„Wir müssen einen gemeinsamen Nenner finden!“

04.04.2018 -  

Zwei international vernetzte Forschungsschwerpunkte in den Neurowissenschaften und Dynamischen Systemen / Biosystemtechnik, ein Gesundheitscampus, der Forschung aus Immunologie, Infektiologie und Inflammation bündelt, das medizintechnische Leuchtturmprojekt STIMULATE, dazu ein starker Technologietransfer, mit denen sich die Universität als starke Partnerin für die regionale Wirtschaft etabliert hat: Leistungen, die tragfähige Konzepte, ambitionierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und nicht zuletzt belastbare Finanzierungen erfordern. Wie gut aufgestellt ist die Universität Magdeburg in Zeiten von Exzellenzinitiativen, Clustern und hochkompetitiven Strukturen? Die Universitätssprecherin Katharina Vorwerk hat mit der Prorektorin für Forschung, Technologie und Chancengleichheit, Professorin Dr. Monika Brunner-Weinzierl, gesprochen.

Über 62 Millionen Euro Drittmittel sind 2016 insgesamt von der Universität verausgabt worden. Wo steht die OVGU aktuell im Vergleich mittelgroßer Universitäten?

Laut Hochschulrektorenkonferenz verfügte jede der 121 deutschen Universitäten 2015 durchschnittlich über rund 51 Millionen Euro Drittmittel. Die OVGU lag 2015 mit 58 Millionen Euro bereits über diesem Durchschnitt und hat 2016 noch einmal auf rund 63 Millionen Euro zugelegt. Wichtig ist bei der Betrachtung von Drittmittelzahlen aber auch, sie im Kontext der Gesamtuniversität zu bewerten. Denn das Ziel, Drittmitteleinkünfte zu erhöhen, kann zu Lasten anderer Universitätsleistungen gehen, zum Beispiel der Lehre oder der „Third Mission“, also der Leistungen für die Gesellschaft und Region. Um die Balance zu halten, bedarf es einer Forschungsstrategie, die sinnvoll in eine Universitätsstrategie eingebettet ist und auf die verschiedenen Charakteristika der Fakultäten eingeht.

Brunner-Weinzierl

 

Welche Unterstützungsstrukturen gibt es an der Universität für Wissenschaftler bei der Drittmitteleinwerbung?

Die OVGU ist an 8 Sonderforschungsbereichen, 12 Graduiertenprogrammen sowie an 38 internationalen, EU-geförderten Projekten beteiligt. Basis für diese Forschungsleistung ist es, leistungsfähige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu gewinnen und ihnen beste Rahmenbedingungen zu schaffen, zum Beispiel, indem wir sie bei der Drittmittelantragstellung stärken. Derzeit existieren bereits Unterstützungsangebote, wie die Einheit Forschungsförderung und auch aus dem Innovationsfonds fließen Mittel für die Verstetigung von innovativen Forschungsprojekten. Nicht zuletzt unterstützt das Forschungsportal im Rahmen des Technologietransfers die Suche nach Kooperationspartnern und Expertise. Diese Strukturen wollen wir weiterentwickeln, um künftig fakultätsspezifisch Forschungsleistung zu fördern und junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ihrer Karriere voranzubringen. Vor diesem Hintergrund hat die OVGU zwei neue Strategieeinheiten besetzt: das strategische Forschungsmanagement und die strategische Personalentwicklung. So wollen wir Wissenschaftlern helfen, in größeren und für die Universität wichtigen Verbünden Förderanträge vorzubereiten. Der begonnene intensiv geführte forschungsstrategische Dialog mit den Fakultäten wird intensiviert, um dort Stärken, Potenzial und Unterstützungsbedarf zu identifizieren. Wir arbeiten außerdem an einem Forschungskerndatensatz als faktenbasierte Grundlage für forschungsstrategische Entscheidungen.

 

Wie wollen Sie den wissenschaftlichen Dialog führen und einen universitätsinternen Diskurs fördern?

Wollen wir den Austausch fördern und das „Wir-Gefühl“ stärken, müssen wir Plattformen schaffen und etablieren. Eine davon wird der „University Club“ sein, ein fakultätsübergreifendes Forum zum Austausch. Damit können wir Schnittstellen bei Forschungskooperationen identifizieren und Methoden, Instrumente und Expertise gemeinsam nutzen. Jeweils eine Fakultät übernimmt die Rolle des „Gastgebers“ und präsentiert aktuelle Entwicklungen der Fakultät. Kooperationsvorhaben und interdisziplinäre Forschungsprojekte dienen als Diskussionsimpulse. Es können auch ganz unterschiedliche Veranstaltungsformate ausprobiert werden – die gastgebende Fakultät entscheidet. Wichtig ist nur, dass Entscheidungsträger und kooperationsinteressierte Forscherinnen und Forscher aller Fakultäten einbezogen werden.

 

Wo sehen Sie in puncto Forschung an der Universität noch große Herausforderungen?

Interdisziplinäre Forschung bedeutet immer zusätzliche Anstrengungen und das Überwinden von Hürden. So unterscheiden sich Wissenschaftsdisziplinen in ihrer sprachlichen Kommunikation; ein Fachaufsatz in den Sozialwissenschaften ist ganz anders strukturiert als eine Publikation in einem naturwissenschaftlichen Journal. Diese Unterschiede spiegeln sich in unseren Fakultäten wider, in Institutsstrukturen, in den Medien, über die Forschungsergebnisse publiziert werden oder in den Drittmittelquellen. Eine erfolgreiche Zusammenarbeit der Fakultäten erfordert deshalb immer, einen gemeinsamen Nenner und aufeinander abgestimmte Strategien zu finden, ohne, dass die Charakteristika der Fachbereiche verlorengehen.

Ein weiteres Spannungsfeld liegt zwischen der Grundlagenforschung und der angewandten Forschung. Auch hier unterscheiden sich die Ziele, die Herangehensweisen und Finanzierungsquellen. Eine moderne Universität muss in beiden Bereichen erfolgreich sein und sie eng miteinander verknüpfen. Die interdisziplinären Forschungs- und Transferschwerpunkte unserer Universität tragen deshalb ganz maßgeblich dazu bei, den Dialog über Fachgrenzen und Forschungsansätze hinweg zu fördern. Nur so können die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zugunsten gemeinsamer, universitätsweiter Ziele an einem Strang ziehen. Wenn das gelingt, gewinnen die besonderen Stärken unserer Universität an nationaler und internationaler Sichtbarkeit und wir bleiben wettbewerbsfähig.

 

Das vollständige Interview finden Sie in der Dezemberausgabe des uni:reports.

Letzte Änderung: 04.04.2018 - Ansprechpartner: Webmaster