Nightline Magdeburg

Nicht immer ist für Studierende eine Vertrauensperson erreichbar, welcher Kummer oder Sorgen mitgeteilt werden kann. Manchmal möchten Interessierte der Nightline Magdeburg schlichtweg mit einer neutralen Person reden. Die Hintergründe der Anrufer der Nightline Magdeburg sind sehr unterschiedlich, doch sie alle eint der Wunsch nach Kommunikation. Seit 2011 existiert die studentische Initiative an der Otto-von-Guericke-Universität. Studierende sind an zwei Tagen in der Woche erreichbar und reden mit den Anrufern über Bedenken oder auch Erfolge. Im Gespräch erklären Antonia und David, wieso die ehrenamtliche Arbeit bei der Nightline Magdeburg sie anspornt und was in Zukunft für das Projekt geplant ist.

1. Stellen Sie sich doch bitte kurz vor:

Hallo, wir sind Antonia und David von der Nightline Magdeburg.

2. Was ist die Nightline genau?

Das Konzept der Nightline gibt es an vielen Universitätsstandorten in Deutschland und Europa. Sie ist ein studentisches Zuhörtelefon – also ein Dienst von Studierenden für Studierende. Das bedeutet in der Praxis, dass es Studierende gibt, die sich mehrmals in der Woche in den Abendstunden (daher Nightline) ans Telefon setzen, um Anrufenden ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Probleme zu bieten. In Magdeburg telefonieren wir zweimal in der Woche: mittwochs und sonntags, jeweils von 21 Uhr bis Mitternacht.

3. Wie ist die Nightline entstanden und seit wann gibt es euch?

Die Idee für die Nightline selbst ist den 1970er Jahren in Großbritannien entstanden. Am Standort Magdeburg gibt es uns seit 2011 - eine kleine Gruppe an Studierenden hat sich zusammengefunden, da sie die Idee der Nightline toll fanden und diese auch hier umsetzen wollten. Seit 2012 gibt es den Telefondienst der Nightline. Er ist mittwochs und sonntags unter 0391 67 520 75 zu erreichen.

NightlineDie Nightline Magdeburg hat für Studierende ein offenes Ohr: Sonntags und mittwochs leisten Antonia und David wichtige Hilfe für Studierende, die sich ihre Sorgen von der Seele reden wollen.

4. Wie sind Sie auf die Nightline aufmerksam geworden und wieso letztendlich beigetreten?

Antonia: Ich habe 2012 eine E-Mail über den Studierendenverteiler erhalten, in der die Nightline Magdeburg nach neuen Mitgliedern gesucht hat. Daraufhin bin ich zur Info-Veranstaltung gegangen und habe mehr über das Konzept erfahren und fand dieses sehr unterstützenswert. Die Nightline bietet einen sehr niedrigschwelligen Dienst an – immerhin hat heutzutage jede und jeder die Möglichkeit (sehr günstig) zu telefonieren. Man muss uns also nur anrufen – das geht von überall aus. Außerdem arbeiten wir anonym, d.h., dass niemand weiß, wer am Telefon sitzt – auf beiden Seiten des Kabels. So kann ein ungezwungenes Gespräch entstehen.

David: Ich hatte vor zwei Jahren recht viel Zeit noch neben dem Studium und wollte diese sinnvoll nutzen. Ich bin dann auf die Nightline gestoßen und nach einem Treffen mit Antonia hat mich die Idee überzeugt und seitdem bin ich dort in der Orga aktiv. Die Grundintention der Nightline ist, dass die Lösung für das Problem schon beim/bei der Anrufenden liegt, dass diese Person die Lösung aber noch finden muss. Wir unterstützen diesen Prozess dann durch aktives Zuhören und systemische Fragestellungen, die helfen sollen, das Anliegen von allen Seiten zu betrachten.

Dabei sind wir offen für jedes Anliegen – wer Probleme hat und diese bearbeiten möchte, kann anrufen, aber auch, wer gerade sehr glücklich ist und das mit jemandem teilen möchte.

5. Welche aktuellen Projekte setzt die Nightline Magdeburg derzeit um?

Aktuell sind wir dabei, eine neue Homepage aufzusetzen. Dort werden dann wichtige Informationen zu uns als studentischer Organisation, unsere Telefonnummer und nächsten Termine veröffentlicht - und auch Artikel und Beiträge, die unserem Dienst nahestehende Themen ansprechen.

Daneben beschäftigen wir uns auch langsam mit der Erweiterung unseres Angebots. Aktuell sind wir zweimal in der Woche zu erreichen - vielleicht bieten wir in den kommenden Semestern mehr Telefonzeiten an. Neue Mitglieder sind immer herzlich willkommen! Außerdem gibt es in der Schweiz bereits einen erfolgreich durchgeführten Nightline-Chat-Dienst. Ob und wie wir diesen hier in Magdeburg anbieten können, gehört ebenso zu unseren aktuellen Projekten. Und schon seit Langem befassen wir uns mit der Option, unseren Dienst auch auf Englisch anzubieten, damit auch internationale Studierende die Möglichkeit haben, uns anzurufen.

6. Gibt es schon konkrete Pläne für die Zukunft? Was soll im kommenden Jahr anders werden?

Nun ja, unsere aktuellen Projekte sind auch die, die uns auf jeden Fall 2017 beschäftigen werden. Außerdem sind wir immer auf der Suche nach neuen, engagierten Studierenden. Immerhin lebt unser Angebot davon, dass es Leute gibt, die sich abends hinters Telefon klemmen und sich Zeit für die Anliegen anderer nehmen. Vielleicht werden wir ja auch irgendwann genügend Leute, um sicherzustellen, dass unser Dienst auch an mehr Tagen angeboten werden kann.

7. Wie können die gesammelten Erfahrungen bei der Nightline in den Uni-Alltag eingebracht werden?

Antonia: Ich denke, dass die Arbeit bei der Nightline hilft, mit mehr Empathie und Mitgefühl durch den Alltag zu gehen. So kann man die Bedürfnisse anderer erkennen und vielleicht auch diejenigen im eigenen Umfeld unterstützen, die die Nightline nicht anrufen – weil sie sie nicht kennen oder sich gar nicht eingestehen, dass sie Redebedürfnis haben.

David: Außerdem erlernt man durch die Organisationsarbeit auch, wieviel Struktur so ein freiwilliges Angebot benötigt. Man lernt sich und andere zuverlässig zu organisieren und auch zu motivieren, immerhin tun wir dies ja alle ehrenamtlich.

8. Wie können Interessierte mit Nightline schnell und einfach in Kontakt treten?

Am besten, indem sie uns eine E-Mail schreiben: nightline@magdeburg.de

9. Wenn ihr 2017 etwas an der Uni Magdeburg verändern könntet, dann wäre das ...

…, dass es mehr Aufklärung über studentische Initiativen gibt. Wir sind beide sehr spät in unserer studentischen Laufbahn mit dieser Form des Engagements in Kontakt gekommen und es gibt kaum Bachelor-Erstsemester, die sich bei uns engagieren. Dabei leisten alle studentischen Initiativen – Studierendenrat, Fachschaftsräte, Referate, etc. – so wichtige und unterstützenswerte Arbeit. Dass hierfür mehr Sensibilität und Aufmerksamkeit innerhalb der Studierendenschaft, aber auch bei den Lehrenden und in der Uni-Verwaltung entsteht, ist uns wichtig.

10. Zum Abschluss: Was sind eure ganz persönlichen Wünsche für das Jahr 2017?

Antonia: Ein solidarisches und empathisches Miteinander auf dieser Welt. Im Kleinen starten wir ja schon damit mit unserem Telefondienst.

David: Ich wünsche mir, dass die Umbauarbeiten am Damaschkeplatz zügig vorrangehen damit die Linie 1 nicht wieder so lange ausfällt.