressleiste

Mund, speziell Zähne

Giftspritze

für eine streitsüchtige, unangenehme weibliche Person

Gummilutscher

Kondom, Präservativ

klaufen

stehlen

Knüppeltherapie

Schlägerei

Krawattendjango

abwertend: Büroangestellte, Politiker, Funktionäre

Lernfossil

Lehrer oder Direktor

Löwenkäfig

Lehrerzimmer (Vgl. Wespennest, Parteibüro, Mafiatreff)

Mc-Job

Aushilfsjob mit schlechter Prestige

Nuckelpinne

kleines Auto, Kleinwagen

Schlürfbude

Fast-Food-Restaurant

Spucktüte

Saxophon, Klarinette, Flöte

Strampelanzug

Trainingsanzug

Stressbude

Schule (Vgl. Streberkaserne, Kotzhütte, Leerinstitut)

Tanzbärenschritt

Zeitlupentanz; Oma/Opa-Tanzschritt

Trachtengruppe

(Verkehrs-)Polizei (Vgl. Streifenhörnchen, Gartenzwerge, Mainzelmännchen, Tangobrüder)

Verbal-Onanierer

stark abwertend: Dauerredner, Quatschkopf

Zoni

(dümmlicher/ahnungsloser) Ostdeutscher

 

[entnommen aus Hermann Ehmann: oberaffengeil. Neues Lexikon der Jugendsprache, (= Beck´sche Reihe; Bd. 1170), München 1996.]

 

 

 

 

6.3.2      Disko-Deutsch

Als ich neulich mit Peter in die City drückte, macht der mich unheimlich an auf Tilbury. Na, schon bohren wir dahin, obwohl ich eigentlich aufs Lollipop stand. Ich Chaot hatte keine Matte mit, weil ich meinen Kaftan vergessen hatte, und sagte zu Peter, er solle mal ausklinken. In dem Schuppen zogen ein paar People schon eine heiße Show ab. Wir machten eine kurze Fleischbeschauung, und Peter machte sich sofort daran, eine riesige Tussi anzugraben. Die war echt einsam, aber ich hatte einfach keinen Schlag bei ihr. Peter schafft sich da also mächtig rein und wollte wahrscheinlich ´nen kleinen Wuschermann machen, blickt aber nicht durch, dass die Tussy einen Typ hat. Der hing zu dem Zeitpunkt allerdings schon völlig durch. Vielleicht zog er auch, jedenfalls konnte die Tussi darauf nicht. Aber als Peter so ordentlich aufs Blech haut und mächtig mit seinem Busch wedelt, spannt der beknackte Gent seinen Glimmer, was läuft, und sagt Peter einen Satz heiße Ohren an. „Ich glaub´, mich streift ein Bus“, tönt Peter daraufhin, „pass lieber auf, dass du hier keine Taucherbrille erbst.“ Na, ich hatte keinerlei Bock auf Terror, vor allem, weil der halbe Laden inzwischen zu war, weil jeder schon ein paar Wutschis und Lämmis drin hatte, und ich sagte zu Peter: „Lass uns die Fliege machen.“ Das konnte Peter nicht recht ab, logo, die Schnecke hat ihn voll angeturnt. Also hob ich leicht angesäuert allein ab und rief Heimat ab, denn draußen war´s mächtig schattig, obwohl der Planet den ganzen Tag gestochen hatte wie irr.

                                  

[Aus: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4.1.1979; Zitiert, in: Jugendsprache. Fiktion und Wirklichkeit, hrsg. v. Peter Schlobinski/ Gaby Kohl/ Irmgard Ludewigt, Opladen 1993, S. 15.]

 

 

 

6.3.3      Szenenausschnitt aus dem Film „Die Halbstarken“ (1956)

Freddy: Na los, Mister Prego! Fahr mal das Rülpswasser an.

Garezzo: Bitte?

Freddy: Na, ne Splitte! Gluck, gluck! Durscht! Heh?!

Garezzo: Haha! Gluck, gluck! Bene!

Freddy: Ja für uns beede! Mmh.

Freunde: Was denn?! Geht wohl schon los! Ach, nur ne kleine Vorfeier. Ach, hier gibt’s Sekt.

Freddy: Komm, dass trinkt Vater.

Garezzo: Gute Marke! Prima, was?!

Freddy: Nun lass uns mal n bisschen allein. Väterchen. Hopp!

Garezzo: Hoho, si si. Hab sowieso in Küche zu tun. Pardon.

Freddy: Hey, ihr Pinsel! Schwingt die Keulen! Die Miezen wollen bewegt werden.

Sissy: Hey:

Günther: Hey, was isn los?!

Freddy: Hat wohl ne Mattscheibe, oder was.

Günther: Nich nur n bisschen, du.

Freddy: Na, du guter Junge.

Klaus: Ausgeschlossen! Ich komm heute abend nicht weg. Da lässt er einfach nicht mit sich reden.

Günther: Was heißt reden?

Freddy: Vom Reden wird nichts, du Flaschenkopp! Hart sein musste. Tough.

Klaus: Und wenns schief geht?

Günther: Ha, schief gehen.

Freddy: Ach Quatsch! Bei mir geht nichts schief. Bei mir geht alles mit Köpfchen. Musste langsam gemerkt haben. Übrigens, hab jetzt ´n Verbindungsmann da sitzen, mmh!

Klaus: Wo?

Freddy: Erfährste alles heute abend.

Günther: Gläser putzen!

Freddy: Hey! Also ein für allemal: Entweder du bist heute abend da, oder du kannst dir deine Knochen nummerieren lassen.

Klaus: Au!

Günther: Falls du noch ´n Doktor findest, der sich die Mühe macht, Pfeife!

[Szene aus dem Film „Die Halbstarken“ (1956), zitiert nach: Peter Schlobinski: Jugendsprache und Jugendkultur, in: Politik und Zeitgeschichte, Jg. 5 (2002), S. 15.]

 

 

 

6.3.4      Denglisch in Germany oder: Lessing bleibt deutsch

Ranking? Na, prima, schon wieder ein englisches Wort mit –ing am Ende. Als nunmehr papststellende Nation sollten wir selbstbewusster mit unserer Sprache umgehen.

Viele dieser Begriffe finde ich schon im Duden, da ich das Handling beherrsche.

So Camping, Caravaning und Trekking, Aquaplaning und Telebanking, selbst Petting und Coming – out werden erläutert.

Blättere ich im Standardwerk der deutschen Rechtschreibung, betreibe ich nebenbei etwas Gehirnjogging, sicher wichtiger als Bodybuilding, zumal Letztes oft mit Doping verbunden ist.

Na, prima! Doch mein Controlling ergab, dass längst nicht alle Ing – Begriffe im Duden stehen.

Beispiel Powernapping: Anfangs dachte ich an kräftig überhöhte Preise. Ist es aber nicht. Powernapping ist das Nickerchen ( nap = schlafen ) am Arbeitsplatz. Man kann es lernen und so das Working bis zum Feierabend besser durchhalten. Eine These, die ich nach etlichen Selbstversuchen nur bestätigen kann.

Aber nicht immer hilft der Wortstamm weiter. Wenn in der Wohnung urplötzlich Wände, Decken und Möbel mit einem rußähnlichen Schmierfilm überzogen werden, spricht der Fachmann von Fogging ( fog = Nebel ).

Schwarzer Nebel? Da bin ich ratlos. Ob eine Consulting – Firma helfen kann? Egal, zum Glück bin ich ja nicht betroffen.

Das ist bei Lockpicking ganz anders. Gestern muss sich ein Lockpicker an meinem Fahrrad vergriffen haben. Diese Sportsfreunde, es gibt tatsächlich Wettkämpfe auf diesem Gebiet, öffnen mit etwas Training die teuersten Schlösser – locker in Sekunden.

Jetzt bin ich nicht nur ratlos, sondern auch radlos!

Vielleicht sollte meine Heimatzeitung zum Thema „Denglisch“ einmal ein zweitägiges Meeting, Brainstorming mit anschließendem Hearing, organisieren.

Übrigens: Lessing ist immer noch ein deutscher Dichter und den Hering kann man essen oder in die Erde schlagen. Na, prima!

Ihr Bernd Biedermann

(entnommen aus: Burger Volksstimme. Nr. 101. ( 03.05.2005 ) S. 1.)

 

 

 

6.3.5      „Kanakisch“

6.3.5.1        kleine Wortkunde

voll korreckt

gut, in Ordnung

krass

sehr gut, toll

isch schwör

am Satzende zur Verstärkung der Aussage

obern korreckt

ausgezeichnet, spitze

ohn scheiß

ungelogen, wirklich wahr

Tuss(i)

die junge Frau, Freundin

verchecken

verkaufen

Alda/ Alder

gebräuchliche Anrede

Ich hol mein Brudhern.

Jetzt pass mal auf!

Mein Handy is krassern wie dein.

Mein Mobiltelefon ist teuer als deines.

[entnommen aus: http://www.detlev-mahnert.de/Jugendsprache.html. (02.04.2007)]

 

 

  

6.3.5.2        Schneewittchen

Es war ma ein krass geile alte Tuss, dem hatte Stiefkind. Dem alte Tuss hat immern in sein Spiegeln geguckt un den angelabert: „Spiegeln, Spiegeln an scheissdreck Wand, wem is dem geilste Tuss  in Land?“ „Du selber, isch schwör!“ hat dem Spiegeln gesagt. Un weil dem Spiegeln geschwört hat, hat dem dem geglaubt. Abern an eim Tag hat dem scheissndreck Spiegeln gesagt, dass dem Stieftochthern geilern is. Dem alte Tuss hat eim Typ angelabert un hat gesagt: „Fahr mit dem Arschnloch-Balg in Wald un stesch dem ab, Alder!“ Dem Typ hat dem net gemacht, sondern hat dem Balg nur aus Auto geschmeisst. Dann is dem Balg losgelatscht un hat eim susse Haus gesehn un is rein un hat da gepennt. An abends in dem siebn krasse Swerge gekommmen, wo dem Haus gehört un ham gesagt: „Geil, Alder, was für oberngeile Tuss, kuck ma wie geil dem aussieht.“ Dem hat am nächstem Morgen dem Tuss gesagt, dass dem da bleiben kann, weil dem obernkrass geil aussieht! Dann sin auf Arbeit gefahrt. Da kam alte Tuss an Haus vorbei un hat dem Balg einem krass genmanipulierte Apfeln gegeben. Dem hat dem gegessen uni s tot umgefallt, isch schwör! Als dem Swergen von Arbeit gekommen sin, ham die dem Balg in 3ern Cabrio geschmeisst uns in Klinik gefahrt. Weil dem Swergen geheizt sin wie Arschlöchern, is dem Balg krass schlecht geworden un hat korreckt auf Ledersitze gekotzt, Alder! Un isch schwör, dem hat wieder gelebt.    

[Aus dem Sprachführer „Kanakisch-Deutsch“, zitiert nach: http://www.detlev-mahnert.de/Jugendsprache.html. (02.04.2007)]

 

 

 

6.3.5.3        Hänsel und Gretel

Murat und Aische gehen dursch Wald, auf Suche nach korrekte Feuerholz.
Aische fragt Murat: "Hast Du Kettensäge, Murat?"
Murat: "Normal! Hab isch in meine Tasche, oder was!?"
Auf der Suche nach korrekte Baum, verirren sie sisch krass in de Wald.
Murat: "Ey scheissse, oder was!? Hast du konkrete Plan, wo wir sind, oder was!?"
Aische: "Ne scheissse, aber isch riesche Dönerbude!"
Murat: "Ja faaaatt!"
Aische: "Normal, da vorn an den Ecke!"

So fanden schliesslich dursch Aisches korrekte siebte Döner-Such-Sinn den Dönerbude. Sie probierten von jede Döner.
Plotzlich kamm voll den krasse Frau und fragt: "Was geht, warum beisst ihr in meine Haus?"

Als Strafe sperrte den Hexe Murat in krass stabilen Käfig.
Zu Aische sagte sie: "Du Frau, du kochen für misch! und verkaufen die Döner an den Theke."
Murat wurde gemastet bis korrekt fett fur Essen.
Doch ein Tag hatte Aische einen fixe Idee. Sie fragte:
"Wie geht den mit den Dönerbrotofen?"
Hexe: “Was geht? Bist du scheissse im Kopf , oder was?”
Aische: “Normal, isch hab kein Plan, zeigen mal, wie geht!”
Hexe: “Machen das! Komm her und mach den Augen auf!”
Aische: “Korrreckt!”

Dem Hexe bückte sisch, um den Dönerofen anzuschmeissen. In den Augenblick Aische kickte mit korrekten Kick-Box-Kick
in die fette Arsch.
Dem Hexe sagte: “AAAhh, scheissse, was geht? Isch fall direkt in die Scheisendreckofen. Oder was! Aah isch hab krasse
Schmerzen!”

Aische freute sisch und sagte:
“Korrekt, den Alte ist konkret tot!”
Murat: “Ey, Aische, krasse Idee! Hol misch aus die scheisss Kafig, Alde!”
Aische: “Normal, oder was!?”

 

(http://www.mahnert-online.de/Jugendsprache.html)

 

 

 

 

7         Impressum

 

Fitzner, Sabrina

Laufer, Rebecca

Lippert, Jasmin

Meißner, Regina

Rohrbeck, Nicol