Zurückkehren, um weiterzukommen

01.10.2019 -  

Ausgelernt gibt es nicht: Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Industrie4.0 fordern Fachkräfte und auch die Beschäftigten der OVGU immer wieder aufs Neue ein ganzes Berufsleben lang. Fortlaufend muss Wissen aktualisiert und an neue Aufgaben und sich ändernde Bedingungen in Wirtschaft, Industrie und Recht angepasst werden, denn Innovationszyklen werden immer kürzer, Technologien immer schnelllebiger. Heute braucht es nicht mehr nur eine gute Ausbildung, sondern genauso auch eine gute Weiterbildung und die Bereitschaft zum Lernen, ein Leben lang.

Wissenschaftliche Weiterbildung für Unternehmen

Die klassische Berufs- und Erwerbsbiographie, Schule Abi Studium Beruf, bekommt Konkurrenz. Veränderungen in den Berufsbildern mit neu entstehenden Qualifikationsprofilen verlangen neue Modelle, beispielsweise einen Einstieg in die Hochschule erst in späteren Phasen des Berufslebens. Befördert auch durch die Bologna-Reform mit ihren mehrstufigen Studienabschlüssen. So führt der Weg nach dem Bachelor und praktischen Erfahrungen in der Berufswelt nicht selten zurück an die Uni zur Weiterbildung. Die Universitäten richten sich darauf ein. Auch die OVGU. „Sie begreift sich zunehmend als Ort für ein lebensbegleitendes Lernen“, schätzt Yvonne Paarmann, Leiterin des Zentrums für wissenschaftliche Weiterbildung (ZWW) der OVGU, ein. „Sie sieht sich dem Transfer von aktuellem Forschungswissen und neuen Entwicklungstrends mehr denn je verpflichtet. Universitäten schaffen wertvolle Denk- und Reflexionsräume nicht nur zur Wissensgenerierung, sondern eben auch zum Wissensaustausch.“ Nicht zuletzt stehe die Weiterbildung als Kernaufgabe für die Universitäten im Hochschulgesetz des Landes Sachsen-Anhalt.

Die wissenschaftliche Weiterbildung muss sich an den Anforderungen der Unternehmen orientieren und ein „Lernfeld“ gestalten, das in den Arbeitsalltag zu integrieren ist: möglichst unabhängig von Raum und Zeit, flexibel, digital, kurzzyklisch in wenigen Tagen viel erreichen. Das ZWW geht ganz unterschiedliche Wege, diese Bedarfe in den regionalen Unternehmen zu erfassen: vom Unternehmensdialog bis hin zu klassischen Umfragen. „Nun ja, ich bin ein bisschen von Berdarfsermittlungen ‚geheilt‘. Selbst wenn Unternehmen sagen, genau das brauchen wir und die Fakultäten innerhalb kürzester Zeit ein fachliches Angebot auf die Beine stellen, eine Garantie für die Buchung ist das nicht! Das ernüchtert, heißt aber nicht, dass wir aufgeben“, schildert Yvonne Paarmann ihre Erfahrungen. Das Innovative, den Mehrwert und den Nutzen des jeweiligen Weiterbildungsangebots so zu kommunizieren, dass aus Weiterbildungsinteressierten auch Weiterbildungsteilnehmende werden, sieht sie als größte Herausforderung für ihren Bereich.

Gemeinsam mit den Fakultäten erarbeiten die Mitarbeiterinnen des ZWW WeiterbildungsangeboteGemeinsam mit den Fakultäten erarbeiten die Mitarbeiterinnen des ZWW Weiterbildungsangebote.

Eine alte Frage im neuen Kontext, was kostet Bildung?

Worin liegen die Ursachen für dieses zögerliche Verhalten der Unternehmen? „Zum einen werden die Hochschulen noch nicht selbstverständlich als Anbieter von Weiterbildung wahrgenommen. Zum anderen existiert die Erwartung, dass Bildungsinhalte aus den Hochschulen kostenlos sind“, schätzt die ZWW-Leiterin ein. „Hier scheiden sich in der Tat die Geister: Die eine Seite sieht Weiterbildung als ein gesellschaftliches Gut, das allen kostenfrei zur Verfügung gestellt werden soll. Die andere Seite meint, Weiterbildung gehört zum wirtschaftlichen Tätigkeitsfeld der Universität, aus dem zusätzliche Einnahmen erzielt werden, um damit eigenes Personal und Neuentwicklungen zu finanzieren.“ Ein Spagat für das ZWW, das den Fakultäten bei der Entwicklung, Durchführung, Organisation und Vermarktung der Weiterbildungsangebote zu Seite steht.

„Es gibt viele Engagierte in den Fakultäten, die unermüdlich die Weiterbildung voran bringen, und es gibt Mitarbeitende in der Verwaltung, die umsetzbare Lösungen finden, die Weiterbildung in ihrer Attraktivität zu steigern. Das darf aus meiner Sicht aber gern noch mehr werden!“, wünscht sich Yvonne Paarmann.

Wie sieht ein modernes Weiterbildungsangebot aus?

Industrie 4.0, Digitalisierung, Zukunft der Arbeit sind die Themen, die angeboten werden und ebenso gefragt sind wie der Bachelor in Business Administration, Personalentwicklungsprogramme oder Weiterbildungsangebote in direkter Abstimmung mit Globalplayern wie Siemens oder Philips. Verstärkt muss in Zukunft in der wissenschaftlichen Weiterbildung den strukturellen Entwicklungen an den Hochschulen Rechnung getragen werden: Wissenschaftler werden zunehmend zu Managern in der Forschung, operative, administrative und beratende Tätigkeiten nehmen zu ebenso wie strategische Planung und Steuerung von Forschungsprozessen. Doch nicht nur die Inhalte müssen zukunftstauglich sein auch die Methoden der Wissensvermittlung. Die Programme des ZWW werden als „blended-learning“, also Präsenzveranstaltungen und E-Learning in Kombination, angeboten, aber ebenso werden Programme als Online-Angebote aufgebaut. „Dabei eröffnen sich nicht nur technische Herausforderungen“, weiß Yvonne Paarmann. „So kostet digitale Wissensaufbereitung viel Zeit, sind die Ansprüche beispielsweise an Daten- und Urheberrechtsschutz viel höher. Und nicht wenige Lehrkräfte stellen sich die Frage: Sollen ‚meine‘ Wissensinhalte dann wirklich für alle im Netz zugänglich sein?“ Aber die OVGU sei auf einem guten, wenn auch noch langen Weg zu einem Ort für lebenslanges Lernen, für Wissenstransfer in virtuellen Lehr- und Innovationsräumen.

 

von Ines Perl

Letzte Änderung: 01.10.2019 - Ansprechpartner: Webmaster