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Informationsinitiative "Tierversuche verstehen"

Die Wissenschaft in Deutschland informiert mit der Initiative „Tierversuche verstehen“ umfassend und transparent über Tierversuche in der Forschung. Diese bietet auf einer Internetplattform und über die Sozialen Medien vielfältiges Informationsmaterial an, vermittelt Experten und ermöglicht interaktiv Diskussionen. Die in enger Kooperation von Wissenschaftlern und Kommunikationsfachleuten entstandene Initiative richtet sich an Öffentlichkeit und Medien und versteht sich als weiterer Beitrag der Wissenschaft zur Versachlichung der Diskussion über Notwendigkeiten, Nutzen und Alternativen tierexperimenteller Forschung.

„Wir betrachten es als unsere gesellschaftliche Verantwortung, nicht nur die biomedizinische Forschung selbst zu fördern, sondern auch die Kommunikation darüber“, sagte Jörg Hacker, der Präsident der im Jahr 2016 in der Allianz der Wissenschaftsorganisationen federführenden Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, bei der Vorstellung der Initiative im WissenschaftsForum Berlin. Hacker unterstrich den Anspruch und die Bereitschaft der Wissenschaft, auch zu kontroversen und häufig emotional diskutierten Themen wie dem Einsatz von Versuchstieren offen über ihre Arbeit zu informieren und Hintergründe transparent zu machen. „Wir haben in der Vergangenheit immer wieder festgestellt, dass sich festgefügte Positionen zu Tierversuchen bewegen und Vorurteile auflösen, wenn wir mit Öffentlichkeit und Medien einen aktiven Dialog führen“, so Hacker: „Dies wollen wir nun noch intensiver tun.“

Die neue Initiative wolle „Sorgen und Fragen zu Tierversuchen ernst nehmen und die Grundlage dafür schaffen, dass sich unterschiedliche Zielgruppen auf Basis solider und umfassender Informationen mit dem Thema auseinander setzen können“, betonte Stefan Treue, Präsidiumsbeauftragter für Tierschutzfragen der Leibniz-Gemeinschaft und Sprecher der Initiative. Untersuchungen an Tieren seien vor allem in der Grundlagenforschung in vielen Bereichen nach wie vor unverzichtbar, weil sich nur mit ihrer Hilfe komplexe Vorgänge im Organismus abbilden ließen. Gerade dadurch würden sie jedoch vielfach zum Ausgangspunkt für herausragende wissenschaftliche Erkenntnisse sowie für Fortschritte in der medizinischen Versorgung und Verbesserungen der Lebensqualität der Menschen. „Der Impfstoff gegen Kinderlähmung basiert auf Untersuchungen, die ein halbes Jahrhundert vorher durchgeführt wurden. Aids war in den 1980er-Jahren mit einer Lebenserwartung von einem Jahr verbunden, heute ist die Immunschwäche eine behandelbare chronische Erkrankung“, nannte Treue zwei Beispiele für die Erfolge tierexperimenteller Forschung. Aktuell zeige der Kampf gegen das Zika-Virus die Notwendigkeit solcher Forschungen. Gleichwohl gelte es, die Belastung von Versuchstieren auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Die Entwicklung von Ergänzungs- und Alternativmethoden sei daher ein wichtiges Anliegen der Wissenschaft.

Über diese und zahlreiche weitere Aspekte will die Initiative "Tierversuche verstehen" ab sofort vor allem informieren. Auf einer eigens gestalteten Internetplattform werden News, Hintergrundtexte, Reportagen, Filme, Info-Grafiken, Interviews und Fotos zum Thema Tierversuche angeboten. Allgemein Interessierte, Lehrer und Schüler finden hier für sie aufbereitete Inhalte ebenso wie Medien und andere Meinungsbildner. Zusätzlich bietet die Plattform ein Diskussionsforum sowie eine Expertendatenbank, über die sowohl Ansprechpartner für Journalisten als auch Referenten für Schule und Weiterbildung vermittelt werden. Auch in den Sozialen Medien ist die Initiative aktiv, so mit Videoclips auf Youtube sowie mit tagesaktuellen Neuigkeiten über @TVVde auf Twitter. Zudem will sich „Tierversuche verstehen“ auch bei öffentlichen Veranstaltungen präsentieren und der Diskussion stellen.

Die Initiative wurde mehrere Monaten in engem Zusammenspiel von Wissenschaftlern sowie Fachleuten aus der Kommunikationsbranche erarbeitet. Die Verantwortung für ihre Arbeit und deren Inhalte liegt bei einer Steuerungsgruppe, in der Wissenschaftler und Kommunikationsexperten aus Wissenschaftsorganisationen der Allianz vertreten sind. Umgesetzt und betrieben wird das Projekt nach einer öffentlichen Ausschreibung durch eine Kommunikationsagentur in Münster, die dabei mit einem Wissenschaftlichen Referenten zusammenarbeitet.

Angelegt ist die Arbeit der Initiative auf zunächst fünf Jahre. Die finanziellen Mittel dafür stellen die in engerem Sinne mit tierexperimenteller Forschung befassten Organisationen der Allianz zur Verfügung. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) trägt dabei die Kosten für den Wissenschaftlichen Referenten, die Sachmittel für die Initiative werden von den anderen vier Organisationen anteilig übernommen. Die Arbeit der Initiative soll laufend evaluiert werden, für das dritte Jahr ist eine Gesamtbewertung geplant, auf deren Grundlage über eine mögliche Fortsetzung entschieden werden soll.

Mitglieder der Allianz:


Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen befasst sich mit Fragen der Wissenschaftspolitik, Forschungsförderung und strukturellen Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems. Mitglieder der Allianz sind die Alexander von Humboldt-Stiftung, der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Fraunhofer-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, die Hochschulrektorenkonferenz, die Leibniz-Gemeinschaft, die Max-Planck-Gesellschaft, die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Wissenschaftsrat. Für das Jahr 2016 hat die Leopoldina die Federführung in der Allianz übernommen.

Letzte Änderung: 17.10.2016 - Ansprechpartner:

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