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Forschung                                         Artikel Wall Street Journal          Neugierig?

 

Forschungsüberblick

Lernen in der Kindheit und Jugend unterscheidet sich vom Lernen bei Erwachsenen darin, dass emotionale Erfahrungen und Lernprozesse dazu genutzt werden, die noch unreifen funktionellen Schaltkreise des Gehirns, insbesondere des limbischen „Belohnungs-“ Systems zu optimieren.  Diese evolutionsgeschichtlich alten Entwicklungsprinzipien sind bei Tier und Mensch zu beobachten, und man könnte diese organischen Entwicklungsprozesse mit der Formatierung der „Festplatte“ Gehirn vergleichen. Über erfahrungs- und lerninduzierte neuronale Optimierungsprozesse werden in der  „Hardware“ – dem Gehirn- schon in der frühesten Kindheit prinzipielle Konzepte, Denk- und Verhaltensstrategien, und auch für die mit jedem assoziativen Lernprozess untrennbar verknüpfte emotionale Erlebniswelt angelegt. Auf den Menschen bezogen bedeutet dies auch, dass sowohl die soziale, emotionale und intellektuelle Förderung als auch die ethisch-moralische Erziehung in der frühen Kindheit gehirnorganische Spuren hinterläßt, die lebenslang erhalten bleiben.

               

Die erste emotionale Erfahrung nach der Geburt bei Säugetier und Mensch ist die Entstehung einer emotionaler Beziehung zwischen Neugeborenen und Eltern. Verhaltensstudien an Nagern und Affen, und Studien am Menschen haben gezeigt, dass die Intensität  sozialer und emotionaler Erfahrung während der frühen Kindheit mit der/den Bezugsperson(en) von kritischer Bedeutung für eine normale intellektuelle und emotionale Entwicklung ist. Sowohl die tierexperimentellen Befunde, als auch die Ergebnisse klinischer Untersuchungen weisen auf einen negativen Einfluss von emotionaler Deprivation auf die Entwicklung geistiger und emotionaler Kompetenzen hin.

 

 

 Degu Familie mit Jungen

 Abb.Strauchratte

 

 

Degu Jungtiere

 

 

Ziele

 

In unseren Untersuchungen am Modell der Filialprägung des Haushuhnkükens und der Elterndeprivation bei der Strauchratte konnten wir zeigen, dass die Unterbrechung des Kind-Eltern Kontaktes (Elternseparation) zu langfristigen regionsspezifischen synaptischen Veränderungen in limbischen Hirnregionen führt, die höchstwahrscheinlich zu einer Veränderung von emotionalem Verhalten, Lernen und Gedächtnisbildung führt. 

Octodon degus / für Film bitte Bild anklicken

 

Die Entwicklung von Gehirn und Verhalten vollzieht sich in einem Wechselspiel zwischen genetisch determinierten Faktoren und der  Umwelt, den sogenannten “epigenetischen” Prozessen. Anhand verschiedener Tiermodelle (Nager) untersuchen wir den Einfluss perinataler emotionaler Erfahrungen (prä- bzw. postnataler Stress, soziale Deprivation) und von frühkindlichen Lernprozessen auf die funktionelle Reifung des Gehirns und auf die Verhaltensentwicklung. Unser Ziel ist es, die umweltinduzierten zellulären (neuronalen und glialen), strukturellen Reorganisationsprozesse ebenso wie die neurochemischen Veränderungen innerhalb der präfrontalen-limbischen Schaltkreise zu identifizieren und zu charakterisieren. Darüber hinaus wollen wir die epigenetischen Mechanismen aufklären, die die molekulare Grundlage für die neuronalen und synapischen Reorganisations- und Optimierungsprozesse darstellen. Die aus solchen  tierexperimentellen Ansätzen gewonnenen Erkenntnisse können einerseits in die Entwicklung neuer pädagogischer Konzepte im Vorschulbereich einfließen, und andererseits können sie dazu beitragen, die Entstehung von umweltinduzierten Verhaltens- und Lernstörungen besser zu verstehen und vor allem diese frühzeitig zu verhindern. 

 

                                        
  Uni-Magdeburg  | FNW  aktualisiert: August 2010 |