Architektur der Universitätsbibliothek markiert Wissenschaftsmeile

Universitätsbibliothek wird am 01. Oktober 2003 feierlich eröffnet Außergewöhnliche Architektur des Bibliotheksneubaus und attraktives Dienstleistungsangebot

Geschichte:
Die heutige Struktur der Universitätsbibliothek der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg ist im Jahre 1993 durch die Zusammenlegung der ehemaligen Bibliotheken der Technischen Universität, der Pädagogischen Hochschule und der Medizinischen Akademie Magdeburg entstanden.

Die Bibliothek bzw. ihre Vorgängereinrichtungen mussten seit 1953 für die Aufbewahrung und Bereitstellung der Literatur verschiedene Raumprovisorien nutzen. Sie war in Bürogebäuden, Wohnheimen und Turnhallen untergebracht. Seit 1980 befand sich der größte Teil der Hauptbibliothek in den Räumen der ehemaligen Mensa. Trotz umfangreicher Sanierungsmaßnahmen waren Ende der 90er Jahre dann alle zur Verfügung stehenden Raumkapazitäten erschöpft. Die ersten Vorbereitungen für einen Neubau begannen 1995 mit der Erarbeitung eines Bedarfsprogramms mit einer Machbarkeitsstudie durch Prof. Gottschalk von der Hochschule der Künste Berlin. Auf Basis dieser Studie wurde der Architektenwettbewerb ausgelobt. Das Architekturbüro Auer + Weber + Architekten, Stuttgart, erhielt den 1. Preis und den Auftrag.
Baubeginn war 1999, die Grundsteinlegung am 24. Mai 2000 und das Richtfest am 17. Juli 2001. Die Baufertigstellung war im Sommer 2003.

Städtebauliches Konzept:
Der vom Architekturbüro Auer + Weber + Architekten, Stuttgart, realisierte Neubau ist Bindeglied zwischen Universität und Stadt und komplettiert zugleich die entstehende Wissenschaftsmeile. Trotz ihrer peripheren Lage im Campus fügt sich die Bibliothek in die Universitätsneubauten ein, insbesondere auch durch die eigenwillige architektonische Gestaltung des gefalteten Bandes, das die Studienlandschaft symbolisieren soll. Wie ein Finger weist sie zur Campusmitte hin. Die in Ost-West-Richtung verlaufende Magistrale der Universität mündet im Osten in einen zentralen Platz, der sich zwischen den künftigen Haupteingängen von Mensa, Bibliothek, Rechenzentrum und dem ab Sommersemester 2004 zur Verfügung stehenden zukünftigen größten Hörsaal, zu einem wichtigen Treffpunkt des studentischen und universitären Lebens entwickeln wird.

Architektonisches Konzept:
Der Entwurf des Gebäudes folgt dem Prinzip der Faltung einer bandartigen Fläche, wobei sich über lange, ungebrochene Diagonallinien ein räumliches Kontinuum entwickelt. Die Idee der kontinuierlichen Faltung eines polygonalen Bandes ist in den Fassaden ablesbar. Die Außenwände, die sich aus der Auffaltung der Geschossdecken ergeben, wurden in Sichtbeton, die übrigen Fassaden wurden als leichtere Konstruktionen (Stahl/Glas/Holz) ausgeführt und zwischen die Geschossdecken gestellt. Beginn der kontinuierlichen inneren Gebäudefaltung ist eine schwach geneigte Eingangsrampe, die von außen in das Innere der Bibliothek leitet.

Der Gesamtgrundriss der Bibliothek verläuft über eine Länge von ca. 100 m trapezförmig von einer Breite von ca. 100 m auf eine Breite von ca. 50 m zusammen. Auf Grund des Faltungsprinzips erstrecken sich die einzelnen Geschossdecken nicht über die gesamte Grundrissfläche.

Das Gebäude ist teilunterkellert und hat im ersten Bauabschnitt neben dem Untergeschoss und Erdgeschoss drei Obergeschosse. Die zukünftige Bedarfsentwicklung kann in einem bereits geplanten zweiten Bauabschnitt unter Weiterführung des Faltungsprinzips um ein weiteres Geschoss mit der Aufstockung abgedeckt werden. Bei der Konstruktion und Berechnung des Tragwerks wurde der geplante zweite Bauabschnitt bereits berücksichtigt.

Zum Schutz gegen direkte Wärmestrahlung befinden sich an den Glasfassaden vertikale und horizontale Sonnenschutzeinrichtungen, die entsprechend den speziellen Erfordernissen innen- bzw. außenliegend installiert sind. Individuelle Arbeitsplatzleuchten an den Lesetischen und in die Regalsysteme integrierte, abgestimmte Langfeldleuchten schaffen eine konzentrierte Arbeitsatmosphäre. Die Bürobereiche erhalten abgependelte Langfeldleuchten als klassische Arbeitsplatzbeleuchtung. Im Außenbereich werden die weit vom Gebäude überdachten Flächen durch Einbauleuchten erhellt. Partiell kommen Bodenstrahler zum Einsatz, die an exponierten Stellen Einzelheiten des Gebäudes im Sinne seiner herausgehobenen Bedeutung unterstreichen.

Bibliothekarisches Konzept:
Im Bibliotheksneubau wurde das Prinzip des einschichtigen Bibliothekssystems in einer zentralen Campusbibliothek umgesetzt. Bestände aus noch vorhandenen Fakultäts- und Institutsbibliotheken wurden mittelfristig im Neubau zentralisiert und sind optimal nutzbar. 70 bis 80 Prozent der Bibliotheksbestände steht den Nutzern in Freihandaufstellung direkt zur Verfügung. Die restliche Literatur wird für die Benutzung in den Lesebereichen oder zur Ausleihe am Ort bzw. für die Fernleihe aus dem Magazin, das sich im Untergeschoss befindet und mit fahrbaren Regalanlagen ausgestattet ist, bereitgestellt.

Mit der offenen, transparenten Gestaltung des Gebäudes und einem klar definierten Leitsystem kann sich der Bibliotheksbenutzer leicht orientieren. Von einem multifunktional nutzbaren Vorraum, u.a. mit Ausstellungsfläche und Cafeteria, gelangt der Nutzer in eine offene, räumlich vertikal und horizontal miteinander verbundene Bibliotheks- und Leselandschaft, die sich um ein zentral gelegenes Atrium erstreckt. Das glasgedeckte Atrium ist die räumliche Mitte und dient der klaren Orientierung und Erschließung der Bibliotheksflächen.

Im leicht erhöhten Erdgeschoss befinden sich Ausleihe, der Informationsmittelbestand und allgemeine Literatur sowie die OPAC-Arbeitsplätze (Online Public Access Catalogue, in diesem Online-Katalog ist der Bestand der UB recherchierbar), in den Obergeschossen die Buch- und Zeitschriftenstellflächen sowie die Leseplätze, jeweils gegliedert nach Fächern bzw. Fachbereichen. Hier befinden sich Auskunftstheken, Carrels und auch Gruppenarbeitsräume.

Für den Bibliotheksbenutzer stehen in allen Bibliotheksebenen Leseplätze unterschiedlichster Typologie zu Verfügung. Die überwiegende Anzahl sind Einzelarbeitsplätze, die insbesondere in den Carrels ein störungsfreies Arbeiten ermöglichen. Abgeschlossene Gruppenarbeitsräume erlauben das Studium mit Meinungsaustausch in kleinen Teams.
Die technische Ausstattung entspricht den zukünftigen Anforderungen an eine moderne Bibliothek. Sämtliche Leseplätze sind mit Daten- und Stromanschluss sowie individuellen Leseleuchten ausgestattet, so dass der Nutzer die Möglichkeit hat, direkt an einem der etwa 150 PC-Arbeitsplätze am Computer zu arbeiten, an anderen seinen Laptop oder ganz konventionell die vorhandenen Printmedien zu nutzen. In einem speziell ausgestatteten Multimediaraum stehen 8 Workstations für die Nutzung audiovisueller Medien zur Verfügung. Auf allen Ebenen befinden sich Kopierräume mit modernen Druck- und Kopiersystemen, die einfache Kopien aber auch PC-Ausdrucke im Netz erlauben.

Die Räume der Bibliotheksverwaltung und der Buchbearbeitung sind getrennt von den Benutzerbereichen im Ostteil des Gebäudes untergebracht.

Letzte Änderung: 30.03.2016 - Ansprechpartner: Webmaster