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August

Kinder-Uni Magdeburg bringt „Kariestunnel“ in den Hörsaal

24.08.2017 -

Wie funktioniert unser Gebiss, welche Aufgaben haben Zähne, Zunge und Speichel? Wie sieht gesunde Ernährung aus, und warum ist es so wichtig, gründlich die Zähne zu putzen? In der Septemberausgabe der Kinder-Uni Magdeburg wird die Zahnärztin Dr. med. dent. Juliane Hertwig die Besucherinnen und Besucher im Grundschulalter mit auf die Reise durch die Mundhöhle nehmen und anschaulich erklären, warum es für Kinder und Erwachsene so wichtig ist, ihre Zähne gesund zu halten.

Zwischen dem ersten und dem zweiten Vortragsteil können die Kinder im sogenannten „Kariestunnel“ erkunden, wie sauber ihre Zähne wirklich sind: Mit einem Tropfen einer speziellen Tinktur im Mund werden schädliche Zahnbeläge unter Schwarzlicht sichtbar. Darüber hinaus gibt es für die Kinder Gelegenheit, ein Zahn-Säure-Experiment durchzuführen, sich über zahngesunde Ernährung zu informieren und beim Glücksrad zu gewinnen.

 

WAS: „Wissen mit Biss – Notruf aus der Mundhöhle“, Vorlesung der Kinder-Uni Magdeburg
WANN: 23. September 2017, 11:00 bis 13:00 Uhr
WO: Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Universitätsplatz 2, 39106 Magdeburg, Gebäude 16, Hörsaal 5

 

Die kostenfreie Anmeldung für die Kinder-Uni ist ab 11. September 2017 auf der Website oder telefonisch Montag bis Freitag von 13:00 bis 16:00 Uhr unter der Hotline 0391 67-11888 möglich. Gäste ohne Kinder-Uniausweis können diesen bei der Anmeldung beantragen.

Kinderuni 2015Archivfoto Kinderuni 2015 (Foto: Stefan Berger/Universität Magdeburg)

Die Kinder-Uni Magdeburg ist eine Veranstaltungsreihe für Kinder zwischen 8 und 12 Jahren, in der Wissenschaftsthemen unterhaltsam und altersgruppengerecht vorgestellt werden. Über 17.000 Schüler haben die bereits über 80 Vorlesungen besucht.

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Plattform-Chemikalien aus nachwachsenden Rohstoffen

23.08.2017 -

Verfahrenstechniker der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg arbeiten erfolgreich daran, die für die Herstellung vieler chemischer Produkte bisher verwendeten Ausgangsstoffe Erdöl und Erdgas durch nachwachsende Rohstoffe zu ersetzen. Vor dem Hintergrund knapper werdender fossiler Rohstoffe suchen sie gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Dortmund, Berlin und Magdeburg nach neuen hocheffizienten und nachhaltigen Produktionsrouten, mit deren Hilfe langkettige Kohlenwasserstoffe in Ausgangsstoffe für Farben, Lacke, Arznei-, Wasch- oder Reinigungsmittel umgewandelt werden können.

Gruppenfoto SFB-TR63 (c) Harald KriegProjektgruppe des Sonderforschungsbereichs Transregio 63 (Foto: Harald Krieg/Universität Magdeburg)

„Die meisten chemischen Produktionsprozesse basieren heute noch immer auf petrochemischen Rohstoffen, also letztlich auf Erdöl, welches langfristig zunehmend teurer werden wird und dessen Verwendung die Umwelt belastet“, erläutert Prof. Dr.-Ing. Kai Sundmacher vom Institut für Verfahrenstechnik der Universität. „Wir wollen anstelle von Erdöl nun langkettige Kohlenwasserstoffe einsetzen, die aus nachwachsenden Rohstoffen, z. B. aus Sonnenblumen, gewonnen werden können.“

Um die chemischen Umwandlungsprozesse effizienter und umweltverträglicher durchzuführen, werden spezielle homogene Katalysatoren eingesetzt. Diese Katalysatoren schwimmen im Reaktionsgemisch und können jedes Rohstoffmolekül zielgerichtet in das gewünschte Produktmolekül umbauen. Allerdings müssen die Katalysatoren nach ihrem Einsatz vom Produkt getrennt werden. Dieses Recycling ist aus ökonomischen Gründen notwendig, weil die eingesetzten Katalysatoren aus hochwertigen Metallen (z. B. Rhodium) sowie aus komplexen organischen Strukturen (Liganden) bestehen.

17 Millionen Euro Förderung durch Deutsche Forschungsgemeinschaft

Das seit 2010 laufende Vorhaben wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen des Sonderforschungsbereichs / Transregio 63 „InPROMPT: Integrierte chemische Prozesse in flüssigen Mehrphasensystemen“ mit insgesamt 17 Millionen Euro bis Ende 2017 gefördert. Mehr als 60 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, der Technischen Universitäten Berlin und Dortmund, der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin sowie des Max-Planck-Instituts für Dynamik komplexer technischer Systeme Magdeburg sind an diesem Verbundprojekt beteiligt.

Es sei eine große Herausforderung, die eingesetzten Katalysatoren vollständig zurückzugewinnen, so Sundmacher. „Dies kann gelingen, indem man schaltbare Lösungsmittel verwendet, die bei Abkühlung in zwei flüssige Phasen zerfallen. In der einen Phase reichert sich dann das Zielprodukt an, in der anderen Phase der Katalysator“, führt Professor Sundmacher aus.

Im Institut für Verfahrenstechnik der Universität Magdeburg wird zurzeit in einem neuartigen Versuchsreaktor untersucht, wie die Reaktionspartner, der Katalysator und das Lösungsmittel in den Produktionsprozess eingespeist werden müssen, um eine optimale Ausbeute an Produkt zu erhalten. Der Versuchsreaktor wurde in Kooperation mit der TU Dortmund entwickelt und ist Teil einer Anlage, in welcher der gesamte Produktionsprozess nachgestellt wird. Diese Anlage en miniature macht es den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern möglich, den Ablauf der chemischen Reaktion, die Stabilität des homogenen Katalysators und die Effizienz der schaltbaren Lösungsmittelsysteme realitätsnah zu bewerten. Die an der Anlage gewonnenen Erkenntnisse bilden die Grundlage für eine spätere Überführung des neuartigen Produktionsprozesses in die industrielle Anwendung.

Vor Versuchsreaktor (c) Harald KriegDie Wissenschaftler Jens Dreimann, Michael Jokiel, Prof. Dr. Kai Sundmacher und Stefanie Markstein (v.li.n.re.) aus Magdeburg und Dortmund besprechen am Versuchsreaktor die letzten Details vor dessen Überführung nach Dortmund. Der Versuchsreaktor ist Teil einer Anlage, in welcher der gesamte chemische Produktionsprozess nachgestellt wird. (Foto: Harald Krieg/Universität Magdeburg)

„Langfristig wollen wir eine Methodik entwickeln, mit der man auf Basis von Computersimulationen die optimale Prozesskonfiguration, die intelligenteste Betriebsführung und das beste Lösungsmittel vorausberechnen kann. Damit könnte man die Prozessentwicklung insgesamt stark beschleunigen und die Experimente so planen, dass man den größtmöglichen Informationsgewinn erzielt“, erklärt der Magdeburger Koordinator des Projekts, Prof. Dr.-Ing. Kai Sundmacher. „Die Magdeburger Teilprojekte übernehmen innerhalb des Sonderforschungsbereichs eine wichtige Brückenfunktion, indem sie die chemisch-physikalischen Grunddaten und Teilprozesse in effiziente Produktionskonzepte übersetzen.“

 

Bilder zum Download:

Bild 1 // Quelle: Harald Krieg/Universität Magdeburg // Bildunterschrift: Die Wissenschaftler Jens Dreimann, Michael Jokiel, Prof. Dr. Kai Sundmacher und Stefanie Markstein (v.li.n.re.) aus Magdeburg und Dortmund besprechen am Versuchsreaktor die letzten Details vor dessen Überführung nach Dortmund. Der Versuchsreaktor ist Teil einer Anlage, in welcher der gesamte chemische Produktionsprozess nachgestellt wird.

Bild 2 // Quelle: Harald Krieg/Universität Magdeburg // Bildunterschrift: Projektgruppe des Sonderforschungsbereichs Transregio 63

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Mit der Straßenbahn zu IKEA und der Cargo-Rikscha nach Hause

21.08.2017 -

Logistiker der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg unterstützen das schwedische Möbelhaus IKEA dabei, ein nachhaltiges Verkehrskonzept umzusetzen. Am Lehrstuhl für Logistik entwickelte Prof. Dr.-Ing. Hartmut Zadek gemeinsam mit dem Umweltamt der Landeshauptstadt Magdeburg und Studierenden ein Konzept für umweltfreundliche Mobilität. Das sieht vor, ein E-Lastenrad-Verleihsystem in Magdeburg aufzubauen, in das die Neuansiedlung im Norden der Stadt eingebunden ist.

Neben den 1.100 PKW-Parkplätzen, vier kostenlosen Ladestationen für E-Autos und 90 Fahrradstellplätzen werden dort – je nach Größe des Einkaufs – nicht nur zwei Elektro-Kleintransporter, sondern auch Lastenfahrräder mit Elektroantrieb den Besucherinnen und Besuchern zur Verfügung stehen.

E-Rikscha-Cargoversion (c) Alexander Hannebohm 2
Die Rikscha-Cargoversion eines Elektro-Lastenfahrrades kann in dem ein Kubikmeter großen Frachtraum gut 70 bis 80 Kilogramm transportieren. (Foto: Alexander Hannebohm/Universität Magdeburg) 

Mit 16 km/h den IKEA-Einkauf nach Hause bringen

Am Institut für Logistik und Materialflusstechnik der Universität ist bereits ein passender Fuhrpark zusammengestellt worden: So hat eine Rikscha-Cargoversion bis zu einem Kubikmeter Frachtraum und kann gut 70 bis 80 Kilogramm transportieren. Sind in Großstädten wie Magdeburg Autos im Schnitt mit einer Geschwindigkeit von 27 Kilometern pro Stunde unterwegs, erreicht das E-Lastenrad bereits eine Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 16 Kilometer pro Stunde. „Vor dem Hintergrund, dass viele Städte darüber nachdenken, im Innenstadtbereich die Geschwindigkeit auf 30 Kilometer pro Stunde zu beschränken, relativiert sich der Unterschied zwischen Auto und E-Fahrrad noch weiter“, gibt Professor Zadek zu bedenken. Neben der positiven CO₂-Bilanz seien die E-Lastenfahrräder als Pedelec auch noch kostengünstig, benötigten keine Zulassung und Steuern würden auch nicht erhoben.

„Derzeit erarbeiten wir mit dem Umweltamt der Landeshauptstadt Magdeburg sowie dem ADFC ein konkretes Bewirtschaftungskonzept für die E-Lastenrad-Nutzung, aber grundsätzlich sollen die Ausleihstationen ähnlich dem Prinzip von Carsharing-Anbietern funktionieren“, erläutert der Logistiker Hartmut Zadek. IKEA-Kunden könnten mit der Straßenbahn zum Einkauf fahren und anschließend ein E-Lastenfahrrad ausleihen, um die Neuerwerbungen sicher in die eigenen vier Wände zu transportieren. Für die Rückgabe könnten dann Fahrradgaragen genutzt werden, die im Stadtgebiet verteilt eingerichtet werden müssten.

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit fördert den Aufbau eines E-Lastenrad-Verleihsystems in der Landeshauptstadt mit rund 200.000 Euro, so dass drei Garagenanlagen bis Ende 2018 in Magdeburg aufgebaut werden können. Eine Pilot-Garage für E-Lastenfahrräder entsteht derzeit auf dem Campus der Universität. „Dieses Konzept wird auf Dauer nur im Zusammenwirken mit der Stadt funktionieren, denn neben den Ausleihstationen gehört dazu eine nachhaltige Infrastruktur, beispielsweise für Lastenfahrräder ausgebaute Radwege und ein Netz von Ladestationen für E-Bikes oder auch die Einbindung anderer Einkaufsmöglichkeiten, wie den Flora-Park oder Baumärkte, in das Radwegenetz“, unterstreicht Professor Zadek. „Viele Städte mit einem Lastenfahrradnetz gibt es in Deutschland bislang nicht. Die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts könnte da Vorreiterin werden.“

 

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Bild 1 // Quelle: Alexander Hannebohm/Universität Magdeburg // Bildunterschrift: Die Rikscha-Cargoversion eines Elektro-Lastenfahrrades kann in dem ein Kubikmeter großen Frachtraum gut 70 bis 80 Kilogramm transportieren.

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Studienplatzberatung per WhatsApp

17.08.2017 -

Die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg erweitert ihren Service für Studieninteressierte und bietet die Möglichkeit, Fragen rund ums Studieren und Wohnen über den Instant-Messaging-Dienst WhatsApp zu stellen.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen als Ansprechpartner für:

  • Auskünfte zu Studienfächern,
  • Studieninhalten und
  • Zulassungsbedingungen zur Verfügung.


Auch Fragen zu:

  • studentischen Leben in Magdeburg,
  • zu Berufschancen oder
  • Karrierewegen sind erwünscht.


Die Beantwortung fachspezifischer Fragen übernehmen die Studienfachberater der Fakultäten oder auch die Mitarbeiter der allgemeinen Studienberatung.

Das Chatangebot unter der Telefonnummer +49 160 94774154 startet am 21. August 2017, 8:00 Uhr und endet zum Beginn des Wintersemesters am 4. Oktober 2017.

„Bei über 100 Bachelor- und Masterstudiengängen an der Universität Magdeburg, benötigt es häufig Unterstützung, das passende Studium für sich zu finden. Mit der WhatsApp-Studienberatung möchten wir näher an die Studieninteressierten heranrücken und sie dort erreichen, wo sie sich ohnehin oft aufhalten. So haben sie Gelegenheit, unkompliziert und schnell Informationen aus erster Hand zu erhalten“, unterstreicht der Rektor, Prof. Dr.-Ing. Jens Strackeljan.

Die über WhatsApp übermittelten Daten werden ausschließlich zum Zweck der Beantwortung der Fragen genutzt und nach Abschluss der Chats gelöscht.

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Hochempfindliche Lichtringe als Detektive

14.08.2017 -

Physiker der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg haben Sensoren entwickelt, die kleinste Nanopartikel in ihrer Umgebung wahrnehmen können. Die Wissenschaftler um Prof. Dr. Jan Wiersig vom Lehrstuhl für Theoretische Physik haben gemeinsam mit Kollegen aus den USA sogenannte Mikroresonatoren, eine Art Lichtspeicher, so beeinflusst, dass sie extrem kleine Teilchen, etwa aus gefährlichen oder medizinisch relevanten Stoffen, erkennen können. Die Forschungsergebnisse wurden soeben in dem renommierten internationalen Fachjournal Nature veröffentlicht.

Sensoren spielen eine große Rolle in unserem Alltag, z. B. als Bewegungsmelder oder Temperatursensoren. Die Sensoren, mit denen sich die Wissenschaftler um Prof. Jan Wiersig beschäftigen, sind mit dem bloßen Auge kaum sichtbar, wie ein Schwimmreifen geformt und in der Lage, Licht in ihrem Inneren einzuschließen. Das gespeicherte Licht wird mittels feinster Nadeln, sogenannter Nanonadeln, von den Wissenschaftlern in der Frequenz verändert und in einen Zustand versetzt, bei dem das Licht hochsensibel auf äußere Einflüsse reagiert. Wissenschaftler sprechen hier vom „exzeptionellen Punkt“. Kommen nun kleinste Teilchen, etwa Wirkstoffe eines Medikamentes, in die Nähe des Sensors, verändert sich die Farbe des eingeschlossenen Lichts. Diese Veränderungen sind für das menschliche Auge nicht sichtbar, mit einem Spektrometer aber präzise zu bestimmen.

Abbildung Mikroresonator-Sensoren (Ringe)Illustration der Mikroresonator-Sensoren (Ringe) zum Aufspüren kleinster Teilchen (durchsichtige Kugeln). Die blauen Kugeln visualisieren die Nanonadeln welche den exzeptionellen Punkt installieren. Die Pfeile geben die Richtung an, in der das Licht gestreut wird. (Bild: W. Chen and Prof. L. Yang, Washington University in St. Louis)

„Wir freuen uns, dass es uns erstmals gelungen ist, das relativ abstrakte mathematische Konzept ‚exzeptioneller Punkt’ zur Verbesserung von Sensoren zu verwenden“, so der Physiker Prof. Jan Wiersig. „Die Oberflächen dieser extrem sensiblen Sensoren könnten künftig sehr verlässlich und präzise auch winzige Mengen von Fremdstoffen in Flüssigkeiten oder Gasen erkennen.“

 

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Bild 1 // Quelle: W. Chen and Prof. L. Yang, Washington University in St. Louis // Bildunterschrift: Illustration der Mikroresonator-Sensoren (Ringe) zum Aufspüren kleinster Teilchen (durchsichtige Kugeln). Die blauen Kugeln visualisieren die Nanonadeln welche den exzeptionellen Punkt installieren. Die Pfeile geben die Richtung an, in der das Licht gestreut wird.

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Geschenksendung – Keine Handelsware!

11.08.2017 -

Es war – so Zeitzeugen - ein unverwechselbarer Duft aus Kaffee, Seife, Schokolade und Puddingpulver, der dem Empfänger der so genannten Westpakete in die Nase stieg. Mehrere Millionen Päckchen und Pakete passierten über drei Generationen hinweg nach Kriegsende die innerdeutsche Grenze Richtung Osten, aber auch retour. Mit unterschiedlichen Inhalten, aber auch sich wandelnden Bedeutungen. Sowohl von der Staatssicherheit als auch dem bundesrepublikanischen Zoll kontrolliert, wurde der Inhalt der Pakete zu einem Gradmesser der verschiedenen Systeme und trug dazu bei, dass die Menschen im geteilten Deutschland in Kontakt blieben. Nach der Wiedervereinigung kam aber sowohl in ost- als auch westdeutschen Familien oft Enttäuschung auf.

MfS-BV-Lpz-Abt-VII-Fo-01320-Seite-0001-Bild-0009Foto: Archiv der BStU / MfS-BV-Lpz-Abt-VII-Fo-01320-Seite-0001-Bild-0009

Das sind die Ergebnisse einer Forschungsarbeit der Historikerin Konstanze Soch von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Im Rahmen ihrer Dissertation beschäftigte sie sich mit der – weit über die des Geschenks hinausgehende - Bedeutung der Ost- und Westpakete während des kalten Krieges.

Zeitzeugen, Paketinhaltslisten, private Fotos und Briefe

Sie interviewte über 40 Zeitzeugen in Ost und West, wühlte in Archiven und Dokumenten, sichtete Paketinhaltslisten und private Fotos und Briefe. An lebendigen Beispielen und sehr persönlichen Geschichten hat die Wissenschaftlerin damit einen besonderen Aspekt der deutsch-deutschen Geschichte aufgearbeitet und versucht, die Geschenksendungen zwischen dem Osten und dem Westen Deutschlands grundlegend in all ihren Facetten nachzuvollziehen.

„Stand nach Kriegsende und der Gründung der beiden deutschen Staaten ab 1949 vor allem die gegenseitige Unterstützung im Mittelpunkt, entwickelte sich bei den Bürgern in der Bundesrepublik das Gefühl, im ‚besseren Deutschland’ zu leben, und damit auch eine Art Verantwortungsbewusstsein für die in der ‚Zone’ Lebenden, waren sie in der Bundesrepublik doch bis vor Kurzem selbst noch Empfänger der sogenannten Care-Pakete gewesen,“ so die Wissenschaftlerin.

Waren es am Anfang eher Grundnahrungsmittel, griffen die Versender der zweiten Generation gerne zu Genussmitteln und Markenprodukten. „Für die dritte Gruppe der Versender von Westpaketen, den in den 1960er-Jahren Geborenen, gehörten die Mauer und Teilung Deutschlands zum Alltag. Neben dem Standardpaket, welches sich in jeder Familie auf die ein oder andere Art und Weise herausgebildet hatte, erfüllten auch sie gerne Wünsche nach speziellen Kleidungsstücken oder technischen Geräten“, so Soch. Grundsätzlich blieben sie aber bei der Inhaltsauswahl der Generation ihrer Eltern treu, mit denen sie als Kinder oft zusammen die „Westpakete“ gepackt hatten.

Päckchen als direkte Kommunikation zwischen Ost- und Westdeutschland

Nach der Wiedervereinigung entstand in manchen bundesrepublikanischen Familien der Eindruck, dass ihren Mühen nicht ausreichend Rechnung getragen wurde, so Soch. „Nun, da die Rollenverteilung von ‚Gebenden’ und ‚Nehmenden’ nicht mehr existierte und die Menschen im Osten nicht mehr auf Produkte und Ratschläge aus dem Westen angewiesen waren, entstand bei vielen Westdeutschen ein Gefühl der Undankbarkeit.“

Und in Ostdeutschland erfuhren die Menschen, wo ihre Verwandten die Paketinhalte erworben hatten und deren Preis. Ihre damalige unmittelbare Freude über die erhaltenen Lebensmittel trübte diese Erkenntnis, so die Historikerin Soch. Durch die Wiedervereinigung wurde in vielen Familien offenbar, dass den Päckchen und Paketen eine unterschiedliche Funktion zugewiesen wurde. Diese Alltäglichkeiten seien es, die uns die Zeit der deutschen Teilung verständlicher erscheinen lassen.

„Wie kein anderer Gegenstand ermöglichten die Päckchen und Pakete eine direkte Kommunikation zwischen Ost- und Westdeutschland, sowohl auf persönlicher als auch politischer Ebene. Die Untersuchung führt somit direkt in das Herz der Abgrenzungs- und Annäherungsversuche beider deutschen Staaten und dadurch unmittelbar in die politischen Kulturen im geteilten Deutschland“, fasst die Historikerin zusammen.

Die Forschungsarbeit wird voraussichtlich im kommenden Juni beim Campus Verlag unter dem Titel: „Eine große Freude? Der innerdeutsche Paketverkehr im Kalten Krieg (1949-1989)“ erscheinen.

 

Konstanze Soch (c) privat

Konstanze Soch

1988 geboren, studierte Konstanze Soch Kulturwissenschaften und Europäische Kulturgeschichte an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Nach dem Masterabschluss 2013 war sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Geschichte der Neuzeit der Universität Magdeburg.  Konstanze Soch ist seit August 2017 Mitarbeiterin bei der „Bundesbehörde für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik“. Foto: privat

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Wie das Gehirn Gelerntes bewertet

10.08.2017 -

Wissenschaftler der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg haben herausgefunden, wie unser Gehirn die Speicherung von unterschiedlich wichtigen Informationen kontrolliert. Das Team um den Neurobiologen Prof. Dr. Oliver Stork von der Fakultät für Naturwissenschaften konnte eine Gruppe von Nervenzellen im Gehirn identifizieren, die unterschiedliche Sinneseindrücke gegeneinander abwägen und den gemachten Erfahrungen unterschiedliche Bedeutungen und Prioritäten zuweisen. 

Das Verständnis, wie unser Gehirn Erfahrungen unterschiedlich bewertet und abspeichert ist wichtig, um Störungen in diesem Prozess, wie sie bei Autismus oder der posttraumatischen Belastungsstörung auftreten, besser verstehen und behandeln zu können.

„Die kontinuierliche Speicherung und Bewertung von gemachten Erfahrungen sind für unser tägliches Leben und unsere Anpassung an die Umwelt unverzichtbar“, so der Neurobiologe Prof. Dr. Oliver Stork vom Institut für Biologie der Fakultät. „Diese Funktion setzt aber voraus, dass unser Gehirn im Rahmen von Lernvorgängen die unterschiedlichsten Sinneseindrücke miteinander vergleicht und in ein sinnvolles Gesamtbild integriert. Wir haben jetzt herausgefunden, wie die Abwägung der Bedeutung solcher Kontextinformationen vonstattengeht.“ 

Stork_Albrecht_Raza (c) Harald KriegProf. Dr. Oliver Stork, Dr. Dr. Anne Albrecht und Syed Ahsan Raza (v.li.n.re.) haben herausgefunden, wie unser Gehirn die Speicherung von unterschiedlich wichtigen Informationen kontrolliert. (Foto: Harald Krieg, Universität Magdeburg)


Seine Arbeitsgruppe hat in diesem Zusammenhang eine Gruppe von Nervenzellen identifiziert, so genannte HIPP-Zellen, die bei der Erlernung eines Kontexts aktiviert werden und selektiv dessen Gewichtung gegen andere erlernte Reize bestimmen. Syed Ahsan Raza, Doktorand der OVGU mit pakistanischen Wurzeln, und Dr. Dr. Anne Albrecht, die nach einem Forschungsaufenthalt in Israel jetzt wieder in Magdeburg forscht, waren entscheidend an der Studie beteiligt. Gemeinsam mit Partnern aus der Medizinischen Fakultät konnten die Wissenschaftler die Funktionsweise und Aktivierungsmechanismen dieser HIPP-Zellen aufklären. Sie wiesen nach, dass sowohl die Stärke als auch die Funktion des HIPP-Zell-Schaltkreises erfahrungsabhängig reguliert werden kann.

Die Studienergebnisse sind soeben in der international renommierten Zeitschrift Nature Communications veröffentlicht worden.

Prof. Oliver Stork ist Lehrstuhlinhaber für Genetik und Molekulare Neurobiologie an der Fakultät für Naturwissenschaften der Universität Magdeburg. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen unter anderem in der Erforschung der Mechanismen der Gedächtnisbildung, auf dem Gebiet der seltenen Erkrankungen des Zentralnervensystems und im Bereich Angststörungen.

 

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Bild 1 // Quelle: Harald Krieg/Universität Magdeburg // Bildunterschrift: Prof. Dr. Oliver Stork, Dr. Dr. Anne Albrecht und Syed Ahsan Raza (v.li.n.re.) haben herausgefunden, wie unser Gehirn die Speicherung von unterschiedlich wichtigen Informationen kontrolliert.

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Als Azubi in eine neue Zukunft

02.08.2017 -

An der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg werden seit dem 1. August 14 junge Männer und Frauen in sechs Ausbildungsberufen ausgebildet. Die Azubis starten in den Berufen Büromanagement, Mediengestaltung Digital und Print, Industriemechanik, Fachinformatik, Veranstaltungstechnik sowie Medien- und Informationsdienste ihre Ausbildung. Die Otto-von-Guericke-Universität zählt jedes Jahr durchschnittlich 14 neue Azubis, die über die oben genannten Berufe hinaus auch im Bereich Mediengestaltung Bild und Ton, Mikrotechnologie, Mechatronik und Tierpflege eine Ausbildung beginnen können.

Zu den Auszubildenden gehört auch Fadwa Ahmar. Die 25-Jährige wohnt mit ihrem Mann, einem studierten Informatiker, und dem elf Monate alten Sohn seit zwei Jahren in Magdeburg. „Ich habe in Syrien Arabische Literatur an der Tischrin-Universität studiert und denke, dass es bestimmt schwierig sein wird, mit meinem Studium einen passenden Job in Deutschland zu finden. Aus diesem Grund habe ich mich für die Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement an der Universität entschieden“, so die junge Frau, die in ihrem Heimatland drei Jahre lang als Lehrerin gearbeitet hat.

Foto im Text_Auszubildende Fadwa Ahmar der Universität Magdeburg (c) Gregor BuhseFadwa Ahmar hat an der Universität Magdeburg die Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement begonnen. (Foto: Gregor Buhse/Universität Magdeburg)

Sie genieße an der Universität Magdeburg den internationalen Austausch und Kontakt mit vielen jungen Menschen. „Mit meinen Kollegen und Kolleginnen kann ich hier an der Universität auch Englisch sprechen, was die Kommunikation für mich noch leichter macht. Mein Deutsch wird durch das Team und die Arbeit hier auch verbessert“, beschreibt sie. Die junge Mutter hat vor der Schwangerschaft bereits sieben Monate die deutsche Sprache erlernt und besucht in den kommenden Wochen einen Sprach-Abendkurs.

 

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Bild 1 // Quelle: Gregor Buhse/Universität Magdeburg // Bildunterschrift: 14 neue Azubis an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Bild 2 // Quelle: Gregor Buhse/Universität Magdeburg // Bildunterschrift: Fadwa Ahmar hat an der Universität Magdeburg die Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement begonnen.

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Letzte Änderung: 11.09.2017 - Ansprechpartner:

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