Erste Firmenansiedlung am Uni-Campus

Der medizintechnische Forschungsschwerpunkt STIMULATE zieht mit der Ansiedlung der ACES Ing.-GmbH das erste Unternehmen auf den Campus der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Die ACES Ing.-GmbH ist ein ingenieurtechnisches Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen mit dem Schwerpunkt Medizintechnik mit Sitz in Filderstadt bei Stuttgart. Hier werden Geräte, Instrumente und Software zur Diagnose und Behandlung von Erkrankungen der Wirbelsäule und anderer Gelenke entwickelt. Katharina Vorwerk hat mit dem Geschäftsführer Frank Trautwein über den Einzug auf den Campus und künftige Vorhaben und Synergien gesprochen.

Herr Trautwein, Sie sind der Geschäftsführer des Unternehmens ACES Ing. GmbH, wofür steht ACES?
ACES ist die Abkürzung für Advanced Consulting & Engineering Services und beschreibt in vier Worten unser Tätigkeitsgebiet: Wir sind ein ingenieurtechnisches Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen mit dem Schwerpunkt Medizintechnik. In den vergangenen 15 Jahren waren wir an der Entwicklung eines breit gefächerten Portfolios innovativer Implantatsysteme zur fusionierenden und bewegungserhaltenden Versorgung von Erkrankungen der Wirbelsäule beteiligt. In unseren Produkten kombinieren wir Expertenwissen auf den Gebieten der Biomechanik, mechanischen Bauteilprüfung und numerischer Simulation mit den Bereichen Qualitätssicherung, Dokumentation und Zulassung. Seit unserem Einstieg in den Bereich der medizinischen Bilddatenverarbeitung vor fünf Jahren konnten wir hier ein besonders starkes Wachstum verzeichnen.

Seit dem 1. Januar hat ihr Unternehmen nun eine Geschäftsstelle am Unicampus Magdeburg. Was hat Sie bewogen, aus dem wohlhabenden bundesrepublikanischen Süden in die mitteldeutsche Landeshauptstadt Magdeburg zu kommen?
Diese Entscheidung hängt zunächst mit unserer strategischen Neuausrichtung hin zu den Bereichen Bildverarbeitung, Elektronik und Software im Medizintechnikumfeld zusammen. Während der Südwesten im Bereich der Entwicklung und Fertigung chirurgischer Instrumente und Implantate auf globaler Ebene eine führende Rolle einnimmt, ist dies in den für uns jungen Geschäftsbereichen nicht der Fall. Für unser Unternehmen bietet die Nähe zum Medizintechnik-Forschungscampus STIMULATE einerseits Zugang zu bestens ausgebildeten Fachkräften in einer hochspezialisierten Branche, andererseits sind unsere Forschungsbemühungen durch die enge Kooperation mit den verschiedenen universitären Einrichtungen von STIMULATE auf Augenhöhe mit wesentlich größeren Mittbewerbern in unserer Branche, was unsere Wettbewerbsfähigkeit und unser Innovationstempo nachhaltig positiv beeinflussen wird.

Was konkret werden Sie in den kommenden Monaten hier auf dem Unicampus bewegen wollen, wie sehen die ersten Schritte hier aus?
In einem ersten gemeinsamen Projekt befassen wir uns mit der Verbesserung der Visualisierung chirurgischer Eingriffe bei Operationen an der Wirbelsäule. Immer mehr Operationen werden minimalinvasiv durchgeführt. Während dies für den Patienten besonders schonend ist, ist es für den Chirurgen besonders anspruchsvoll, da er ohne direkte Sicht operiert. Dies erhöht einerseits das Risiko, wichtige Strukturen zu schädigen, andererseits verlängert sich dadurch die OP-Dauer. Diese Situation wollen wir verbessern indem wir ein Gerät entwickeln das sich ohne Zusatzaufwand nahtlos in den OP-Ablauf integriert und die intraoperative Bildgebung für den Chirurgen verbessert. Neben der Darstellung knöcherner Strukturen soll die Position chirurgischer Instrumente und eingesetzter Implantate mit hoher Genauigkeit visualisiert werden. In einer weiteren Ausbaustufe wird es möglich sein, Bilddaten verschiedener Aufnahmetechniken einzublenden. Der Chirurg erhält damit zum Beispiel auch Informationen über den genauen Verlauf von Weichteilstrukturen wie Nervenwurzeln während der Operation und in Relation zu seinem Instrument.
Um eine möglichst effiziente Zusammenarbeit und Verzahnung mit dem Team von STIMULATE zu ermöglichen, haben wir Räumlichkeiten innerhalb des Forschungscampus angemietet.

Wie viele Mitarbeiter könnten perspektivisch hier arbeiten?
In unserem aktuellen Büro haben wir Platz für etwa vier Mitarbeiter, den wir bei Bedarf am Campus erweitern können. Wenn die ersten Produkte nach einer Entwicklungs- und Zulassungszeit von etwa drei bis vier Jahren in Serie gehen, werden etwa zehn hochwertige Arbeitsplätze geschaffen.

Denken Sie, dass der Forschungscampus STIMULATE weitere Unternehmen nach Magdeburg ziehen wird?
Starke Partner wie Siemens zeigen das Interesse und Engagement der Industrie an einer Zusammenarbeit mit Einrichtungen wie STIMULATE. In Zeiten eines globalen Wettbewerbs ist es für den Standort Deutschland essenziell, dass man Kompetenzen konzentriert um an der Weltspitze mitzumischen. Den Forschungscampus STIMULATE sehe ich daher nicht nur als Keimzelle von Spitzentechnologie im Bereich der medizinischen Bildverarbeitung, sondern auch für Kooperationen zwischen den verschiedenen Akteuren und Wettbewerbern um im internationalen Markt zu bestehen.

Was sind die nächsten gemeinsamen Vorhaben mit den Wissenschaftlern und Medizintechnikern der Uni Magdeburg?
Zusammen mit STIMULATE arbeiten wir gerade an der Definition eines weiteren Projekts mit ähnlicher Zielsetzung. Hier soll ein chirurgisches Instrument mit Hilfe von Ultraschall seine korrekte Positionierung rückmelden können. Damit kann einerseits eine Beschleunigung des OP-Ablaufes erzielt werden, andererseits wird die Sicherheit des Eingriffs erhöht.
Als sogenanntes "Imaging Core Lab" bieten wir Implantatherstellern außerdem die Vermessung und Befundung klinischer Bilddaten als Dienstleistung an. Die Ergebnisse, die im Rahmen von Studien gesammelt werden, sind die Grundlage für die Zulassung neuartiger Produkte in den höheren Risikoklassen. Hierfür nutzen wir eine von uns entwickelte Software, die die relevanten Parameter weitgehend automatisiert mit größtmöglicher Genauigkeit aus den Bilddaten extrahiert.
Für den Bereich der radiologischen Bewertung der Bilder gibt es eine enge Zusammenarbeit mit dem Leiter des Instituts für Neuroradiologie der Universitätsmedizin Magdeburg, Prof. Dr. med. Martin Skalej. Von den Herstellern und Kliniken wird zunehmend gefordert, die Sicherheit und Effizienz ihrer Medizinprodukte und die Qualität Ihrer Behandlungen zu erfassen und laufend zu überwachen. Durch die Zusammenarbeit mit dem Institut für Neuroradiologie und dem Team um Professor Skalej können wir sämtliche Dienstleistungen im Bereich der Bildgebung und Befundung klinischer Studien als herstellerunabhängige Labordienstleistung aus einer Hand anbieten.

Vielen Dank Herr Trautwein für das Gespräch.

 

Letzte Änderung: 15.08.2017 - Ansprechpartner: Dipl.-Journ. Ines Perl