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Geschäftsführer

Sein Großvater hatte einen Handwerksbetrieb, in dem Maschinen für die Fleischindustrie hergestellt wurden. Von klein auf interessierte er sich dafür, wollte alles Technologische wissen, alles darüber erfahren, wie etwas hergestellt wird. Deshalb studierte Christoph Bestehorn Montage- und Fügetechnik an der Universität Magdeburg. Vor 25 Jahren erhielt er sein Diplom. Heute ist er Geschäftsführer der Bestehorn GmbH & Co KG mit Sitz in Aschersleben und erinnert sich gern an seine Studienzeit zurück.

Was machte für Sie das Studium an der OVGU aus? Was war besonders – es war ja die Zeit der politischen Wende?

Bestehorn, Christoph (c) privatDie Betreuung war sehr gut bei den vielen Praktika und Lehrveranstaltungen, gefühlt eine 1 : 1-Betreuung. Politisch war manches schwierig: Meine Teilnahme an einem Bibel-Kreis und meine fehlende Bereitschaft, Offizier der Reserve zu werden wurden zu DDR-Zeiten offenbar kritisch überwacht. Später las ich in meiner Akte, dass ich wegen meiner christlichen Aktivitäten trotz guter fachlicher Leistungen kein Leistungsstipendium erhalten sollte. Weil sich mein Seminargruppenleiter für mich einsetzte, bekam ich es schließlich doch. Während der Wende war ich für ein Auslandssemester in Ungarn. Als ich zurückkam, konnte ich nicht einmal mehr aus der FDJ austreten, weil es die nicht mehr gab.

Wie gestaltete sich Ihr beruflicher Weg nach dem Studium?

Nach einem Ausflug in die Forschung und die Herstellung von emaillierten Druckbehältern im Westen Deutschlands kam ich nach Sachsen- Anhalt zurück und gründete ein Ingenieurbüro, das später mit dem Unternehmen meines Vaters fusionierte. In dem Betrieb dachten wir damals nur in Serien, wollten neue Produkte für die Fleischindustrie entwickeln, und wir machten nur nebenbei Reparaturen, Service, Anpassungen und Einzelanfertigungen auf Anfragen. Irgendwann merkten wir dann, dass genau das unser Produkt ist, und es ging langsam aufwärts. Wegen der räumlichen Enge bauten wir in Aschersleben im Gewerbegebiet neu. Diese Investition traute ich mir nur zu, weil es die Möglichkeit gab, Fördermittel zu erhalten. Das ist ja erst einmal viel Geld für den Staat, aber ich denke, in meinem Fall hat sich die Förderung für das Land bereits gelohnt.

Wie ist das Leistungsspektrum der Bestehorn GmbH & Co KG?

Wir konstruieren und fertigen als Maschinenbaubetrieb Einhausungen für Werkzeugmaschinen, Anlagenerweiterungen für Vliesstoffhersteller, maßgefertigte Ausrüstungen für die Nahrungsmittelindustrie wie auch Blech-, Dreh- und Frästeile nach Muster, nach eigenen oder Lieferantenzeichnungen. Alles das, was man nicht aus dem Katalog von der Stange kaufen kann. Mindestens einmal am Tag kommt ein Anruf: ‚Wir brauchen hier an der Anlage noch einen Schutz, eine Vorrichtung, eine Änderung. Können Sie sich das mal anschauen?‘ Das machen wir und überlegen gemeinsam mit dem Auftraggeber eine Lösung, nehmen die Maße, arbeiten ein Angebot aus und konstruieren. Dann gehen die Zeichnungen in die Werkstatt.

Wie wurden Sie an der Uni auf Ihre Aufgaben als Geschäftsführer vorbereitet?

Wir mussten sehr viel auswendig lernen, zum Beispiel Grundlagen wie das Eisen-Kohlenstoff-Diagramm oder das Schaeffler-Diagramm. Davon profitiere ich immer wieder, auch wenn ich jetzt eigentlich ganz andere Sachen mache als im Studium: Leitungstätigkeit und Entscheidungen treffen sind das vor allem, denn schließlich muss ein Unternehmer per Definition alles wissen.

Was würden Sie jungen Menschen mit auf den Weg geben?

An Studierende: Lernen! Denn man kann nicht abschätzen, was man später braucht oder nicht. Gerade bei den Grundlagen versteht man am Anfang oft nicht den Sinn dahinter, aber später erschließt es sich. Seid froh, dass eure Eltern, der Staat und euer Talent euch das Studium ermöglichen, gebt anderen weiter, was ihr Gutes empfangen habt! An Absolventen: Viele werden Personalverantwortung übernehmen, daran denkt man vorher nicht. Aber wenn man dann plötzlich Gruppenleiter wird, ist es für beide Seiten einfacher, wenn man vorher mal darüber nachgedacht hat, wie man Mitarbeiter führen will. Und wer Unternehmer werden möchte, suche sich eine Frau, die mitmacht …

Vielen Dank für das Gespräch.

Letzte Änderung: 16.05.2017 - Ansprechpartner:

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